"Vatileaks": Mitarbeiter vor Gericht

Vatikanstadt - Der Vatikan stellt demnächst den päpstlichen Kammerdiener Paolo Gabriele wegen schweren Diebstahls vor Gericht. Auch ein weiterer Mitarbeiter, Claudio Sciarpelletti, muss sich verantworten.

Im Enthüllungsskandal „Vatileaks“ kommt der frühere Kammerdiener von Papst Benedikt XVI. vor Gericht. Paolo Gabriele müsse sich wegen schweren Diebstahls verantworten, erklärte der vatikanische Ermittlungsrichter Piero Bonnet am Montag. Dem 46-Jährigen wird die Weitergabe vertraulicher Dokumente vorgeworfen. Zudem wurden bei dem Verdächtigen laut der vatikanischen Justiz ein im März auf den Papst ausgestellter Scheck über 100.000 Euro, ein Goldstück und eine Übersetzung der „Äneis“ von Annibal Caro (1507-1566) in einer Ausgabe von 1581 gefunden.

Gemeinsam mit Gabriele soll den Angaben zufolge der Vatikan-Mitarbeiter Claudio Sciarpelletti wegen Verletzung des Dienstgeheimnisses belangt werden. Dieser arbeitete im vatikanischen Staatssekretariat als Informatik-Experte. Sciarpelletti gelte als Vertrauter von Gabriele, werde von den Ermittlern aber nicht als Komplize eingestuft. Er habe sich in Widersprüche über einen bei ihm aufgefundenen Umschlag verstrickt. Der Mitarbeiter sei unter Beibehaltung seiner Bezüge bis auf weiteres suspendiert.

Eine weitere Suche nach möglichen Komplizen wollte Vatikansprecher Federico Lombardi weder bestätigen noch ausschließen. Auch über ein Rechtshilfeersuchen an den italienischen Staat sei noch nicht entschieden. „Wir machen einen Schritt nach dem anderen“, so Lombardi. Das Verfahren werde jedenfalls „wegen seiner Sorgfältigkeit“ erhebliche Zeit erfordern.

Gabriele war zwischenzeitlich auf Antrag der vatikanischen Staatsanwaltschaft psychiatrisch untersucht worden. Seine Verteidigung hatte dies ebenfalls befürwortet. Grund waren laut vatikanischen Angaben Widersprüche zwischen der Beschreibung Gabrieles als „korrekte und normale Person“ und seinem Verhalten.

Gabriele war am 23. Mai verhaftet worden, nachdem die vatikanische Gendarmerie in seiner Wohnung zahlreiche vertrauliche Dokumente sichergestellt hatte. Es habe sich um Papiere gehandelt, die wenige Tage zuvor in dem Buch „Sua Santita“ des italischen Journalisten Gianluigi Nuzzi veröffentlicht worden waren, so der Vatikan. Nach Angaben des Gerichts fand die Gendarmerie zudem auf dem Schreibtisch von Sciarpelletti einen Briefumschlag mit Geheimdokumenten; darauf habe sich der Name Gabrieles sowie ein Stempel des Staatssekretariats befunden.

dpa

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