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Venedig: Ungewöhnliches Phänomen - Kanäle sind fast ausgetrocknet

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Von: Martina Lippl

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Basilica of Santa Maria della Salute in Venice, Veneto, Italy, Europe DanieleOrsi/REDA&CO 1028_14_DOR01721
Venedig: Niedrigwasser macht der Lagunen-Stadt an der Adria zu schaffen. © imago

Venedig hat meist mit zu viel Wasser zu kämpfen. Aktuell sieht es in der Lagunenstadt völlig anderes aus. Kleine Kanäle sind fast ausgetrocknet. Es ist ungewöhnlich.

Venedig – Der Wasserpegel ist in Venedig bereits um fast 50 Zentimeter gesunken. Die Stadt an der Adria scheint fast ausgetrocknet. Gondeln versinken in den kleinen Kanälen im Schlick. Wie tief das Wasser gesunken ist, lässt sich gut an den Anlegestellen der Vaporetto erkennen. Über einen halben Meter tiefer unter dem Normalzustand legen die Boote an. Die Stege aus Holz ragen am Canale Grande unwirklich aus dem Wasser. Einige Motorboote verschwinden fast darunter. Videos in den sozialen Netzwerken zeigen eindrucksvoll, wie sich das Niedrigwasser auswirkt. Es ist ein ungewöhnliches Phänomen. Statt Romantik macht sich Schlamm in den Kanälen breit.

Venedig-Phänomen - Niedrigwasser legt Kanäle trocken

Das Niedrigwasser in Venedig ist seit Ende vergangener Woche außergewöhnlich. Dabei ist eigentlich das „Aqua alta“ – das Hochwasser typisch venezianisch. Steigt in Venedig der Meeresspiegel mehr als 80 Zentimeter an, sprechen die Behörden von Hochwasser. Bei einer Flut mit Hochwasser von mehr als 1,40 Metern sind 59 Prozent vom Stadtgebiet überschwemmt, so die lokalen Behörden. Es sind die Fotos von Touristen, die in Gummistiefeln über den Markusplatz waten, die beim Begriff „Aqua alta“ in den Köpfen vieler entstehen. Dazu erinnern sich einige bestimmt noch an das verheerende Hochwasser im November 2019. Von einer katastrophalen Flutwelle wurde Venedig in der Nacht auf den 13. November 2019 überschwemmt. Das Wasser, angetrieben durch den sogenannten Scirocco-Wind - stieg damals auf 1,87 Meter.

Hochwasser-Alarm in VenedigAqua Alta in Venedig
12./13. November 2019187 Zentimeter
Jahrhundert Hochwasser am 5. November 1966194 Zentimeter

„Aqua bassa“ - Extremes Niedrigwasser in Venedig - Pänomen

Der Wasserpegel spielt in Venedig eine große Rolle. Auf den Kanälen wird die Stadt versorgt. Die Wasserstraßen sind Teil des öffentlichen Verkehrssystems für Waren und auch Touristen. Bei Hochwasser werden Brücken unpassierbar. Boote können in den Kanälen stranden. Nun sorgt zu wenig Wasser für widrige Umstände. Gondeln bleiben im Schlamm stecken. Niedrigwasser ist ein seltenes Phänomen, kommt jedoch immer wieder vor. Die Gezeitenschwankungen hängen von verschiedene Faktoren ab. Doch diesmal ist der niedrige Wasserstand außergewöhnlich.

Trocknet Venedig aus? Warum ist in einigen Kanäle so wenig Wasser?

Warum Venedig auf dem Trockenen sitzt, hat im Augenblick verschiedene Gründe. In den vergangenen Wochen ist in ganz Norditalien kaum Regen gefallen. Einige Flüsse sind derzeit ausgetrocknet. Auch in Deutschland wird das traumhafte Frühlingswetter immer mehr zum Problem. Das Hochdruckwetter hält auch in Italien schon länger an. Zum anderen weht der Wind meist schwach aus nordwestlicher Richtung. Das Meerwasser wird von Venedig weggedrückt. Auch der Vollmond am vergangenen Freitag verstärkte Ebbe und Flut an der Adria. Am Wochenende und am Montagabend lag der Pegel bei minus 55 Zentimeter unter dem Mittelmeer. Am Dienstag (22. März) waren es noch minus 48 Zentimeter, berichten lokale Medien.

Im Laufe der Woche wird das Niedrigwasser immer weiter abnehmen, wie die offizielle Tide-Vorhersage für das Gebiet vor der Lagune Venedig zeigt. Der Mond nimmt ab. Bei der Berechnung für die astronomische Vorhersage verwendet die Behörde nach eigenen Angaben Beobachtungsdaten von den letzten fünfzehn Jahren. Für den Halbmond am 25. März 2022 entwickelt sich der Pegel eher gemäßigt. Die Behörden rechnen mit „normalen Gezeiten“.

Venedig: So sieht der Wasserpegel in den nächsten Tagen aus.
Venedig: So sieht der Wasserpegel in den nächsten Tagen aus. © comune.venezia.it

Niedrigwasser in Venedig ein Rekord?

Die Werte von über einen halben Meter seit der vergangenen Woche sind schon beachtlich. Doch die Werte sind kein Rekord für Venedig. Im Januar 2018 wurden mindestens minus 66 Zentimeter verzeichnet und Ende Februar 2008 ein Rekord von minus 83 Zentimeter, ist bei wetter.de zu lesen.

Niedrigwasser in VenedigAqua bass - Wasserpegel in der Lagunenstadt an der Adria
Januar 2018minus 66 Zentimeter
Februar 2008minus 88 Zentimeter
März 2022minus 55 Zentimeter

Übrigens: Regen ist in den nächsten Tagen in Venedig keiner zu erwarten. Langfristig haben Klimaforscher für die Lagunenstadt allerdings eine düstere Prognose: Venedig wird definitiv untergehen. (ml) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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