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Bei einer Razzia in Aschersleben wurden am Wochenende zehn Männer festgenommen.

Verdächtige wieder frei

Pädophile benutzten Fünfjährige als Lockvogel

Aschersleben/Magdeburg - Die in Sachsen-Anhalt gefassten elf mutmaßlichen Mitglieder eines bundesweiten Pädophilenrings sind wieder auf freiem Fuß.

Die mutmaßlichen Mitglieder eines bundesweiten Pädophilen-Rings, die am Wochenende in Sachsen-Anhalt gefasst worden waren, sind wieder auf freiem Fuß. Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Montag in Magdeburg sagte, wurden keine Haftbefehle gegen die zehn Männer und eine Frau beantragt. Es bestehe "kein dringender Tatverdacht". Damit entfielen auch weitere objektive Haftgründe wie Flucht- oder Verdunkelungsgefahr, sagte der Sprecher.

Die Tatverdächtigen waren nach ihrer Festnahme am Samstag in Aschersleben vorläufig in Gewahrsam genommen worden. 

Pädophile kannten sich aus Internet-Chat

Die zehn Männer im Alter zwischen 22 und 60 Jahren und die 57-jährige Frau kannten sich aus einem Internet-Chat. Laut Polizei trafen sie sich einmal im Jahr, um neue Kontakte zu knüpfen und vermutlich strafbare Handlungen vorzubereiten. Die Polizei habe von einem Journalisten Ende April von dem geplanten Treffen in dem kleinen Ort in Sachsen-Anhalt erfahren, sagte der Leiter der Zentralen Kriminalitätsbekämpfung, Holger Herrmann, am Montag in Magdeburg.

Ohne die Identität der Verdächtigen zu kennen, habe die Polizei die Teilnehmer des Treffens auf einem Kinderflohmarkt und bei einem Zoobesuch beobachtet. Beim Verlassen des Zoos wurde die Gruppe gefasst. Einige hätten pädophile Neigungen eingeräumt. Nach Angaben von Herrmann sind drei der Tatverdächtigen bereits "einschlägig vorbestraft".

Eigene Nichte (5) diente als Lockvogel

Die Aufgegriffenen sollen demnach zum engsten Kreis des Netzwerkes gehören. Nach Informationen des MDR stammen die Verdächtigen unter anderem aus Aschersleben, Dresden, Berlin, Leipzig und Dortmund.

Die fünfjährige Nichte des Tatverdächtigen aus Aschersleben wurden nach Erkenntnissen der Ermittler dabei als eine Art Lockvogel missbraucht, um Kontakt zu anderen Kindern zu bekommen. Sie wurde dem Jugendamt übergeben, ist aber inzwischen wieder bei ihrem Vater.

Ermittlungen laufen auf Hochtouren

Herrmann geht davon aus, dass die Ermittlungen - auch international - ausgeweitet werden und "noch weitere Personen betreffen" werden. In dem betreffenden Chatroom seien noch mehr Menschen aktiv als die jetzt elf bekannten Verdächtigen. Die Ermittlungen liefen "auf Hochtouren", sagte Herrmann. Derzeit werde die Zusammenarbeit mit anderen Polizeibehörden und Staatsanwaltschaften koordiniert.

Herrmann räumte ein, dass die Polizei im Gegensatz zu sonst üblichen Verfahren bereits "im Anfangsstadium" der Ermittlungen und damit sehr frühzeitig zugegriffen habe. "Wir hoffen, dass wir nun schnell weiterkommen mit den Ermittlungen", sagte er. Stahlknecht betonte, die von dem Zeugen geschilderten Umstände hätten eine Straftat möglich erscheinen lassen. Deshalb habe die Polizei "zügig" gehandelt.

AFP/dpa

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