Verdi: Schlecker verstößt nicht gegen Recht, aber gegen Anstand

Stuttgart - Die Drogeriemarkt-Kette Schlecker verstößt mit ihren Mitarbeiterlisten aus Sicht der Gewerkschaft Verdi zwar nicht gegen Recht, aber gegen den Anstand.

“Der angekündigte Wandel im Unternehmen ist noch nicht überall angekommen“, sagte der Stuttgarter Verdi-Landesfachbereichsleiter Handel, Bernhard Franke, am Montag der Nachrichtenagentur dpa. “Allerdings sind solche Abschusslisten vor allem in Discountern trauriger Alltag.“ Schlecker aus Ehingen hatte zwar die Existenz von Namenslisten bestätigt, als Grund aber die Beurteilung von Beschäftigten angegeben.

Verdi dagegen vermutet dahinter den Versuch, missliebige Mitarbeiter unter fadenscheinigen Begründungen loszuwerden. “Da werden dann schon Abmahnungen verschickt, wenn der Laden mal nicht tipp-topp aufgeräumt ist oder Produkte falsch ausgezeichnet wurden“, erläuterte Franke. Es sei auffällig, dass vor allem im Betriebsrat engagierte Mitarbeiter sowie ältere Arbeitnehmer in höheren Gehaltsgruppen auf den Listen vermerkt seien. “Das ist moralisch höchst bedenklich. Das hat nichts mit Mitarbeiterführung zu tun.“

Doch weder vonseiten des Betriebsrates noch von der Gewerkschaft könne in großem Umfang dagegen vorgegangen werden. Bei Abmahnungen oder Kündigungen sei der Betriebsrat nicht beteiligt, er könne erst tätig werden, wenn die Betroffenen Hilfe suchten. Dies sei aber oft gar nicht der Fall, weil diese sich so unter Druck gesetzt fühlten, dass sie selber kündigten oder eine Kündigung unwidersprochen hinnähmen.

Die Interpretation der Daten in der 20-seitigen Liste ist umstritten. Nach Meinung von Betriebsräten markiert die Kennzeichnung der Namen mit zwei Daten den Zeitpunkt, zu dem ein Mitarbeiter ins Fadenkreuz der Schlecker-Führung geraten sei, sowie das Datum eines erhofften Austritts aus dem Unternehmen.

Ein Schlecker-Sprecher hatte dagegen am Wochenende gesagt, es gehe um “eine systematische Beurteilung wie in vielen Unternehmen“, wobei die zweite Zahl in den Listen das Datum der Wiedervorlage angebe. Der Sprecher hatte ergänzt: “Wir suchen einen guten wie kooperativen Umgang mit Mitarbeiter wie Arbeitnehmervertretern.“

Im vergangenen Jahr hatte es bei Schlecker einen Streit über die ausgesetzte Auszahlung von Überstunden gegeben. Zuvor hatte das Unternehmen mit Stundenlöhnen von 6,50 Euro für Negativ-Schlagzeilen gesorgt. Schlecker setzte 2010 rund 6,55 Milliarden Euro um.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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