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Die vergewaltigte Norwegerin wurde begnadigt.

Norwegerin schildert schockierende Details

Vergewaltigungsopfer nach Sex-Urteil begnadigt

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Dubai - Der Fall erregte Aufsehen: Eine Norwegerin zeigt in Dubai eine Vergewaltigung an und wird selbst verurteilt - wegen außerehelichem Sex. Nun ist sie begnadigt worden - ebenso wie der Täter.

Die Frau, die seit 2011 als Innenarchitektin in Dubai arbeitet, hatte bei der Polizei in den Vereinigten Arabischen Emiraten im März Anzeige erstattet, weil sie von einem Kollegen vergewaltigt worden sei. Die gegen sie verhängte 16-monatige Haft wegen außerehelichen Geschlechtsverkehrs wurde erlassen, sagte Marte Deborah Dalelv am Montag der Nachrichtenagentur AP. Sie dürfe das Land verlassen. Der norwegische Außenminister Espen Barth Eide bedankte sich am Montag via Twitter bei allen, die die Bemühungen um die Freilassung der jungen Frau unterstützt hatten.

Das Opfer berichtet

Da sie nach einem Geschäftessen betrunken war, hatte die 24-Jährige den Mann um 3 Uhr früh gebeten, sie zu dem Hotel zu begleiten, in dem beide ihre Zimmer hatten. Dort brachte er sie aber in sein eigenes Zimmer, nicht in ihres, erzählte die Frau in einem Interview mit dem US-Nachrichtensender CNN. Sie hatte versucht, die Situation ruhig zu klären - an das, was dann geschah, konnte sie sich nicht mehr erinnern. Erst während des sexuellen Missbrauchs kam sie wieder zu sich. Sie versuchte ihren Vergewaltiger von sich zu stoßen - vergebens.

Als der Weckdienst an die Tür des Zimmers klopfte, gelang es Dalelv sich anzuziehen und in die Hotel-Lobby zu flüchten. Dort bat sie darum, die Polizei zu rufen. Die Hotelmitarbeiter hätten sie gefragt, ob sie sich sicher sei. „Natürlich will ich die Polizei rufen“, antwortete sie. „Das ist die selbstverständliche Reaktion da, wo ich herkomme.“

"Hat Ihnen vielleicht nur der Sex nicht gefallen?"

Auf der Polizeiwache hätte man sie gefragt, ob sie nicht vielleicht nur die Beamten gerufen hatte, "weil ihr der Sex nicht gefallen habe". Sie habe geantwortet: "Natürlich hat mir das nicht gefallen!" Das sei der Moment gewesen, an dem ihr klar wurde, dass man ihr nicht glauben würde, so Dalelv in dem Interview. Sie sei medizinisch untersucht worden, um Beweise für eine Vergewaltigung zu finden, und einem Alkoholtest unterzogen worden. Anschließend wurde die junge Frau nach eigenen Angaben vier Tage ohne Erklärung festgehalten

Am dritten Tag sei es ihr gelungen, ihren Stiefvater in Norwegen anzurufen, der die norwegische Botschaft in Dubai eingeschaltet habe. Die Diplomaten hätten am folgenden Tag ihre Freilassung bewirkt, ihr Pass wurde jedoch einbehalten. Erst zu diesem Zeitpunkt wurde sie des außerehelichen Geschlechtsverkehrs und des Alkoholmissbrauchs beschuldigt - ein Straftatbestand, der in den Vereinigten Arabischen Emiraten normalerweise nicht auf Touristen und Tausende in Dubai arbeitende westliche Ausländer angewandt wird. Alkohol wird in Dubai an vielen Stellen verkauft, Trunkenheit in der Öffentlichkeit kann aber Strafen nach sich ziehen.

Bei einer einer der folgenden Vernehmungen sagte Dalelv aus, der Sex wäre einvernehmlich gewesen, in der Hoffnung, die Anklage würde fallengelassen werden. "Das war ein großer Fehler", sagte die Frau zu CNN, denn stattdessen wurde die Anklage um den Punkt der Falschaussage erweitert. In einer kirchlichen Einrichtung untergebracht, wartete die mittlerweile Arbeitslose (Begründung ihres Chefs: "unanständiges Verhalten") auf ein Berufungsverfahren. Doch jetzt wurde die Frau völlig überraschend begnadigt.

Täter: Keine Verurteilung wegen Vergewaltigung

Dalelv sagte, ihr Vergewaltiger - ein Familienvater aus dem Sudan - sei wegen außerehelichem Sex und Alkoholkonsum zu 13 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Eine Verurteilung wegen Vergewaltigung wäre dem Gesetz der Vereinigten Arabischen Emirate entsprechend nur möglich gewesen, wenn er die Tat gestanden oder vier erwachsene männliche Zeugen das Verbrechen bestätigt hätten, erklärt die "USA Today". Laut einem Bericht der BBC wurde auch er begnadigt.

Der Fall hatte am Wochenende für Aufsehen gesorgt, nachdem Dalelv sich an die Öffentlichkeit gewandt hatte. Damit habe sie auf die Gefahr für Ausländer in dem sich westlich gebenden, tatsächlich aber islamisch geprägten Emirat aufmerksam machen wollen, hatte sie im AP-Interview gesagt: „Ich muss das bekanntmachen.“

Behörden in Dubai hatten sich zu dem Fall nicht offiziell geäußert.

hn/AP/dpa

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