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BND verhandelt im Libanon

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- Beirut - BND-Chef Ernst Uhrlau wird am Samstag zu Gesprächen über einen Gefangenenaustausch zwischen Israel und der Hisbollah in Beirut erwartet. Die libanesische Zeitung "Al-Safir" berichtete, Uhrlau stehe an der Spitze einer Vermittlerdelegation. Gernot Erler, Staatsminister im Auswärtigen Amt in Berlin, bestätigte die Information. Bundesaußenminister Steinmeier hingegen hatte zuvor erklärt, es gebe keine deutschen Aktivitäten für einen Gefangenenaustausch.

Die meisten Mitglieder der deutschen Delegation hätten bereits geholfen, den bisher letzten Gefangenenaustausch zwischen Israel und der pro-iranischen Hisbollah im Jahr 2004 zu organisieren, berichtete das Blatt. Aus libanesischen Sicherheitskreisen hieß es, die Deutschen würden auch Parlamentssprecher Nabih Berri treffen. Der schiitische Politiker hat von der Hisbollah den Auftrag erhalten, in der Frage des Gefangenenaustausches als Mittelsmann zu fungieren. Die Hisbollah wollte zu den Berichten über eine deutsche Vermittlung nicht Stellung nehmen. Aus Regierungskreisen in Beirut hieß es: "Die deutschen Vermittler arbeiten normalerweise unter strenger Geheimhaltung und deshalb sind sie auch effizient und genießen das Vertrauen beider Seiten."

Die deutsche Delegation soll in Beirut laut "Al-Safir" auch den Generaldirektor des Allgemeinen Sicherheitsdienstes, General Dschissini, treffen. Die libanesische Seite hatte nach Angaben der Zeitung zuvor erklärt, ihr sei es im Prinzip egal, wer die Vermittlung übernehme. Voraussetzung sei nur, dass der Vermittler vorab von Israel "grünes Licht" eingeholt habe. Israelische Medien hatten berichtet, Außenministerin Liwni habe bei ihrem Besuch in Berlin auch BND-Chef Uhrlau getroffen.

Die Hisbollah-Miliz hatte am 12. Juli nahe der Grenze zwei israelische Soldaten verschleppt, um noch in israelischen Gefängnissen einsitzenden Hisbollah-Mitglieder freizupressen. Nach israelischen Angaben handelt es sich um drei libanesische Gefangene. Scharfe Kritik an Israels See- und Luftblockade gegen den Libanon hat unterdessen die internationale Geberkonferenz zum Wiederaufbau des schwer zerstörten Landes geprägt. Der libanesische Ministerpräsident Siniora sagte vor Regierungsvertretern aus 49 Staaten: "Israel unterminiert damit die Beseitigung der Kriegsschäden." Die Internationale Staatengemeinschaft will dem Libanon mit zunächst 940 Millionen Dollar (730 Millionen Euro) bei der Beseitigung der schlimmsten Kriegsschäden helfen.

Der Krieg im Libanon hat nach EU-Angaben mehr als 1800 Gebäude und 535 Straßen ganz oder teilweise zerstört. Außerdem seien 21 der 29 Brücken über den Litani-Fluss mehr oder weniger stark beschädigt worden, teilte die EU-Kommission in Brüssel unter Berufung auf Satellitenaufnahmen mit. Allein im Südlibanon wurden laut EU-Kommission 1489 Gebäude zerstört oder beschädigt.

Israel hat libanesischen und internationalen Truppen zum ersten Mal die Kontrolle über einen Abschnitt an seiner Nordgrenze übergeben. Nach Angaben der Streitkräfte handelt es sich um ein kleines Gebiet nahe der Grenzstadt Metulla, das geräumt wurde. Vize-Ministerpräsident Schimon Peres erklärte, die Truppen würden mit ihrem Rückzug aus dem Südlibanon beginnen, sobald dort 5000 UN-Blauhelme stationiert seien.

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