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Verhandlungen und Kämpfe in Nadschaf

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- Nadschaf - Begleitet von Gefechten haben die Anhänger des radikalen Geistlichen Muktada el Sadr am Sonntag im irakischen Nadschaf gemeinsam mit gemäßigten schiitischen Religionsführern nach einem Ausweg aus der Krise in der Pilgerstadt gesucht.

Die schiitische «Mahdi-Armee» versuchte unterdessen ein Vordringen der irakischen und amerikanischen Soldaten in der Altstadt zu verhindern. Augenzeugen sahen, wie amerikanische Soldaten mit Panzern weiter in Richtung der Imam-Ali-Moschee vorstießen.

Der Direktor des Gesundheitsamts von Nadschaf sagte am Sonntagnachmittag, in den vergangenen 24 Stunden seien in Nadschaf und seiner Nachbarstadt Kufa 79 Menschen getötet und 165 verletzt worden.

US-Kampfflugzeuge hatten in der Nacht und am Morgen erneut Stellungen der Miliz in der Pilgerstadt angegriffen. An den Verhandlungen mit den Sadr-Anhängern beteiligte sich auch der Sohn des Großajatollahs Ali el Sistani, Mohammed Reda. Sein Vater hält sich zu medizinischer Behandlung in London auf. Die Religionsgelehrten forderten den Abzug der Sadr-Anhänger aus der Moschee, die Türen sollten verschlossen werden, anschließend würden sie den Schlüssel zum heiligen Schrein in einem versiegelten Umschlag entgegennehmen.

Ein Sprecher El Sadrs erklärte, es bestehe weitgehende Einigkeit. Einzig um die verlangte vollständige Räumung des heiligen Bezirks durch die Milizionäre werde noch gerungen. El Sadr selbst ist seit mehr als einer Woche nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen worden.

Ein Selbstmordattentäter versuchte am Sonntag, den stellvertretenden Gouverneur der irakischen Provinz Dijala, Ghassan el Chadran, zu töten. Wie die Polizei in der nördlich von Bagdad gelegenen Stadt Bakuba mitteilte, starben zwei seiner Leibwächter in der Ortschaft Chalis, als sich der Attentäter neben ihrem Konvoi mit seinem Auto in die Luft sprengte. Der Vizegouverneur selbst wurde nur leicht verletzt. Acht weitere Iraker erlitten zum Teil schwere Verletzungen.

Der polnische Verteidigungsminister Jerzy Szmajdzinski besuchte am Sonntag den Irak, um sich ein Bild der Lage in der polnischen Zone zu verschaffen. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Warschau nahm er auch an der Totenmesse für einen 24 Jahre alten polnischen Soldaten teil, der am Tag zuvor bei der Explosion einer Autobombe nahe Hilla ums Leben gekommen war. In Camp Babylon, dem Hauptquartier der polnischen Besatzungszone, traf Szmajdzinski mit General Andrzej Ekiert, dem derzeitigen Kommandeur der multinationalen Truppe, zusammen.

«Wir wollen aus dem Irak so schnell wie möglich abziehen, aber wir wollen solide Sicherheitsstrukturen schaffen», sagte Szmajdzinski. «Nur ein demokratischer Irak garantiere internationale Sicherheit. Zugleich betonte er, das nächste polnische Kontingent, das Anfang 2005 in den Irak entsandt werden soll, werde «bedeutend kleiner» sein. Kurz vor dem Eintreffen Szmajdzinskis gab es neue Angriffe gegen polnische Stellungen, berichtete der polnische Rundfunk. Dabei kam ein Pole ums Leben. Camp Babylon wurde beschossen.

Im nordirakischen Kirkuk gingen hunderte von Turkmenen auf die Straße, um gegen den aus ihrer Sicht zu starken Einfluss der Kurdenparteien in der Stadt zu demonstrieren. Am Samstag nahm die US- Armee im westirakischen Ramadi den Polizeichef der Provinz El Anbar fest. Die Festnahme sei vom irakischen Innenministerium autorisiert worden, hieß es in einer Erklärung der US-Marineinfanterie. Der Mann wird der Korruption verdächtigt und soll möglicherweise auch an Entführungen und Morden beteiligt gewesen sein. Nach Angaben irakischer Entführungsopfer tragen Kidnapper, die Lösegeld erpressen wollen, oft Polizeiuniformen.

Im Irak werden drei Journalisten als vermisst gemeldet. Es sind zwei Franzosen, ein Korrespondent der Zeitung «Le Figaro» und einer von Radio France Internationale. Verschwunden ist auch ein freiberuflicher italienischer Journalist. Sein Fahrer und sein Dolmetscher wurden getötet aufgefunden.

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