250 Verletzte bei Fußball-Krawallen in Jordanien

Amman - Bei Ausschreitungen zwischen palästinensischen und jordanischen Fans nach einem Fußballspiel sind am Freitagabend 250 Menschen verletzt worden. Zu den Krawallen kam es vor dem Hintergrund ethnischer Konflikte.

In der dadurch ausgelösten Massenpanik sei ein Metallzaun umgestürzt und habe viele Menschen verletzt, sagten ein jordanischer Polizeisprecher und Augenzeugen.

Der Vorfall legt die starken Spannungen zwischen den eingewanderten Palästinensern und den Nachfahren von Beduinen in Jordanien offen. Die meisten Fans der Fußballmannschaft Faisal gehören zu der ethnischen Gruppe der Beduinen, während das gegnerische Team Wehdat vor allem von Palästinensern unterstützt wird.

Nachdem Wehdat mit 1:0 gegen Faisali gewonnen hatte, verließen wütende Fans des unterlegenen Teams das Stadion und warfen mit Steinen und Flaschen auf die Anhänger der gegnerischen Mannschaft. Daraufhin habe die Polizei die Eingänge des Stadions versperrt und mit Tränengas eingesetzt, wodurch die Massenpanik und damit der Umsturz des Metallzauns ausgelöst worden seien, sagte ein Augenzeuge.

Die Spiele der beiden Mannschaften waren schon in der Vergangenheit von Spannungen und Gewalt überschattet. Im vergangenen Jahr verhöhnten Faisal-Fans die palästinensischstämmige Königin Rania, die Frau des Königs Abdullah II., und deren Sohn, Kronprinz Hussein. In den von Wikileaks veröffentlichten Dokumenten des US-Außenministeriums drücken die amerikanischen Diplomaten ihr Unverständnis darüber aus, dass damals der König nicht härter gegen die “verbalen Attacken gegen seine Familie“ vorgegangen sei.

Zwischen ethnischen Palästinensern und Beduinen gibt es seit Jahren Spannungen in Jordanien. Die rund 1,8 Millionen Nachfahren der Flüchtlinge aus dem Gebiet des heutigen Israels und Palästinas haben zwar volle Bürgerrechte. Dennoch beschweren sich viele, dass ihnen Stellen im Sicherheitsapparat oder hohen Regierungsposten versagt blieben. Die angestammten Jordanier werfen den Palästinensern ihrerseits eine mangelnde Identifikation mit ihrem Land vor.

dapd

Rubriklistenbild: © dpa

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