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Blick in ein Büro in Paris, aufgenommen am 06.09.2011

Verrückter Post-it-Trend in Frankreich

Paris - Im Kampf gegen mögliche Langeweile am Arbeitsplatz haben Angestellte in Frankreich eine kreative Beschäftigungstherapie entwickelt.

In den Fenstern und Büros von Pariser Unternehmen sind seit dem Sommer zahlreiche Kunstwerke aus bunten Klebezetteln zu bestaunen. Viele der zum Teil riesigen Bilder zeigen Figuren aus alten Videospielen wie Super Mario oder Pac-Man. Aber auch Marilyn-Monroe-Porträts im Stil des Pop-Art-Art-Künstlers Andy Warhol oder Asterix und Obelix werden aus den kleinen Zetteln geklebt.

Zwischen gegenüberliegenden Unternehmen sind regelrechte Wettstreits um das größte und beeindruckendste Kunstwerk an den Fenstern der Außenfassade entbrannt.

Angefangen haben soll das alles im Pariser Vorort Montreuil. Dort schmückten Mitarbeiter des Computerspielriesen Ubisoft im Juni ihre Büros mit kleinen Aliens, die aus den Merkzetteln bestanden.

Angestellte der benachbarten Bank BNP Paribas zeigten sich begeistert und antworteten einfallsreich. Sie ließen sich vom Videospiel “Space Invaders“ inspirieren und klebten ein Raumschiff in ihr Fenster, das die Aliens symbolisch abschoss. Der “Post-it-War“ (deutsch: Krieg der Post-it-Klebezettel) hatte begonnen.

In den kommenden Wochen sprach sich die Idee schnell herum und in ganz Paris entstanden ähnliche Wettkämpfe. Die Beteiligten betonen, die künstlerische Betätigung habe sogar eine soziale Komponente. Früher habe es kaum Kontakte mit den Mitarbeitern von Unternehmen auf der anderen Straßenseite gegeben, sagte ein Pariser Angestellter dem Sender France 3. Seit dem Ausbruch des “Post-it-War“ sei das schlagartig anders.

Mittlerweile werden auch in deutschen Städten wie Köln oder Hamburg die ersten Fensterbilder gesichtet. Auf einer Seite im sozialen Netzwerk Facebook können “Künstler“ ihre Werke zeigen und kommentieren lassen.

Größere Beschwerden von Arbeitgebern über den hohen Klebezettelverbrauch oder liegengebliebene Arbeit wegen der Nebenbeschäftigung wurden bislang nicht bekannt.

“Die Leute arbeiten genug. Im Gegenteil, ich finde es gut, dass sie mal vom Bildschirm wegkommen, um ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen“, sagte eine französische Führungskraft dem Fernsehsender TF1. Manche Unternehmenschefs haben sogar entschieden, die Werke ihrer Mitarbeiter zu konservieren. Bevor die Fensterputzer kommen, werden sie einfach auf riesige Papierbahnen geklebt.

Wirklich neu ist die Zweckentfremdung der bunten Papiere unterdessen nicht. Die 1980 von dem US-Unternehmen 3M auf den Markt gebrachten Haftklebezettel wurden schon für die unterschiedlichsten Kunst-Projekte genutzt. Die deutsch-amerikanische Künstlerin Melynda Schwier-Gierard ordnete sie beispielsweise in 150 verschiedenen Faltungen fließbandartig als riesige Objekte an. Der Künstler Ulf Nawrot protokolliert seit 1989 sein Leben auf den gelben Denkzettelchen, die in der Klassik-Version 76 mal 76 Millimeter messen. Die kleinen Kunstwerke stellt er täglich ins Internet.

dpa

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