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Ein Video schockt die Welt

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- Bagdad - Ein offensichtlich per Handy aufgenommenes Video von der Hinrichtung des irakischen Ex-Diktators Saddam Hussein in Bagdad hat vielerorten helle Empörung ausgelöst. Großbritanniens Vize-Premierminister John Prescott meinte, wer immer die Verantwortung für diese Aufnahmen und die Veröffentlichung trage, solle "sich schämen". Es sei völlig "inakzeptabel, dass so eine Aufnahme an die Öffentlichkeit gelangt".

Die Regierung in Bagdad ordnete eine Untersuchung darüber an, wie das Video trotz der strengen Sicherheitskontrollen aufgenommen und auf welchem Weg es an die Öffentlichkeit gelangen konnte. Das Video kursiert seit dem Wochenende im Internet.

Es zeigt die Hinrichtung Saddams in voller Länge. Unter anderem sind Hochrufe auf den radikalen Schiiten-Prediger Muktada al-Sadr zu hören. Saddam Hussein entgegnet: "Fahr zur Hölle, der Irak ist nichts ohne Saddam". Als letzte Worte spricht Saddam das islamische Glaubenbekenntnis, die Schahad: "Es gibt keinen Gott außer Gott und Mohammed ist sein Prophet". Als er es wiederholt, kommt er nur noch bis zum Wort "Mohammed", dann öffnet sich die Falltür. Als Saddam am Galgen hängt, bricht Jubel unter den Anwesenden aus ­ offenbar kommt er von Saddams Wächtern.

Der Nationale Sicherheitsberater Muwaffak al-Rubai sagte der britischen Tageszeitung "The Times", das Video sei auch für die nationale Versöhnung "extrem schädlich". Frankreichs Regierung äußerte die Befürchtung, "dass die Bilder und die Äußerungen während der Hinrichtung die Kluft zwischen den Gruppen vertiefen".

In der Bagdader Schiiten-Vorstadt Sadr-City sei das Video zum Verkaufsschlager geworden, berichten Anwohner. Zudem sei dort eine zweistündige CD im Umlauf, die die Urteilsverkündung im Prozess wegen der Ermordung von 148 Schiiten im Ort Dudschail 1982 in voller Länge zeigt ­ bisher waren auch davon nur Ausschnitte veröffentlicht worden. Am Vortag hatten Sunniten in Bagdad und der Stadt Sammara auch gegen das Hinrichtungs-Video protestiert.

Die Regierung hatte wenige Stunden nach der Exekution am Wochenende nur ein kurzes Video ohne Ton veröffentlicht. Es bricht ab, als der Henker die Schlinge zuzieht. Das im Internet kursierende Video nebst Ton ist mehr als zwei Minuten lang und zeigt die Hinrichtung bis zum Ende.

Saddam sowie sein Halbbruder Barsan al-Tikriti und der Ex-Richter Awad al-Bandar waren am 5. November vergangenen Jahres zum Tode verurteilt worden. Die Hinrichtung von Al-Tikriti und Al-Bandar war verschoben worden. Sie wird nach dem islamischen Opferfest erwartet, das für die Schiiten heute zu Ende geht.

In der jemenitischen Hauptstadt Sanaa beteten unterdessen Hunderte von Menschen für Saddam. In einem Demonstrationszug protestierten sie gegen die Hinrichtung und gegen die Politik der USA und die der von Schiiten dominierten Regierung des Iraks. Auch an vielen anderen Orten, darunter im Westjordanland, kam es zu lautstarken Protesten gegen die Exekution des früheren Diktators.

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