Max-Planck-Institut:

Mehr Tote durch dreckige Luft als durchs Rauchen

Ein Viertel der Erkrankungen und vorzeitigen Todesfälle weltweit werden einem UN-Bericht zufolge durch Umweltverschmutzung und -zerstörung verursacht. 

Luft- und Wasserverschmutzung sowie die fortschreitende Zerstörung von Ökosystemen bedrohten und beeinträchtigten die Lebensräume von Milliarden von Menschen und schädigten die Weltwirtschaft massiv, heißt es in der am Mittwoch veröffentlichten Studie. Der Glaube an stetes Wirtschaftswachstums werde angesichts von künftigen Todesraten, Arbeitsausfällen und Gesundheitskosten sinnlos.

An dem Global Environment Outlook (GEO) zum Zustand der Erde arbeiteten rund 250 Wissenschaftler aus 70 Ländern sechs Jahre lang. Für die GEO-Studie wurde anhand von Datenmaterial die Auswirkungen von Umwelteinflüssen auf die Entwicklung von mehr als hundert Krankheiten weltweit ausgewertet. Das Ergebnis: Die zunehmende Umweltverschmutzung leiste einer weltweiten Epidemie Vorschub, die immer größere wirtschaftliche Schäden verursache. So seien neun Millionen Todesfälle allein im Jahr 2015 auf Umweltverschmutzung zurückzuführen, heißt es in dem Bericht.

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Zugleich öffne sich die Schere zwischen Armen und Reichen immer weiter, warnen die Experten. Übermäßiger Konsum, Lebensmittelverschwendung und Verschmutzung in den Industrieländern führe in ärmeren Ländern zu Hunger, sich verschärfender Armut und Krankheiten.

So verursachten verseuchtes Trinkwasser und dürftige Sanitäranlagen jährlich den Tod von rund 1,4 Millionen Menschen. Noch gefährlicher sei die Luftverschmutzung, der jährlich zwischen sechs und sieben Millionen Menschen zum Opfer fielen. In Gewässer geleitete Chemieabfälle hätten generationenübergreifende Gesundheitsfolgen. Die Zerstörung von Böden durch industrielle Landwirtschaft und Abholzung betreffe bereits heute Regionen, in denen 3,2 Milliarden Menschen leben.

Fataler Einsatz von Antibiotika

Darüber hinaus weisen die Wissenschaftler auch auf die fatalen Folgen von massivem Antibiotika-Einsatz in der Lebensmittelproduktion hin. Bis Mitte des Jahrhunderts könnten daraus resultierende Resistenzen dazu führen, dass Super-Bakterien zur Hauptursache für vorzeitige Todesfälle würden.

In einer Handlungsanweisung an die Politik in dem Bericht heißt es: "Es ist dringendes Handeln in einem beispiellosen Ausmaß notwendig, um die Situation zu stoppen und umzukehren." Allerdings gebe es noch kein internationales Vertragswerk zum Umweltschutz vergleichbar dem Pariser Klimaabkommen.

Neuausrichtung der Weltwirtschaft dringend

Mit dem Pariser Abkommen von 2015 wurde beschlossen, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Niveau zu begrenzen, möglichst sogar auf 1,5 Grad. Derzeit steuert die Erde allerdings auf eine Erwärmung von mindestens drei Grad zu. Die Folgen von Umweltzerstörung wie Abholzung der Wälder, Luftverschmutzung und industrieller Lebensmittelproduktion seien dagegen bis heute kaum absehbar, heißt es im GEO-Bericht.

Ohne eine grundlegende Neuausrichtung der Weltwirtschaft auf nachhaltigere Produktionsweisen habe der Glaube an ein stetes Wachstum des globalen Bruttosozialprodukts (BIP) angesichts der steigenden Kosten durch Todesfälle, Arbeitsausfälle und Gesundheitsversorgung kein Sinn, warnen die Experten. Ein "gesunder Planet" bemesse sich nicht nur am "Welt-BIP", sondern unterstütze auch die "Ärmsten", die auf saubere Luft und sauberes Wasser angewiesen seien, sagte GEO-Ko-Chefin Joyeeta Gupta. Andernfalls seien "massive Schäden" an menschlichem Leben zu erwarten.

Mehr Treibhausgase durch Verschwendung

Die Lage sei aber nicht aussichtslos, schreiben die Wissenschaftler. So seien etwa bei der Verschwendung von Lebensmitteln wirkungsvolle Gegenmaßnahmen möglich. Lebensmittelverschwendung habe einen Anteil von neun Prozent an der weltweiten Treibhausgasen-Emission. Derzeit landeten weltweit ein Drittel aller Lebensmittel im Müll, in den reicheren Ländern liege die Quote bei 56 Prozent. Diese Probleme könnten durch Müllvermeidung und Fleischverzicht relativ schnell begrenzt werden.

afp/jah/bt

Rubriklistenbild: © Foto: Michael Kappeler/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

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