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Allein in bayerischen Seen und Flüssen starben bis Anfang August mindestens 59 Menschen. Foto: Marc Müller/Archiv

Viele Badetote im Süden

Unberechenbare Strömungen waren im vergangenen Sommer an der Nord- und Ostsee gefährlich. Viele Menschen ertranken. In diesem Jahr sind die Meere sicherer. Gefährlich ist es woanders.

Berlin (dpa) - Die Hitze bringt auch Gefahren. Die schönen Sommerwochen im Süden und Osten Deutschlands haben die Zahl der Badeunfälle und Badetoten in die Höhe getrieben.

An den Küsten von Nord- und Ostsee gab es kaum Tote, was auch am kühleren Wetter und dem Ausbleiben gefährlicher Strömungen lag. Das geht aus einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur in den Bundesländern hervor.

Gesicherte Zahlen der Behörden gibt es kaum. Nur Organisationen wie die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) und das Rote Kreuz bemühen sich darum, die Badeunfälle zu erfassen. In ganz Deutschland gab es im Jahr 2014 laut DLRG mindestens 392 Badetote, die meisten in Seen und Flüssen. Die tatsächliche Zahl liegt wohl noch höher.

In diesem Sommer gerieten am häufigsten alte Menschen im Wasser in Not. Aber auch Kinder und Menschen mittleren Alters ertranken. Selbstüberschätzung und riskantes Verhalten sind die häufigsten Ursachen. In manchen Bundesländer verunglückten auffallend oft Flüchtlinge und Zuwanderer aus arabischen und afrikanischen Ländern, die teilweise aus kulturellen Gründen nicht schwimmen können.

In bayerischen Seen und Flüssen starben nach Angaben des Roten Kreuzes und der Polizei bis Anfang August schon mindestens 59 Menschen. Im gesamten letzten Jahr waren es laut DLRG 90. "Umso heißer der Sommer ist, desto mehr passiert", sagte die Sprecherin des Bayerischen Roten Kreuzes, Hanna Hutschenreiter. Unter den Opfern waren mehrfach Asylbewerber oder Menschen mit Migrationshintergrund. Erst letzte Woche fand die Polizei die Leiche eines 17-jährigen Afghanen, der im Lech ertrank.

Im Bodensee ertranken bislang mindestens 15 Menschen vor den Ufern Deutschlands, Österreichs und der Schweiz, 10 davon allein in Baden-Württemberg. In nur wenigen Tagen starben im Juli bei Konstanz sechs ältere Menschen. Auch hier war der Grund für die Steigerung gegenüber nur einem Toten im Vorjahr die große Hitze.

Auch in Rheinland-Pfalz und Hessen rückten die DLRG und die Wasserschutzpolizei vermehrt zu Rettungs- und Erste-Hilfe-Einsätzen aus. In Rhein und Mosel ertranken mehrere Menschen. Besonders tragisch war zuletzt der Fall eines Vaters und seines Sohnes, die zusammen untergingen. In den Binnengewässern Niedersachsens sind trotz des durchwachsenen Sommers mindestens sieben Menschen im Wasser ums Leben gekommen - fast genauso wie in den Vorjahresmonaten.

Besser war die Lage am Meer. "An der Küste gab es im Vergleich zum Vorjahr kaum Notsituationen. Das liegt auch an den wenigen heißen Sommer-Tagen", sagte der DLRG-Sprecher Achim Wiese in Bad Nenndorf. Die Rettungsschwimmer in Schleswig-Holstein hatten wegen des wechselhaften Wetters deutlich weniger zu tun als im Vorjahr. Zwei Todesfälle auf Sylt und in Flensburg wurden bekannt. Im vorigen Jahr gab es wegen ungünstiger Strömungen eine auffallende Häufung von 16 Toten.

Ähnlich sah es an den Ostseestränden Mecklenburg-Vorpommerns aus. In der Ostsee ertrank ein Mann, in Binnenseen starben drei Menschen.

In Nordrhein-Westfalen hatte die DLRG noch keine konkrete Zahl. Bis Juli waren es mindestens zwölf Todesopfer. Im bevölkerungsarmen, aber wasserreichen Land Brandenburg wurden bisher 15 Badetote gezählt. In Berlin waren es mindestens vier Tote, ebenso in Thüringen.

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