Sie bestahl alte Leute

Vier Jahre Haft für diebische Pflegerin

Berlin - Als Pflegekraft erwirbt eine Berlinerin das Vertrauen hilfsbedürftiger Senioren. Und bedient sich dann in deren Wohnungen - mit ihrem Ehemann als Komplizen. Nun wurden beide verurteilt.

Eine jahrelange Diebstahlserie bei hilfsbedürftigen Senioren bringt eine 37-jährige Pflegekraft und deren Ehemann ins Gefängnis. Vier Jahre Haft verhängte das Berliner Landgericht am Mittwoch gegen die Frau, zwei Jahre und sechs Monate gegen den 40-jährigen Mann. „Beide müssen sich ein erschreckendes Maß an Gewissenlosigkeit vorwerfen lassen“, begründeten die Richter ihr Urteil. Das geständige Paar hatte bei mehr als 15 Opfern Geld, Schmuck und Gemälde im Gesamtwert von knapp 140 000 Euro erbeutet.

Die Frau hatte in den meisten Fällen ihre Tätigkeit als Krankenpflegerin in Ausbildung in verschiedenen Kliniken ausgenutzt, um aus den persönlichen Sachen gerade operierter Senioren Wohnungsschlüssel zu entwenden. Damit hatte sie sich und in einigen Fällen ihrem Mann Zutritt verschafft. „Die schwächsten Glieder der Gesellschaft wurden systematisch bestohlen“, sagte der Vorsitzende Richter. Das Urteil entsprach im Wesentlichen dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Die Tatserie begann im März 2009 und endete erst viereinhalb Jahre später im September 2013. Obwohl es zwischendurch auch zu Hausdurchsuchungen bei den Angeklagten gekommen war, hätten sie die Serie fortgesetzt, hieß es im Urteil. In den ersten Fällen hatte die Frau, eine zweifache Mutter, als Mitarbeiterin einer Sozialstation gestohlen. Ältestes Opfer war eine 95-Jährige. Bei einer 82-Jährigen hatte die Pflegekraft Gemälde im Wert von 71 000 Euro abgehängt.

Die Angeklagte hatte nach sechs Monaten Untersuchungshaft erklärt, sie sei aus dem Kreis nicht mehr herausgekommen. Sie bereue zutiefst. „Die Menschen haben mir vertraut, das habe ich missbraucht.“ Damals sei ihr das nicht bewusst gewesen. Sie habe „unter Druck gestanden“. Die Staatsanwältin sagte, die Angeklagten hätten „besondere Gefühlskälte und Rücksichtslosigkeit gegenüber den älteren Menschen“ an den Tag gelegt, um sich ein schönes Leben zu finanzieren. Die Eheleute hatten gestanden, die Beute in ein Haus, Autos und Reisen gesteckt zu haben. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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