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Studie zeigt: UV-Strahlung könnte Virenlast in Innenräumen reduzieren - Ohne Gefahr für Menschen?

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Von: Anna Lehmer

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Infektionskrankheiten, darunter auch COVID-19, werden durch Erreger in der Luft übertragen. UV-Strahlen könnten einer Studie zufolge größere Räume keimfrei machen, ohne Menschen zu gefährden.

New York - Viren, Bakterien und Pilze: Sie alle können mithilfe ultravioletter Strahlung abgetötet werden. Mit dem sogenannten Far-UV-C kann die Virenlast in Innenräume innerhalb weniger Minuten um 98,4 Prozent gesenkt werden. Forscher der Columbia University Medical Center in New York wollen nun herausgefunden haben, dass so Krankheitserreger wie das des Coronavirus in Räumen abgetötet werden, ohne Anwesende in Gefahr zu bringen. Experten bezweifeln, dass UV-C-Strahlung keine Schäden bei Menschen verursacht.

UV-C-Strahlung zur Desinfektion von Trinkwasser oder Räumen

In der Studie von britischen und US-amerikanischen Wissenschaftler, die in der Fachzeitschrift „Scientific Reports“ veröffentlicht wurde, soll bewiesen sein, dass UV-C-Strahlung weder Reaktionen der Haut oder den Augen noch Hautkrebs hervorruft. Ultraviolette Strahlung gilt in geringer Dosis als förderlich für die lebenswichtige Vitamin-D-Produktion. Wird sie jedoch in höheren Mengen aufgenommen, kann sie zu Haut- und Augenleiden führen. Gerade deswegen wird die UV-C-Strahlung seit Jahrzehnten mit einer Wellenlänge von 254 Nanometern (Millionstel Millimeter) zur Desinfektion von Oberflächen, Trinkwasser oder Bereichen eingesetzt. In Räumen findet die Strahlung nur Verwendung, wenn sich darin keine Menschen befinden.

Laut Studie: UV-C-Strahlung unbedenklich für Menschen

Far-UV-C-Strahlung mit einer Wellenlänge von 222 Nanometern hingegen gilt laut der Studie als unbedenklich, sodass diese auch in Räumen mit Menschen zur Desinfektion genutzt werden könnte. So heißt es auf Seiten der Forscher: „Die bisherigen Studien an Tier- und Menschenmodellen haben keine langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen gezeigt“. Es wird allerdings darauf hingewiesen, dass die Inaktivierung der Erreger unter Laborverhältnissen nicht unbedingt zu einer geringeren Krankheitsübertragung unter realen Bedingungen führt.

UV-C-Strahlung soll Krankheitserregerlast deutlich reduzieren

Um die keimtötende Wirkung von Far-UV-C-Strahlung herauszufinden, führten die Wissenschaftler Experimente in einem leeren 32 Quadratmeter großen Raum durch. Darin befand sich ein Belüftungssystem, das die Luft im Raum dreimal pro Stunde austauschte.  Nach einer einstündigen Stabilisierungsphase wurden 10 Luftproben über einen Zeitraum von 50 Minuten entnommen, wobei regelmäßig Bakterien der Art Staphylococcus aureus in den Raum gesprüht wurden. Anders als das Coronavirus würde dieses Bakterium weniger empfindlich reagieren, was das Modell zurückhaltender für Aussagen über Covid-19 machen würde, schreiben die Studienautoren.

Expertin kritisiert: Es gibt noch keine Langzeitstudie über UV-C-Strahlung

Dass UV-C-Strahlung mit einer Wellenlänge von 222 Nanometern unbedenklich für Mensch und Tier ist, sieht Monika Asmuß vom Bundesamt für Strahlenschutz kritisch. Es gebe keine Langzeitstudie, weshalb die Folgen zum jetzigen Zeitpunkt nicht abgeschätzt werden könnten, so die Expertin laut Redaktionsnetzwerk Deutschland unter Berufung auf die dpa. Zwar stimme sie der Studie zu, dass UV-Strahlung mit 222-nm-Wellenlänge nicht so tief in die Epidermis der Haut eindringe. Doch besonders Kinder und Menschen mit Hauterkrankungen müssten bei der Beurteilung der Gefährlichkeit dieser Desinfektionsmethode berücksichtigt werden. Diese Personengruppe sei besonders anfällig für Hautkrebs, der entsteht, wenn die Far-UV-C-Strahlung in der Basalmembran der Haut eindringt und Mutationen in Stammzellen auslöst, so Asmuß.

UV-C-Strahlung: Verringerung der aktiven Bakterien um 98,4 Prozent

Ein interessantes Ergebnis zur keimtötenden Wirkung von Far-UV-C-Strahlung liefern Untersuchungen mit verschiedenen Bestrahlungsgraden. Dazu wurden fünf Krypton-Chlorid-Deckenlampen im Raum angebracht, die je nach Strahlenintensität eingeschaltet wurden. Dies geschah, um die Auswirkungen einer temporären (eine Lampe) und einer vollständigen (fünf Lampen) Bestrahlung des Raumvolumens zu untersuchen. Bei hoher Bestrahlungsintensität und fünf Lampen wurden aktive Bakterien dauerhaft um 98,4 Prozent verringert.

Studie zeigt: Far-UV-C-Beleuchtung effektiver als Luftfilteranlagen

Die Ergebnisse aus der Studie liefern auch Daten, die einen Vergleich mit anderen Technologien wie Luftfilteranlagen ermöglichen. Auch bei Bestrahlung mit mittlerer Intensität und fünf Lampen konnten die Bakterien um 92 Prozent reduziert werden. Damit könne die Methode so viele Krankheitserreger in Innenräumen abtöten, wie selbst Luftfilteranlagen nicht erreichen könnten, erklären die Studienautoren. Der Vorteil einer Far-UV-C-Beleuchtung liege in der höheren Leistungsfähigkeit und dem geräuschlosen Einsatz, so die Wissenschaftler. „Der Einsatz dieser Technologie an Orten, an denen Menschen in geschlossenen Räumen zusammenkommen, könnte die nächste mögliche Pandemie verhindern“, erklärt David Brenner in einer Mitteilung seiner Universität.

Im Kampf gegen COVID-19 setzten im ersten Corona-Winter manche Unternehmen auf UV-C-Licht. Experten äußerten auch hier ihre Bedenken. Im zweiten Winter mit dem Virus spitzte sich die Pandemie zu. Forscher erklärten das Phänomen mit fehlenden UV-Strahlung.

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