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Virologe Hendrik Streeck erklärt in seinem Buch das Immunsystem: Warum Hühnersuppe und Küsse gesund sind

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Hendrik Streeck zeigt eine seiner Zeichnungen aus dem Buch. Es sind Bilder, die sogar Kinder verstehen.
Hendrik Streeck zeigt eine seiner Zeichnungen aus dem Buch. Es sind Bilder, die sogar Kinder verstehen. © Rolf Vennenbernd/dpa

Wenn Hendrik Streeck aufmalt, was in unserem Körper vorgeht, wirkt das fast putzig. Natürliche Killerzellen, kurz NK-Zellen, sehen aus wie kleine Ninja-Kämpfer, Makrophagen, sogenannte Fresszellen, erinnern an das Krümelmonster aus der „Sesamstraße“.

Bonn - Streeck, 44 Jahre alt und Direktor des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Bonn, hat sie für sein heute erscheinendes Buch „Unser Immunsystem“ (22 Euro) gezeichnet.

Darin erklärt der Virologe*, der früher mal Filmkomponist werden wollte und viel künstlerisches Talent besitzt, die menschliche Immunabwehr. Ein Gespräch über die Gemeinsamkeiten von Kunst und Medizin, die Zukunft der mRNA-Technologie und die wohlige Wirkung einer guten Hühnersuppe.

Herr Streeck, man sieht es ab und zu noch auf der Straße: Eine Großmutter oder ein Großvater, die auf ein Taschentuch spucken und dem Enkel damit das Gesicht sauber machen, wenn er hingefallen ist. So besonders ratsam ist das nicht, oder?

Eines vorweg: Ich sehe nicht alles, was im Leben passiert durch die Linse des Virologen. Aber grundsätzlich kann man sagen, dass Spucke viele Stoffe enthält, die einen Schutzmechanismus gegen Erreger bilden. Sie macht es Bakterien und Viren schwieriger, sich festzusetzen und zu vermehren. Daher ist Spucke generell auch ein Mittel, das antibakteriell wirkt oder das man auf eine Wunde machen kann, wenn gar nichts anderes zur Hand ist. Das große Aber: Wichtig ist, dass man seine eigene Spucke benutzt und nicht die von jemand anderem. Wenn eine Oma das also so macht, kann es durchaus zu einer Infektion kommen.

Das Immunsystem  leistet eine Extremarbeit, von der wir aber nur ganz selten etwas bemerken.

Hendrik Streeck

Das Immunsystem ist sehr komplex. Was fasziniert Sie daran?

Faszinierend ist, dass das Immunsystem überhaupt keinen Ort hat. Eine Leber kann man rausnehmen, auch von einer Niere weiß man, wo sie ist. Aber das Immunsystem kann man nicht lokalisieren. Zudem ist es so stark, dass es – wenn es ganz schlimm kommt – den Menschen umbringen kann, ihn aber in den allermeisten Fällen sehr erfolgreich vor Attacken beschützt. Es leistet eine Extremarbeit, von der wir aber nur ganz selten etwas bemerken.

Sie wählen zur Beschreibung mitunter Vokabeln, als sei es eine Armee.

Es ist auf jeden Fall extrem schlagkräftig. Der militärische Vergleich ist nicht aus der Luft gegriffen, vor allem auch, weil es eine organisierte Abwehr ist. Nach einer ersten schnellen Reaktion wird sehr koordiniert vorgegangen. Das ist nicht wahllos.

Ganz schön komplex: Diese Grafik erklärt das Immunsystem medizinisch. Sie stammt nicht aus Streecks Buch.
Ganz schön komplex: Diese Grafik erklärt das Immunsystem medizinisch. Sie stammt nicht aus Streecks Buch. © dpa-infografik GmbH

Sie haben die Bilder in Ihrem Buch selbst gezeichnet, der Stil erinnert an einen Comic. Humane Papillomviren – kurz HPV – sehen aus wie Discokugeln. Wo haben Sie so gut zeichnen gelernt?

Ich will meine Zeichenkünste nicht überbewerten. Aber deswegen hat es auch so lange gedauert mit dem Buch. Ich habe 2015 schon damit angefangen – eigentlich für ein Kinderbuch. Ich selbst habe Medizin gelernt, in dem ich viel aufgemalt habe. Wenn man das Gefühl hat, dass es etwas Menschliches hat, dann kann man oft einfacher lernen und verstehen. So ist es zumindest bei mir.

Gibt es zwischen Kunst und Medizin Gemeinsamkeiten?

Ich nehme da in der Tat Überschneidungen wahr. Es gibt viele Mediziner, die musikalisch sind und in einem Orchester spielen. Ich glaube, dass Medizin auf der einen Seite zwar etwas sehr Rationales hat. Aber auf der anderen Seite ist sie auch etwas sehr Emotionales. Man muss sich einfühlen können in einen Patienten.

Technologisch ruhen momentan viele Hoffnungen auf der mRNA-Technologie, mit der auch Impfstoffe für die Corona-Pandemie entwickelt wurden. Manche Experten glauben, dass sich damit auch viele andere Krankheiten bekämpfen lassen. Teilen Sie diese Hoffnung?

Die große Hoffnung dieser Technologie liegt zunächst darin, dass man Impfstoffe vergleichsweise schneller als bei früheren Laborverfahren entwickeln kann. Wir haben aber noch keine Erfahrungen damit, wie gut das bei anderen Erregern als Corona gehen kann, und wie lange ein Schutz überhaupt anhält. Wir müssen erst noch mehr lernen, um beurteilen zu können, wie hoch der Quantensprung ist.

Dann mal weg von Hochtechnologie und hin zu Hausmitteln. Was kann ich einnehmen, um mein Immunsystem zu stärken?

Das ist die große Preisfrage, mit der speziellen Problematik, dass man das eigentlich gar nicht richtig kann. Wenn man beispielsweise eine Multivitamintablette nimmt, produziert man leider nur hauptsächlich teuren Urin. Das Beste für ein Immunsystem ist es, wenn man sich körperlich und geistig fit hält. Da gibt es auch sehr interessante psychologische Effekte. Lachen zum Beispiel ist gut für das Immunsystem, das haben Studien gezeigt. Wenn man trotzdem krank wird, gibt es natürlich bestimmte Stoffe, die einen Vorteil bringen können. Etwa eine heiße Zitrone bei einer Erkältung.

Oder Hühnersuppe.

Ja genau. Eine frische Hühnersuppe hat Vitamin C und Vitamin E, das hat einen positiven Effekt. Zudem regt sie die Schleimbildung im Rachen an. Mit einer größeren Schleimproduktion werden Erreger leichter rausgespült. Zudem: Wenn sich ein Immunsystem neu formt, braucht es dafür Bausteine, bestimmte Aminosäuren. Die findet es ebenfalls in der Hühnersuppe.

Offenbar profitiert das Immunsystem auch von Romantik. Sie würdigen in Ihrem Buch „intensives Küssen“ bei Paaren als Methode – wenn möglich, mehrmals täglich.

Durch den Kontakt mit einer anderen Mundflora wird das Immunsystem etwas hochreguliert. Es geht in eine latente Alarmbereitschaft und kann Erreger so leichter abwehren. Zudem wird die Mundflora durch Küssen diverser, weil sich beide Floren anpassen. Dadurch wird sozusagen das eigene Immun-Arsenal erweitert. Interview: Jonas-Erik Schmidt *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Fünf Lebensmittel, die im Alltag unser Immunsystem stärken

„Grundsätzlich gibt es kein Lebensmittel, das alle Nährstoffe enthält“, sagt Gesine Roß, Ökotrophologin bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Die Mischung mache es. Lebensmittel sollten unverarbeitet, regional und saisonal sein, rät die Expertin. Täglich sollte man mindestens 400 Gramm Gemüse und 250 Gramm Obst konsumieren. Gesine Roß hat für uns fünf Lebensmittel zusammengestellt, die besonders gut fürs Immunsystem sind.

Birne

Birnen enthalten unter anderem Provitamin A, die Vitamine B1, B2 und Vitamin C. Auch Folsäure steckt in Birnen. Dazu kommen die Mineralstoffe Kalium, Kalzium und Eisen. Birnen enthalten auch Ballaststoffe wie Pektin. Das regt die Verdauung an und hilft bei bakteriellen Durchfallerkrankungen. Pektin quillt im Darm auf, kann so die Flüssigkeit und die von den Bakterien gebildeten Giftstoffe binden. Zudem haben Birnen weniger Fruchtsäure als Äpfel und sind magenschonender. Der Zuckgerhalt ist ähnlich wie beim Apfel.

Fenchel

Fenchel ist kalorienarm und voller wertvoller Inhaltsstoffe – Ballaststoffe, pflanzliches Protein, Vitamin A, C und E, Folsäure, Calcium, Magnesium und Kalium. Ätherische Öle wie Fenchon, Menthol und Anethol sorgen für den typischen Anis-Geschmack der Knolle. Nicht nur Eisen, sondern auch Folsäure ist für die Blutbildung wichtig.

Linsen

Linsen enthalten eine Vielzahl von Vitaminen und Mineralstoffen, wie etwa B-Vitamine, Vitamin A, Vitamin E, Eisen, Kalium, Magnesium oder Calcium. Auch der Anteil an sekundären Pflanzenstoffen wie Flavone oder Phenolsäuren ist bemerkenswert. Und sie sind reich an der essenziellen Aminosäure Lysin, die der Mensch braucht, aber nicht selber herstellen kann. Linsen weisen nur geringe Mengen der schwefelhaltigen Aminosäuren Methionin und Cystein auf. Da es bei Getreide genau anders herum ist, ergänzen sich Linsen und Getreideprodukte wie Reis, Nudeln oder Brot also hervorragend.

Esskastanie

Sie enthalten viele B-Vitamine, Vitamin C, Folat, Kalium sowie Magnesium und Ballaststoffe, Schon eine Portion von 100 Gramm Maronen liefert neun Gramm und kann so wesentlich zu den von der DGE empfohlenen 30 Gramm Ballaststoffen pro Tag beitragen.

Hagebutte

Hagebutten enthalten entzündungshemmende und schmerzlindernde Flavonoide. Diese natürlichen Farbstoffe wirken im ganzen Körper, sind aber besonders für ihre schützende Wirkung vor Zellschädigungen bekannt. 100 Gramm Hagebutte enthalten 800 Mikrogramm Vitamin A, 24 Gramm Ballaststoffe und 1250 Milligramm Vitamin C. Vitamin A ist gut für Haut, Schleimhäute, Augen und das Wachstum der Körperzellen. Der hohe Vitamin-C-Gehalt stärkt die Abwehrkräfte besonders gut und hilft bei der Verbrennung von Körperfett. wha

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