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Omikron besorgt Virologin Ciesek enorm – RKI-Forscher zieht Vergleich zur ersten Corona-Welle

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Von: Martina Lippl

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Virologin Sandra Ciesek nimmt im Februar 2021 bei der Bundespressekonferenz in Berlin ihren Mundnasenschutz ab.
Virologin Sandra Ciesek (Archivbild) hat sich in einem Videocall zu Omikron geäußert. © Jürgen Heinrich/Imago

Omikron breitet sich in Dänemark und Großbritannien rasant aus. Für Virologin Sandra Ciesek „stehen die Fahnen auf Rot“. Auch andere Experten warnen vor Experimenten.

München - „Boostern ist kein Schutz vor einer Omikron-Infektion“, betont die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek in einem virtuellen Pressebriefing von Science Media. Dass ausgerechnet jetzt die Testpflicht für Geboosterte fällt, hält sie mit Blick auf die Omikron-Variante für „nicht gut“. Testen sei ein wichtiges Tool, eine Möglichkeit, die Ausbreitung von Omikron zu verlangsamen. Omikron ist bereits in Deutschland angekommen. Wann es in Deutschland richtig losgeht? Die Daten aus Dänemark und Großbritannien verheißen nichts Gutes. Geimpfte und Ungeimpfte infizieren sich.

„Omikron übernimmt“ - Dänemark Vorbild für Deutschland?

Geboosterte können sich mit der Omikron-Variante infizieren und symptomatische Verläufe haben. Ciesek verwies vor kurzem auf eine Fallstudie aus Südafrika, bei der sieben Deutsche sich mit Omikron infiziert hatten*. Boostern ist eben kein Schutz vor einer Infektion mit Omikron. Bei Geboosterten falle nach drei Monaten der Schutz ab, das habe die Virologin in der Klinik beobachtet. Allerdings schützt eine Booster-Impfung vor schweren Krankheitsverläufen. Omikron kann zwar den Antikörpern schneller entkommen. Dringt das Virus jedoch in die Zellen ein, stehen die T-Zellen parat. Wie sich Omikron auf die Hospitalisierung oder Sterblichkeit auswirkt? Noch ist die Datenlage zu dünn, vieles noch unklar. Doch Corona-Forschende befürchten, dass Deutschland die Zeit davon läuft. Sich die Hoffnung nach Berichten über milde Verläufe bei Omikron zerschlägt.

Virologin Ciesek: „Boostern ist kein Schutz vor einer Omikron-Infektion“

Virologin Ciesek fordert schnelles Handeln. „Dänemark hat erst den Freedomday ausgerufen - jetzt sofort wieder alles runtergefahren.“ Das Nachbarland hat es schneller erwischt. „Omikron übernimmt“ (Dänisch: Omikron tager over) so die Überschrift des Corona-Berichts, dass das staatliche Serum-Institut SSI Anfang der Woche veröffentlicht hat.

Experte: Omikron breitet sich schneller aus als andere Coronavirus-Varianten

Mit der Omikron-Variante hatte keiner gerechnet. Jetzt breitet sich Omikron mit einer unvorstellbaren Geschwindigkeit aus. „Mit einer Verdopplungszeit der Infektionsfälle von 2 bis 3 Tagen, das hatte noch niemand so auf dem Radar“, sagt Physiker und Komplexitätsforscher Dirk Brockmann. Brockmann hat eine Professur an der Humboldt-Universität Berlin inne und ist epidemiologische Modellierer vom Robert-Koch-Institut (RKI).

„Omikron ist per se ansteckender als die Delta-Variante“, legt sich der Berliner Brockmann im Science Media-Gespräch fest. Allein durch die Mutationen lasse sich das seiner Meinung nach nicht erklären - jedenfalls bisher. Verschiedene Modellierungs-Gruppen würden daran arbeiten.

Omikron ist dann die 5. Welle.

Modellierer Dirk Brockmann

Bei Omikron kann alles schnell passieren, wie in Großbritannien und Dänemark zu sehen ist. Wann das genau in Deutschland passieren wird? Einen exakten Zeitpunkt könne Brockmann „leider“ keinen nennen. Aber er ist sich sicher: „Omikron ist dann die 5. Welle.“ Und, die würde so verlaufen, wie in Großbritannien und Dänemark. „Omikron ist viel dynamischer in der Ausbreitungswahrscheinlichkeit.“ Ein Faktor - die erste und zweite Impfung sind nicht mehr wirksam. Das Virus trifft auf „wenig immunologische Gegenwehr in der Bevölkerung.“ Es gelte den Schaden möglichst klein zu halten. Virologe Christian Drosten preschte mit einer düsteren Omikron-Prognose bereits vor: „Ab Januar werden wir ein ernstes Problem haben.“

40 Millionen Infizierte - Experten modellieren Omikron-Worst-Case-Szenario

Für Großbritannien hat Brockmann und sein Team eine Modellierung durchgerechnet - was passiert, wenn bei Omikron keine Maßnahmen getroffen werden. Das Ergebnis: 40 Millionen Menschen werden sich infizieren. Ein Szenario, das sich grob auf unsere Bevölkerung übertragen lasse.

„Stoppen lässt sich das nicht, das halte ich für ausgeschlossen“, schätzt Brockmann. Und weiter: „Keine Jahreszeit wird dann in Deutschland helfen, das würde mich überraschen.“ Um Omikron in Deutschland zu bremsen, müsste wesentlich mehr passieren als in der ersten Corona-Welle. Der Modellierer hofft, dass vor der Omikron-Welle Notfallpläne auf den Tisch kommen. Verschiedene Szenarien auch ein Worst-Case-Szenario aufgedröselt werden. „Hoffnung, ist nicht die Karte, auf die wir setzen sollten.“

Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt, zeigt sich im Zug der Corona-Pandemie optimistisch: „Ich denke, wir sind auf dem richtigen Weg“. (Symbolfoto)
„Boostern ist kein Schutz vor einer Omikron-Infektion“ - Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt. © Kay Nietfeld/dpa

Virologin Sandra Ciesek: „Fahnen stehen auf Rot“

Wegen der Delta-Variante ist Corona-Lage in Deutschland ist bereits angespannt. Die Intensivstationen sind voll. Täglich werden mehr als 400 Todesfälle verzeichnet. Mit Omikron kann sich die Situation allerdings schnell außer Kontrolle geraten.

„Ein Großteil des Personals im Krankenhaus und im Pflegebereich wurde im August, September geboostert“, warnt Virologin Sandra Ciesek. Der Booster-Schutz lässt jedoch nach etwa drei Monaten nach. Das hätte fatale Folgen: Das Personal in den Kliniken infiziert sich gleichzeitig und muss dann nach Hause geschickt werden. Ciesek appelliert eindringlich daran, sich an die AHL-Maßnahmen zu halten und sich auch auf Corona zu testen oder auf Veranstaltungen verzichten. Wer Kontakt zu Risikogruppen habe, müsse vorsichtig sein. Jeder müsse seinen Beitrag jetzt leisten, um das Virus zu bremsen. Die Lage lasse sich im Moment schwer einschätzen, räumt die Virologin ein. Doch bis weitere Daten aus Dänemark und Großbritannien vorliegen, stehen die „Fahnen auf Rot“. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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