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Bei den Stiertreiben, die in vielen spanischen Gemeinden ein fester Bestandteil der alljährlichen Volksfeste sind, kamen in den Monaten Juli und August bisher mindestens zehn Menschen ums Leben.

„Die Fiesta ist mit Blut befleckt“

Tod auf dem Volksfest - Blutvergießen bei Stiertreiben in Spanien

Stiertreiben ist in Spanien in Tausenden Orten ein fester Bestandteil der Volksfeste. In diesem Sommer kamen dabei ungewöhnlich viele Menschen ums Leben. Die Veranstalter sprechen von einem Zufall, die Fans des Spektakels meinen: „Ein Null-Risiko gibt es nicht.“

Die Aufnahmen mit dem Handy bezahlte er mit seinem Leben: Ein junger Mann war bei einem Stiertreiben in Mittelspanien so sehr auf seine Fotos konzentriert, dass er das Näherkommen eines Bullen nicht bemerkte. Der Stier nahm den 32-Jährigen auf die Hörner und fügte ihm tödliche Verletzungen zu. Der Tod des Spaniers in Villaseca de la Sagra in der Gegend von Toledo war in diesem Sommer keineswegs der einzige Zwischenfall dieser Art.

Bei den Stiertreiben, die in vielen spanischen Gemeinden ein fester Bestandteil der alljährlichen Volksfeste sind, kamen in den Monaten Juli und August bisher wenigstens zehn Menschen ums Leben, deutlich mehr als in den vergangenen Jahren und ebenso viele wie im „Rekordjahr“ 2009. Die Zahl der Verletzten dürfte in die Hunderte gehen. „Die Fiesta ist mit Blut befleckt“, beklagte die Zeitung „El Mundo“.

Der Anstieg der Zahl der Todesfälle dürfte damit zu tun haben, dass in Spanien derzeit deutlich mehr Stiertreiben stattfinden als vor wenigen Jahren. 2014 waren es im ganzen Land fast 16 000, 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Viele Gemeinden hatten die Erfahrung gemacht, dass sie bei ihren Volksfesten mehr Besucher anlocken, wenn eine Stierhatz auf dem Programm steht. Zudem werden die Stiere von den Züchtern günstig angeboten, weil die Zahl der regulären Stierkämpfe, bei denen die Tiere von einem Torero in der Arena getötet werden, drastisch zurückgegangen ist und es daher ein Überangebot an Tieren gibt.

Blutvergießen bei Stiertreiben in Spanien

Alkohol und Handy sind tabu

Das „Mekka der Stierhatz“ ist Pamplona. Dort hatte das Volksfest der Sanfermines den US-Schriftsteller Ernest Hemingway so sehr beeindruckt, dass er die Stiertreiben in seinem Roman „Fiesta“ beschrieb und weltweit berühmt machte. Um das Risiko der Teilnehmer in Grenzen zu halten, gilt in der nordspanischen Stadt ein strenges Reglement. Angetrunkene dürfen nicht teilnehmen, das Mitführen von Handys ist untersagt. Zudem stehen zahlreiche Ärzte und Sanitäter bereit, die Erste Hilfe leisten können.

In anderen Orten geht man mit den Sicherheitsvorkehrungen eher lax um. „Wenn man in Pamplona von einem Stier auf die Hörner genommen wird, ist man in wenigen Minuten in einem Operationssaal“, berichtet Diego. Der 28-Jährige nimmt seit vielen Jahren an Stiertreiben teil. „In anderen Orten stirbt man auf dem Weg zum Krankenhaus.“ Ein Null-Risiko gebe es nicht, sagt er der Deutschen Presse-Agentur. „Wer teilnimmt, muss wissen, was es bedeutet, sich vor einen Kampfstier zu stellen.“

Fatale Mutproben enden oftmals tödlich

Bei den „encierros“ (Stiertreiben) lässt man Kampfstiere durch die Straßen eines Ortes laufen und gibt jungen Männern die Gelegenheit zu Mutproben. Die Spektakel sind auch in der Region Katalonien erlaubt, wo Stierkämpfe in der Arena verboten sind. Die Teilnehmer an einer Hatz sind keine Toreros, sondern Laien, die im Umgang mit den Stieren zuweilen unerfahren sind und nicht wissen, wie die Tiere reagieren. Andere treten in Badelatschen an oder sind angetrunken, weil sie vor dem Stiertreiben einen Zug durch die Kneipen unternahmen.

„Das ist eine gefährliche Kombination von Fiesta, Alkohol und wilden Kampfstieren“, meint die Zeitung „El País“. Die Veranstalter betrachten die Stiertreiben dagegen als „sicher“. Die Zunahme der Todesfälle in diesem Jahr sei „zufällig“, sagte Eduardo Flores, der die „encierros“ organisiert, die derzeit in der Madrider Vorstadt San Sebastián de los Reyes stattfinden. Die Tierschützer fordern dagegen ein Verbot. „Die Stiertreiben sind gefährlich für die Menschen und eine Qual für die Tiere“, meinte ein Sprecher der Tierschützerpartei Pacma.

dpa

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