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VW-Chef hält Wasserstoff für Zeitverschwendung: „Bitte auf die Wissenschaft hören“

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Von: Chenoa Becker

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Volkswagen Vorstands-Vorsitzender Herbert Diess vor dem VW-Logo.
Volkswagen Vorstands-Vorsitzender Herbert Diess vor dem VW-Logo. © Malte Ossowski/SVEN SIMON

Volkswagen-Chef Herbert Diess äußerte bereits seine Ablehnung gegenüber dem Wasserstoff-Antrieb. Jetzt appelliert er an die Politik, auf die Wissenschaft zu hören.

Wolfsburg - Wasserstoff-Antriebe gelten als ernstzunehmende Alternativ-Technik zu Elektro-Antrieben, um die Mobilitätswende herbeizuführen. Auch deutsche Hersteller springen auf diesen Zug auf. So plant etwa BMW ein Wasserstoff-Auto* (hna.de berichtete*). In Kassel können Interessierte sogar bereits ein seltenes Wasserstoff-Auto mit Carsharing* testen.

Doch längst nicht jeder ist überzeugt von der innovativen Technik. So sprach sich jüngst etwa der Vorstandschef von Volkswagen*, dagegen aus. „Das Wasserstoff-Auto ist nachweislich nicht die Klimalösung“, so Herbert Diess in einem Post auf Twitter*. „Im Verkehr hat sich die Elektrifizierung durchgesetzt.“

Diess richtet sich auf Twitter mit einem Appell an die Politik

Scheindebatten seien so Herbert Diess reine Zeitverschwendung, weshalb er der Politik empfiehlt: „Bitte auf die Wissenschaft hören.“ Damit seine Forderung auch gehört wird, markierte er die Politiker Andreas Scheuer (CSU), Armin Laschet (CDU), Olaf Scholz (SPD) sowie Annalena Baerbock (Grüne) in seinem Tweet und bezieht sich in diesem auf einen Artikel des „Handelsblatts“.

Dieser behandelt eine Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), laut derer der Wasserstoff-Antrieb aus mehreren Gründen nicht geeignet sei, um den Verbrenner großflächig zu ersetzen und somit die Mobilitätswende herbeizuführen. „Solche Brennstoffe als universelle Klimalösung sind ein bisschen ein falsches Versprechen“, wird Falko Ueckerdt vom PIK in dem Artikel zitiert.

„Sie sind zwar wunderbar vielseitig, aber es ist nicht zu erwarten, dass sie fossile Brennstoffe auf breiter Front ersetzen können. Dies gelingt nur mit direkter Elektrifizierung.“ Als Grund dafür nennt der Studien-Autor die geringe Verfügbarkeit wasserstoffbasierter Kraftstoffe. Diese „werden wahrscheinlich für mindestens ein weiteres Jahrzehnt sehr knapp und nicht wettbewerbsfähig sein“.

Verkehrsminister Scheuer ist anderer Meinung als VW-Boss Herbert Diess

Diese Meinung stößt jedoch auf Widerstand, wie sich unter dem Tweet von VW-Chef Herbert Diess zeigt - unter anderem vonseiten der von ihm appellierten Politiker. Antworten zu seiner Aufforderung, doch „bitte auf die Wissenschaft“ zu hören erhielt er unter anderem von Verkehrsminister Andreas Scheuer, der schreibt: „Ich halte die Konzentration auf nur eine Antriebstechnologie für falsch.“

Aus Klimasicht und als Exportweltmeister Deutschland müsse man bei allen neuen Technologien weiter forschen und mit Innovationen sowie Produkten die Welt versorgen. Er sei sich zudem sicher, dass ein weltweiter Markt beim Wasserstoff entstehen werde. Zustimmung erhielt der Verkehrsminister für diese Ansicht kaum - zumindest nicht von der Mehrheit der kommentierenden Twitter-User.

So fragt sich ein Nutzer etwa: „Wie kann man bei so wenig Ahnung und Fachwissen nur so viel Unsinn von sich geben?“ Ein anderer ist zudem der Meinung: „Nicht die Wirtschaft oder der heilige Markt fordern andere Antriebsarten, sondern nur gewisse Politiker, weil sie denken, dass sie es besser wissen als alle anderen.

Herbert Diess erhielt nicht zuletzt von Tesla-Boss Elon Musk Unterstützung, der dessen Tweet ebenfalls kommentierte: „Diess hat recht. Wasserstoff ist eine umwerfend dumme Form der Energiespeicherung für Autos. Es lohnt sich kaum, ihn für die obere Stufe einer Rakete in Betracht zu ziehen, dabei wäre das noch die überzeugendste Verwendungsmöglichkeit.“ *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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