"Unwort des Jahres": Ein Ausdruck führt deutlich

Darmstadt - Manchmal passt ein Schlagwort für einen komplexen Sachverhalt, manchmal auch nicht. Wenn nicht, wird daraus ein Kandidat für das „Unwort des Jahres“. Am Dienstag wird der Sieger gekrönt.

Bei den Vorschlägen für das „Unwort des Jahres 2011“ liegt der Ausdruck „Döner-Morde“ klar an der Spitze. Das Schlagwort für die Mordserie an acht türkischstämmigen und einem griechischen Kleinunternehmer sei 269 Mal eingereicht worden, sagte die Sprecherin der „Unwort“-Jury, Nina Janich (43), am Freitag. Die Entscheidung soll am Dienstag (17.) in Darmstadt bekanntgeben werden. Zum „Unwort des Jahres 2010“ war „alternativlos“ gewählt worden.

Mit Abstand folgen bei den Vorschlägen 2011 „Stresstest“ (186) und „Rettungsschirm“ (136). Den Modebegriff „Stresstest“ wählte die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS/Wiesbaden) bereits zum „Wort des Jahres 2011“. Ihre Begründung: Das Wort stamme aus der Humanmedizin, sei aber in die Alltagssprache eingegangen. Auch Atomkraftwerke, Regierungen, Banken und Bahnhofsprojekte würden nun „Stresstests“ unterzogen. Der für das „Unwort“ drittplatzierte Begriff „Rettungsschirm“ spielt in der Euro-Krise eine Rolle.

Die Unwörter der letzten Jahre

Die Unwörter der vergangenen Jahre

Auf den Plätzen vier und fünf liegen nach der Einsenderzahl für das 21. Unwort zwei Bezeichnungen aus der Diskussion über Nachtflugverbote: „Tagesrandzeit“ (105) und „Nachtrandzeit“ (68). Mit diesem Begriffen würde „die Nacht nicht mehr Nacht“ genannt, sagte Janich. Die Sprachwissenschaftlerin hat gleich drei persönliche Favoriten. Gleichauf mit „Döner-Morde“ liegen für sie „marktkonforme Demokratie“ und „Wutbürger“ - dieses „Wort des Jahres 2010“ habe „einen negativen Beigeschmack“ behalten.

Für die Wahl eines Unwortes spiele die „Häufigkeit der Einsendungen keine Rolle“, betonte Janich. Das Unwort des Jahres 2009 - „betriebsratsverseucht“ - „war eine Einzeleinsendung“.

Die sprachkritische Aktion „Unwort des Jahres“ wurde 1991 ins Leben gerufen. Die unabhängige Jury besteht aus sechs Mitgliedern: Vier Sprachwissenschaftler, ein Journalist sowie ein jährlich wechselndes Mitglied aus dem öffentlichen Kultur- und Medienbetrieb entscheiden über die Unwort-Wahl. Dieses Mal ist es der frühere CDU-Generalsekretär Heiner Geißler.

dpa

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