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Vulkanausbruch auf La Palma: Doku beleuchtet harte Einzelschicksale - „Eine echte Katastrophe“

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Von: Franziska Konrad

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Vulkanausbruch auf La palma
Der Vulkanausbruch auf La Palma zerstört zahlreiche Existenzen. © Europa Press/dpa

Seit Wochen spuckt der Vulkan Cumbre Vieja auf La Palma Feuer. Unter dem Naturspektakel leiden in erster Linie die Inselbewohner.

La Palma - La Palma kommt einfach nicht zur Ruhe: Schon vor Wochen ist auf der kleinen Kanareninsel der Vulkan Cumbre Vieja ausgebrochen*. Wann genau die Explosionen aufhören, oder wie viel Magma der Riese noch ausspucken wird - alles Fragen, auf die es derzeit noch keine Antwort gibt. Fest steht jedoch: Von der Naturkatastrophe besonders schwer getroffen sind die etwa 85.000 Bewohner. Eine Welt-Doku nimmt die aktuelle Lage der krisengebeutelten Insulaner in den Fokus.

Vulkanausbruch auf La Palma: Ein Zehntel der Bewohner verliert zuhause

Von seinem Ausmaß her ist der Cumbre Vieja zwar nicht vergleichbar mit anderen mächtigen Vulkanen in Europa - trotzdem gibt es einen wesentlichen Unterschied. „Hier in La Palma musste viele Menschen und ihre Häuser evakuriert werden, das war bei anderen Vulkanausbrüchen nicht der Fall“, klärt Dr. Edgar Zorn vom Geoforschungszentrum Potsdam auf.

Am Fuß des Berges bleibt vielen nur die Flucht. Fast ein Zehntel aller Inselbewohner wird ihr zuhause verlieren. Unzählige Einzelschicksalen, die unter die Haut gehen, erlebte auch der Polizist Raul Campillo. Zusammen mit der Feuerwehr versuchte er ein älteres Ehepaar davon zu überzeugen, ihr Haus zu verlassen. „Doch das wollten sie nicht. Immer wieder kam die Frage: Wo sollen wir denn hin? Wo sollen wir schlafen? Solche Szenen berühren dich einfach“, berichtet der Beamte. Ständig ist er derzeit auf Patrouille, um Häuser vor Plünderern zu bewachen.

La Palma: Vulkanausbruch zerstört Bananenernte - und damit Existenzen

Doch die sind nur ein Problem von vielen. Denn die Vulkanasche* lässt nichts unberührt - und gefährdet dadurch unzählige Existenzen. Die Hälfte der gesamten Inselwirtschaft hängt von dem ab, was die riesigen Bananenplantagen abwerfen. Nun sind die Exportschlager der Insulaner in Gefahr. Der Staub und die Verzweiflung steht den Erntehelfern ins Gesicht geschrieben.

„Der Vulkan ist schön anzusehen, aber die Asche ist eine echte Katastrophe“, berichtet Bananenbauer Lulo Duque. „Wir müssen nochmal an jede Pflanze ran, aber wir versuchen zu retten, was zu retten ist“, so Duque. Blaue Plastiksäcke sollen den gröbsten Schmutz von den Früchten fernhalten. Trotzdem muss jede Banane jetzt vor dem Verpacken einzeln gesäubert werden. Auch die Optik der Frucht wird durch die Asche stark in Mitleidenschaft gezogen. Bananenhändler Augusto Cacares wirft einen verzweifelten Blick in die Fabrikhalle. „So viele unbrauchbare Früchte wie jetzt hatten wir noch nie.“ Er rechnet bereits jetzt mit bis zu 30 Prozent weniger Ertrag.

Vulkanausbruch auf La Palma zieht Fotografen in den Bann

Ein paar Kilometer weiter, in der Gemeinde Tazacorte, kommen bei Gabriel Contarmann durch den Vulkanausbruch alte Erinnerungen hoch. Sorgenvoll blickt er in die Kamera: „Dieses mal ist es viel schlimmer als vor 50 Jahren.“ Jeder kennt jemanden, der alles verloren hat. „Wir haben das Beben sofort gespürt und sind sofort aus die Straße gerannt. Wir hatten Angst, unser Haus stürzt gleich ein“, berichtet Contarmann. Viele Inselbewohner sorgen sich, ob es nächstes Jahr noch genug Arbeit gibt. Das wird letztendlich die Dauer des Ausbruchs entscheiden.

Der Albtraum der Anwohner zieht gleichzeitig Fotografen in den Bann. Manch einer ist wegen der faszinierenden Naturgewalt extra auf die Insel gereist. Faszination und Furcht: Sie laufen in La Palma derzeit Hand in Hand. Ist der Ausbruch irgendwann vorüber, könnten die Überreste tatsächlich zu Touristenattraktionen werden. Somit bleibt letztendlich die Hoffnung auf ein Ende, das zugleich auch ein Anfang sein kann. Auch wenn noch keiner weiß, wann das sein wird.

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