Vulkanausbruch in Bayern noch vor 200 000 Jahren

"Geologische Sensation": Zuletzt ist erst vor 200 000 Jahren ein Vulkan in Bayern ausgebrochen - in einer damals baumlosen Kaltsteppe. Auf einem Radweg kann die explosive Vergangenheit erkundet werden.

Neualbenreuth (dpa) - Der jüngste Vulkanausbruch in Bayern hat sich vor 200 000 Jahren ereignet und damit viele Millionen Jahre später als bisher angenommen. Im Rahmen einer siebenwöchigen Untersuchung entdeckten Experten des Landesamtes für Umwelt in der Oberpfalz vulkanische Überreste.

"Das ist eine geologische Sensation. Die letzte massive Vulkanaktivität in Bayern liegt nur einen erdgeschichtlichen Wimpernschlag zurück", sagte Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU).

Bisher nahmen Experten an, dass die jüngsten vulkanischen Aktivitäten in Bayern 10 bis 20 Millionen Jahre zurückliegen. Der frühere Feuerberg soll mit Hilfe eines neu konzipierten Radwanderwegs den Menschen näher gebracht werden. "So wird die explosive Vergangenheit der Oberpfalz lebendig", betonte Scharf.

"Wir werden die Erdgeschichte in der Oberpfalz neu schreiben müssen", sagte der Leiter des Geologischen Dienstes am Landesamt für Umwelt (LfU), Roland Eichhorn. Der Nachweis des jüngsten Ausbruchs in Bayern sei durch den Fund von Relikten vulkanischen Glases erfolgt.

"Zudem können wir die Klimageschichte seit der Steinzeit rekonstruieren", erläuterte Eichhorn. Anhand von Analysen des in 26 Metern gefundenen Pollenspektrums war das Gebiet zum Zeitpunkt der Eruption eine baumlose Kaltsteppe.

In den folgenden 80 000 Jahren hatte sich die Gegend aufgrund einer Warmzeit in einen dichten Laub-Mischwald verwandelt. Es folgte wieder eine Eiszeit, in der der Neandertaler vom heutigen Menschen verdrängt wurde - auch der Wald verschwand wieder. Die heutige Landschaft mit Nadelwald und Moor entstand erst in den letzten 10 000 Jahren.

Die Experten waren dem Naturphänomen in dem Waldgebiet an der Grenze zu Tschechien mit Hilfe von Bohrungen in bis zu 100 Meter Tiefe auf die Spur kommen. Zuvor waren die Geologen bei routinemäßigen Untersuchungen in dem Waldgebiet auf eine kreisrunde Struktur mit einem Durchmesser von etwa 300 Metern gestoßen. Dabei deutete auf den ersten Blick nichts auf einen Vulkan hin, von einem typischen Trichter war keine Spur zu erkennen.

Deutschlandweit gebe es noch immer eine Art Vulkanismus, hatte kürzlich Birger Lühr vom Deutschen Geoforschungszentrum in Potsdam erläutert: "In den Maaren der Eifel steigen noch heute Gasblasen auf." Zum letzten Mal in Deutschland sei ein Vulkan vor rund 11 000 Jahren im Ulmener Maar in der Vulkaneifel ausgebrochen, sagte der Geograf Andreas Schüller, der Geschäftsführer des Geoparks Vulkaneifel.

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