Reiter am Strand Löngufjörur auf der Halbinsel Reykjanes.
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Vulkanausbruch auf Island? Alarmstimmung auf der Halbinsel Reykjanes.

Keilir seit 800 Jahren still

Vulkanausbruch auf Island steht bevor - 20.000 Erdbeben in einer Woche

  • Martina Lippl
    vonMartina Lippl
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Selbst für Island sind diese Erdbeben ungewöhnlich. Seit Tagen zitterte der Boden in der südwestlichen Region von Reykjanes in der Nähe des Bergs Keilir. Es gibt „starke Zeichen“ für einen Vulkanausbruch.

Reykjavík - Im Südwesten Islands in der Nähe des Keilir bebt die Erde fast ununterbrochen. Mehr als 20.000 Erdbeben meldet das isländische Wetteramt Icelandic Met Office (IMO) in den vergangenen Tagen auf der Halbinsel Reykjanes. Sind sie Vorboten eines Vulkanausbruchs? Isländische Wissenschaftler bewerten diese konstante seismische Aktivität als ein starkes Zeichen dafür.

„Wir sagen nicht, dass wir Anzeichen dafür haben, dass ein Ausbruch begonnen hat“, sagte Kristín Jónsdóttir vom isländischen Wetteramt am Mittwoch gegenüber den lokalen Medien. „Aber das sieht nach der Art von Aktivität aus, die wir im Vorfeld eines Ausbruchs erwarten.“ Ähnliche Beben sind, laut isländischen Wetteramt, vor früheren Vulkanausbrüchen auf Island beobachtet worden. Magmabewegungen sind wahrscheinlich die Ursache für das anhaltende Signal.

Vulkanausbruch in Island - Mount Keilir seit mehr als 800 Jahren still

Es sei „mehr als wahrscheinlich“, dass ein Ausbruch - der erste in der Region seit dem 12. Jahrhundert - bald beginnen würde und innerhalb der nächsten Stunden stattfinden könnte, sagte Víðir Reynisson von der Zivilschutztruppe der Insel, wie The Guardian berichtet.

Der lokale Nachrichtendienst Víkurfréttir reagierte schnell auf diese Informationen. Schon am Mittwochabend installierte das Newsportal eine Videokamera, die auf den Keilir und seine Umgebung gerichtet ist. Genau dort, wo Wissenschaftler vermuten, dass es einen möglichen Vulkanausbruch geben könnte. Schon in der Nacht auf Donnerstag startete der Live-Stream. Der brach zwar nach mehr als einer Stunde ab, doch mittlerweile geht es weiter. „Víkurfréttir wird so lange wie nötig weiter senden“ ist auf der Webseite zu lesen.

Vulkanausbruch in Island - Mehr als 20.000 Erdbeben in den vergangenen Wochen

Das heftigste Beben mit einer Stärke von 5,7 auf der Richterskala war bis in die Hauptstadt Reykjavík zu spüren - das war am 24. Februar. Zwei Erdbeben der Stärke 5,0 folgten am 27. Februar und am 1. März. Die Erdbeben hätten bisher kaum Schäden angerichtet. Die isländische Küstenverwaltung meldete kleine Risse in den Straßen und Steinschläge an den Hängen in der Nähe des Epizentrums.

Die jüngsten Erdbeben haben sich auf das Gebiet zwischen den Bergen Fagradalsfjall und Keilir konzentriert. Aktuell gebe es keine unmittelbare Gefahr. Menschen sollen jedoch eine Reise in diese Gegend vermeiden. Wenn Magma die Oberfläche erreicht, dann sei es unwahrscheinlich, dass Lava und Asche in den Himmel schließt, erklärt Geophysiker Freysteinn Sigmundsson im The Guardian. Er erwarte einen sogenannten Rissausbruch, bei dem Lava langsam aus einem Riss an der Erdoberfläche tritt. Solche Lavaausbrüche können nach Angaben des isländischen Zivilschutzes mehrere Tage und Wochen dauern. Die Lava fließt jedoch langsam, es würde eine beträchtliche Zeit dauern, bis sie zu einer Siedlung fließt, wenn sie überhaupt dort ankommt.

Ein Chaos, wie bei nach dem explosiven Ausbruch des Vulkans Eyjafjallajökull im Jahr 2010 wird es nicht geben. Damals spuckte der Eyjafjallajökull sechs Tage lang. Vulkanasche legte den internationalen Flugverkehr lahm*. Millionen Passagiere hingen an Flughäfen auf der ganzen Welt fest.

Wie sich die Lage auf Island entwickelt, scheint momentan noch unklar. Auf weitere größere Erdbeben sowie auf einen möglichen Ausbruch bereiten sich Behörden jedoch vor. Derzeit werden alle möglichen Szenarien durchgespielt, um im Ernstfall vorbereitet zu sein, berichten lokale Medien.

Erdbeben im Südwesten Island - „Es war wirklich schlimm!“

Gegenstände fielen aus den Regalen und Schubladen und Schränke öffneten sich in Grindavík am Donnerstagabend. „Es war wirklich schlimm!“, schreibt Bewohner Björn Birgisson auf Facebook. Das Erdbeben hatte nach Angaben der Behörden eine Stärke von 3,5. Auf einem Foto zu seinem Post sind die Werte der offiziellen Liste der IMO rot markiert. Das Erdbeben „scheint unschuldig“ zu sein, fügt er hinzu, doch in Grindavík fühlte es sich eher wie 5,5 bis 6,0 an, „einfach weil die Quelle fast unter unseren Füßen lag.“

„Das war ein schrecklicher unangenehmer Schlag“, so Birgisson in seinem Facebook-Post. „Und ich vermute, dass jetzt viele daran denken zu Freunden und Familien in ‚bessere‘ Teile des Landes umzuziehen“.

Das Epizentrum des Erdbebens lag zwei Kilometer von der Stadt Grindavík entfernt und war bis in die Hauptstadt zu spüren, twitterte IMO am Freitagmorgen (5. März 2021). Allein Donnerstag wurden rund 3.000 Erdbeben verzeichnet.

Der Ort der Beben ist weniger fokussiert und könnte darauf hinweisen, dass Magma immer noch auf der Suche nach einem Weg nach oben ist. Wissenschaftler und Behörden beobachten die Situation genau. In den nächsten Tagen oder auch Wochen rechnen die Experten damit, dass die Halbinsel Erdbeben mit einer Stärke von bis zu 6,5 treffen könnten.

Island - Berg Keilir

Keilir (378 Meter) befindet im Südwesten Islands auf der Halbinsel Reykjanes, etwa 30 Kilometer entfernt von der Hauptstadt Reykjavík. Es gibt sogar einen Wanderweg auf den Gipfel. Keilir zählt zu den bekanntesten Wahrzeichen der Halbinsel. Der Berg wurde während der Eiszeit unter einem Gletscher gebildet und gilt als Hyaloklastitberg, obwohl Wissenschaftler glauben, dass er tatsächlich ein Pfropfen für einen großen Krater darunter fungiert, schreibt visitreykjavik.is.

Über die Herkunft des Namens von Keilir sei wenig bekannt, ist bei Guide to Iceland zu erfahren. „Keilir“ ist demnach ein männliches Wort, das in der isländischen Sprache nirgendwo anders verwendet wird. Warum die weibliche Alternative „Keila“ - bedeute Kegel - trotz der Kegelform des Berges als ungeeignet angesehen worden war, sei unbekannt. Die Berge nördlich des Keilir heißen Keilisbræður und bedeuten Keilirs Brüder.

Fagradalsfjall ist ein 385 Meter hoher Hyaloklastitberg, der während der Eiszeit bei einem subglazialen Ausbruch entstanden ist. Hier ereignete sich am 3. Mai 1943 ein Flugzeugabsturz, bei dem ein US-Militärflugzeug abstürzte und 14 Menschen starben, berichten lokale Medien. Ein Mann überlebte den Absturz. Unter den Opfern war General Frank Maxwell Andrews.

In Deutschland gibt es ebenfalls ein aktives vulkanisches System*. Eine neue Studie von US-Forschern stellte Hebungen und Dehnungen in der Erdoberfläche in der Eifel fest. (ml)

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