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In ganz Deutschland wurden Wohnungen durchsucht. Auf dem Foto waren Ermittler in einer Wohnung in Castrop-Rauxel.

Verbindung zu Lübcke-Mord

„Combat 18“- Verbot: Neue Details zur Schlüsselfigur Stanley R.

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Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat die rechtsextreme Gruppe „Combat 18“ verboten. Eine der Schlüsselfiguren hat viele Jahre im Raum Kassel gelebt.

  • Combat 18“ von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) verboten
  • Kopf der rechtsradikalen Gruppe arbeitete in der VW-Kantine in Baunatal
  • Schlüsselfigur Stanley R. wohnte lange in Nordhessen

Update vom 23.01.2020, 10.45 Uhr: Nach dem Verbot der Neonazi-Gruppe „Combat 18“ durch Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) wurden auch Wohnungen in Osthessen durchsucht. Näheres konnte das Innenministerium in Wiesbaden hierzu bisher nicht sagen. 

Stanley R., eine Schlüsselfigur der Gruppe „Combat 18“, wurde in Thüringen festgenommen. Er galt vor Jahren als Kopf der rechtsextremen Szene in Nordhessen. Wie die antifaschistische Recherche-Plattform „Exif" mitteilt, soll sich R. von 2001 bis etwa 2019 im Raum Kassel aufgehalten haben und in der VW-Kantine in Baunatal gearbeitet haben. Laut Informationen der Polizei soll Stanley R. bei der heutigen Razzia nicht festgenommen worden sein. 

Offenbar haben sich R. und der mutmaßliche Mörder des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) gekannt, wie hessenschau.de berichtet.  

„Ein symolischer Schlag“: Seehofer verbietet militante Neonazi-Gruppierung

Update vom 23.01.2020, 8.47 Uhr: SPD und Linke reagieren erfreut auf das Verbot der rechtsextremen Gruppe „Combat 18“. "Ich bin froh, dass Innenminister Seehofer nun konsequent gegen die rechtsextreme Gruppe vorgeht", erklärte Generalsekretär Lars Klingbeil am Donnerstag in Berlin. 

Einen „symbolischen Schlag gegen Rechts“, nannte Linken-Parteivizepräsidentin Martina Renner das Verbot. 

Sowohl SPD und Linke kritisieren aber auch, dass das Verbot so spät erfolgt. Dadurch sei „genug Zeit für die militante Neonazi-Gruppierung" gewesen, "Waffen, Finanzunterlagen beiseite zu schaffen und Kommunikation zu löschen". Auch die Grünen hatten bereits wiederholt ein Verbot von "Combat 18" gefordert. Klingbeil wies allerdings darauf hin, dass die Sozialdemokraten ein Verbot der Gruppe bereits im vergangenen Sommer gefordert hätten. 

Erstmeldung, 23.01.2020: Berlin - Lange wurde das Innenministerium dazu gedrängt, die rechtsextreme Gruppierung „Combat 18“ zu verbieten. Nun ist es so weit. Wie ein Sprecher des Innenministeriums am Donnerstag (23.01.2020) mitteilt, hat Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) die rechtsextreme Gruppe „Combat 18“ nun verboten.

„Combat 18“ ab jetzt verboten: Polizei durchsucht Wohnungen

Bereits am Morgen soll es auch schon Hausdurchsuchungen in sechs Bundesländern gegeben haben:

  • Thüringen
  • Hessen
  • Brandenburg
  • Mecklenburg-Vorpommern
  • Nordrhein-Westfalen
  • Rheinland-Pfalz

Laut dpa lag der Schwerpunkt der Hausdurchsuchungen in NRW und Thüringen. So hat die Polizei den mutmaßlichen Kopf der Gruppierung „Combat 18“, Stanley R., an seinem Arbeitsplatz angetroffen. Man habe ihn anschließend zu seiner Wohnung gebracht und diese dann durchsucht. 

„Combat 18“: Verbot galt lange als schwierig

Lange wurde angezweifelt, ob ein Verbot von „Combat 18“ vor Gericht bestand hätte. Denn die rechte Gruppierung propagiert ein Konzept des „führerlosen Widerstands“ und agiert in weitgehend autonomen Zellen. Dies hat laut dpa das Verbotsverfahren in den vergangenen Jahren erschwert. 

Zwischen den Zellen soll es allerdings Vernetzungen geben und es soll auch nach gemeinsam festgelegten Richtlinien gehandelt werden. Geldquelle und Gelegenheit zum Kontakt sind Rechtsrock-Konzerte. 

Rechtsextreme Organisation „Combat 18“ ist Teil von Neonazi-Netzwerk

Nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden richtet sich die Vereinigung „Combat 18“ gegen die verfassungsmäßige Ordnung, "da sie mit dem Nationalsozialismus wesensverwandt ist". Sie zählt nach ihrer Einschätzung bundesweit 20 Mitglieder. Die gewaltbereite rechtsextreme Organisation gilt als bewaffneter Arm des in Deutschland verbotenen Neonazi-Netzwerks "Blood and Honour" (Blut und Ehre). Sie hat ihren Ursprung in Großbritannien und ist in mehreren europäischen Ländern aktiv.

Der Kommentar*: Combat 18. Ein zu spätes Verbot

Der mutmaßliche Mörder des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke Stephan E. soll Verbindungen zu „Combat 18“ gehabt haben, wie fr.de* berichtet. 

Hintergründe zur rechten Gruppe „Combat 18“

Die Zahl "18" ist ein Szenecode für den ersten und den achten Buchstaben im Alphabet, also A und H - die Initialen von Adolf Hitler. Symbol der Gruppe, die sich auf einen "Rassenkrieg" vorbereitet, ist der Drache. Neonazis, die sich "Combat 18" zugehörig fühlen, tragen häufig schwarze T-Shirts oder Jacken mit der Aufschrift "C 18". Diese Symbole und Abkürzungen dürfen nach dem Verbot nicht mehr verwendet werden. Das gilt auch für das Motto der Gruppe: "Brüder schweigen - whatever it takes". Gegen die Verbotsverfügung kann die Gruppe binnen eines Monats Klage beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig einreichen.

fr.de* ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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