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Zwei Metal-Fans bewerfen sich am Samstag in Wacken auf dem Gelaende des Metal-Festivals Wacken Open Air mit Schlamm.

Wacken: Metal-Fest wird zur Schlammschlacht

Wacken - „Rain oder shine“, lautet das Motto des Wacken-Open-Air 2012. In diesem Jahr war die Sonne nur anfangs dabei. Am Schluss gab es nur noch „rain“, und die 75 000 Heavy-Metal-Fans feierten lautstark im Schlamm.

Am letzten Tag des Wacken-Open-Air 2012 (W:O:A) hat sich das Festivalgelände in der Nähe von Itzehoe in eine Schlammwüste verwandelt. Nach wolkenbruchartigen Regenfällen kämpften die Veranstalter und Tausende Heavy-Metal-Fans gegen den Morast. Erneute Schauer am Samstagvormittag führten schließlich zu einem absoluten Fahrverbot auf dem Gelände. „Auf den Rettungswegen durften nur noch Einsatzfahrzeuge der Sanitäter und Polizei fahren“, sagte Festival-Sprecherin Britta Kock. Den meisten der 75 000 Besucher schien die Schlammschlacht nicht viel auszumachen. Dreckverschmiert und mit lauten „Wackööööööön“-Rufen trotzten sie dem Wetter.

Nur wenige Wacken-Fans brachen ihre Zelte ab und versuchten, sich auf den Heimweg zu machen. Um der Schlammwüste zu entkommen, montierten sie Schneeketten an die Räder ihrer Autos oder legten Absperrgitter auf dem Boden aus, um besonders tiefe Schlammlöcher zu überbrücken. Wenn gar nichts half, schoben sie sich gegenseitig an oder riefen Trecker zur Hilfe.

Die „harten“ Metal-Fans jedoch blieben und machten das Beste aus der Situation. In den Pausen zwischen den Auftritten der Bands hüpften einige wie kleine Kinder mit beiden Füßen in tiefe Pfützen, während andere sich im „Schlamm-Surfing“ übten: Mit Anlauf und einem herzhaften Bauchklatscher sprangen sie in den Modder. Die meisten stapften jedoch gleichgültig durch den knöcheltiefen schwarzen Schlamm. Wer keine Regenjacke dabei hatte, zog zumindest einen Müllbeutel über den Kopf. Und mit Klebeband an den Füßen befestigte Plastiktüten mussten Gummistiefel ersetzen.

Die Auftritte der Bands kamen bei den Fans gut an. Jens aus dem nahen Wilster äußerte sich begeistert über den Punkrock der deutschen Gruppe Betontod, während sein Freund Sebastian sich auf den Auftritt von Megaherz freute: „Ob Punk, Metal, oder Deutschrock - mir ist die Richtung egal. Hauptsache, es ist rockig“, sagte der 30-jährige. Und setzte nach kurzem Überlegen hinzu: „Die Musik muss passen. Ich stehe nicht auf die reinen Metal, wo nur Geschreie ist. Es muss melodisch sein.“

Ein anderer Besucher lobte, dass sich das Festival auch für andere Stilrichtungen öffne. „Selbst eine Band wie Santiano, die mit ihren Shantys aus einem ganz anderen Spektrum kommt und bei Carmen Nebel im ZDF auftrat, wird hier richtig abgefeiert“, sagte Michael. „Ebenso wie die Cowboys von der Spree - The Bosshoss - 'ne kommerziell erfolgreiche Mainstream-Band.“

Die Veranstalter hätten sich die Nacht über bemüht, das Gelände bei Wacken in der Nähe von Itzehoe zu säubern, sagte Sprecherin Britta Kock. Mit drei Tragkraftspritzen rückten Feuerwehrleute dem Wasser zu Leibe: „Wir pumpten in knapp zwei Stunden rund 180 000 Liter weg, um die wichtigsten Zugangsbereiche möglichst schnell wieder freizubekommen“, sagte Wackens Wehrführer Matthias Venohr. Andere Helfer versuchten, den aufgeweichten Boden mit Schreddergut und Stroh begeh- und befahrbar zu machen.

Die Schlammwüste am Samstag machte auch den Rettungskräften zu schaffen, wie Jörg Zydziak von der Rettungsdienst-Kooperation in Schleswig-Holstein (RKiSH) mitteilte: Sämtliche Wege seien stark verschlammt und machten ein Vorankommen der Rettungskräfte schwierig. Seit Festival-Beginn hätten Ärzte und Sanitäter rund 2300 Besucher mit kleineren und größeren Verletzungen behandelt. 258 Patienten seien in Krankenhäuser gebracht worden. „Meist jedoch nur zu weiterführenden Untersuchungen, die nicht im Sanitätszelt durchgeführt werden können“, sagte der Rettungsdienst-Sprecher.

Das Wacken-Open-Air gilt mit rund 75 000 Besuchern als größtes Heavy-Metal-Fest der Welt. Es war seit Monaten ausverkauft.

dpa

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