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Waldbrände in Deutschland und Europa auf Rekord-Niveau - Experte sieht „Folge des Klimawandels“

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Zwei Feuerwehrleute bekämpfen einen Grasbrand in den Leyton Flats im Osten Londons.
Dürreperioden und extreme Hitze verschärfen die Gefahr von Waldbränden in ganz Europa. © Yui Mok/ dpa

Die Welle der Waldbrände in Europa flacht nicht ab. Experten erwarten eine rekordverdächtige Waldbrandsaison. Besserung ist kaum in Sicht.

München - „Bundeswehr hilft bei Waldbrand im Harz“, „Riesiger Waldbrand bei Bordeux“, „Die Waldbrand-Welle“: Schlagzeilen über Waldbrände häufen sich immer mehr. Ganz Europa wird von Bränden heimgesucht. Der Südwesten Europas erlebt dieses Jahr eine rekordverdächtige Waldbrand-Saison. Doch da die Brandsaison noch nicht vorbei ist, könnte sich das Jahr 2022 zum schlimmsten seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2003 entwickeln. Von den zahlreichen Bränden ist auch Deutschland betroffen.

Waldbrände in Europa: „Extreme Brandgefahr“ in Frankreich, Italien und Spanien

Nasa-Satellitendaten zeigen, wo die Waldbrandgefahr in Europa gerade am schlimmsten ist: Besonders der Süden und Norden Italiens, sowie zahlreiche Regionen in Spanien und Frankreich sind rot markiert. Allein in Frankreich seien seit Jahresbeginn durch die Brände geschätzt mehr als eine Million Tonnen Kohlendioxid freigesetzt worden. Das seien deutlich mehr als die durchschnittlichen rund 0,5 Millionen Tonnen, teilte das europäische Erdbeobachtungsprogramm Copernicus am Freitag (12. August) mit. 2003 war laut Copernicus mit fast 1,3 Millionen Tonnen das Jahr mit den bislang höchsten Kohlendioxid-Emissionen durch Waldbrände in Frankreich.

Auch die tägliche Feuerstrahlungsleistung, mit der die Intensität von Bränden angegeben wird, habe im Juli und August in Frankreich, Spanien und Portugal „deutlich“ über dem Durchschnitt gelegen, teilte Copernicus weiter mit. In weiten Teilen Westeuropas herrsche derzeit „extreme Brandgefahr“, warnte Copernicus. Dies bedeute, „dass Ausmaß und Intensität der Brände stark zunehmen können“, sagte Mark Parrington, leitender Wissenschaftler des Erdbeobachtungsprogramms. „Genau das haben wir bei unseren Emissions-Schätzungen und den Auswirkungen auf die örtliche Luftqualität beobachtet.“

Brandgefahr auch in Deutschland: Höchste Warnstufe im Osten

Zehntausende Hektar Wald wurden bereits zerstört. Derzeit wütet insbesondere eine 40 Kilometer lange Feuerfront bei Bordeaux in Frankreich. Auch in Deutschland waren in den vergangenen Wochen mehrere Feuer ausgebrochen, unter anderem im Berliner Grunewald und im Harzgebirge. In Brandenburg hatte es im Juli auf einer Fläche von insgesamt 400 Hektar gebrannt - umgerechnet sind das etwa 600 Fußballfelder.

Für Deutschland zeigt die Nasa-Karte über das ganze Land verteilt zahlreiche rote Regionen an. Der Waldbrandgefahrenindex des Deutschen Wetterdienstes (DWD) misst die meteorologische Gefahr eines Waldbrandes. Der Index zeigt: In ganz Deutschland liegt der Indes bei Warnstufe 3 von 5, wobei Warnstufe 5 eine sehr hohe Gefahr kennzeichnet. Im Westen Deutschlands erwartet der DWD in den kommenden Tagen Warnstufe 4, im Osten sogar die höchste Stufe.

Folgen des Klimawandels: „Deutschland ist ein Waldbrandland“

„Deutschland ist jetzt ein Waldbrandland“, konstatierte Somidh Saha vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) kürzlich gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Als Ursache für die erhöhte Waldbrandgefahr machte der Experte den Klimawandel aus: „Als Folge des Klimawandels erleben wir nun extreme Hitzewellen sowie Dürren, und damit steigt natürlich auch die Feuergefahr.“

Berechnungen des Deutschen Wetterdienstes ergaben: In Deutschland soll es in den kommenden Jahren im Jahresschnitt bis zu ein Grad wärmer werden als in den vergangenen drei Jahrzehnten. Das könnte sich auch auf Gefahr von Waldbränden auswirken. Klar ist, dass Hitze selbst keinen Brand entzündet. Doch sie kann die Entstehung der Brände begünstigen: Je heißer es wird, desto mehr Wasser verdunstet. Frankreich verzeichnet schon in diesem Jahr eine historische Dürre.

Vor allem wenn Hitzewellen mit ausgedehnten Trockenperioden einhergehen, steigt das Waldbrandrisiko. Dazu kommen weitere Faktoren wie Blitze oder Risiken durch den Menschen - etwa Zigaretten oder Funken, die beim Mähdreschen entstehen können. (sf/dpa/AFP)

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