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Frankreich: Wer ist schuld am Waldbrand? Polizei mit ersten Ermittlungserfolgen

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Von: Anna Lorenz

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Bisher brannten in Frankreich 2022 mehr als 65.000 Hektar Wald, davon 50.000 seit Beginn des Sommers. Zur Ermittlung der Verursacher soll es aufgrund der aufwändigen Untersuchungen nun eine Sondereinheit geben.

Paris – Im Sommer 2022 wüteten europaweit zahlreiche Waldbrände. Auch in Frankreich wurden durch derartige Feuer 65 000 Hektar Naturflächen zerstört. Die Polizei vermeldet nun Ermittlungserfolge und stellt eine neue Einheit vor, die sich künftig der Verfolgung von Brandstiftung in Fluren und Wäldern widmen soll.

Frankreich: Wer verursachte die Waldbrände? – Dutzende mutmaßliche Brandstifter ermittelt

Selbstentzündung aufgrund sengender Hitze und starker Trockenheit? Den Ermittlungsergebnissen der französischen Polizei zufolge ist dies nicht der Grund der diesjährigen Waldbrände. 48 mutmaßliche Brandstifter hat die Gendarmerie mittlerweile festgenommen, wie Sprecherin Marie-Laure Pezant am Freitag (23. September) in Paris dem Sender RTL mitteilte. 40 verschiedene Untersuchungen habe es gegeben, mittlerweile wurden 12 Verdächtige für schuldig befunden. Die letzte dieser Verurteilungen habe es in der Dordogne gegeben, wo das Urteil für einen Brandstifter zwei Jahre Haft auf Bewährung lautete. Zwei Jugendliche, die mit Feuerwerkskörpern ein Feuer in der Bretagne ausgelöst hatten, das fünf Hektar Wald zerstörte, wurden zu Erziehungsmaßnahmen verurteilt.

Doch wer sind die – mehrheitlich männlichen – Beschuldigten? „Wir haben sehr unterschiedliche Profile, junge Menschen, Minderjährige, Rentner, es sind alle sozialen Schichten vertreten“, sagte eine Sprecherin der Gendarmerie der Nachrichtenagentur AFP. Unter den Brandstiftern befänden sich auch ein ehemaliger Feuerwehrmann und einige Menschen mit psychischen Problemen. Ärzte sollen feststellen, ob sie möglicherweise an Pyromanie litten, also einen krankhaften Drang haben, Brände zu legen.

Waldbrände in Frankreich: Ermittlungen sind „Knochenarbeit“

Nach Angaben der französischen Waldbehörde sind 90 Prozent der Brände menschengemacht, in 30 Prozent der Fälle läge Brandstiftung vor. Daher werden bei jedem Flächenbrand polizeiliche Ermittlungen aufgenommen. Pezant zufolge sei die Suche nach den Tätern allerdings sehr aufwendig. „Wir suchen nach Hinweisen und Spuren, die es uns ermöglichen, den Ursprung und das Gebiet, in dem das Feuer ausgebrochen ist, zu definieren.“

Die Brände in Frankreich zerstörten in diesem Jahr bereits zehntausende Hektar Wald. Hier zu sehen: ein Feuer in Saint Magne südlich von Bordeaux, aufgenommen am Mittwoch.
Die Brände in Frankreich zerstörten 2022 bereits zehntausende Hektar Wald. Hier zu sehen: Ein Feuer in Saint Magne südlich von Bordeaux, aufgenommen am 10. August. © dpa

Eine Flasche könne ein Hinweis für einen Molotowcocktail sein, es könnten Zigarettenstummel oder Spuren von Brandbeschleuniger gefunden werden. Wie die Gendarmerie mitteilte, gäbe es häufig Zeugenhinweise. Außerdem würden durch den Brand nicht alle Beweismittel zerstört. Mitte August, zum Höhepunkt der diesjährigen Waldbrände, waren bis zu 500 Gendarmen bei 18 Bränden im Einsatz. „Wir finden oft Spuren, die uns zum Täter führen“, so die Sprecherin. Alles in allem, so beschreibt es Pezant, seien die Ermittlungen jedoch „eine Knochenarbeit“.

Frankreich tritt in Aktion: „Grüne Gendarmerie“ soll künftig Umweltdelikte aufklären

Auf dieses Problem reagierte im August 2022 Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin. Eine „grüne Gendarmerie mit 3000 Polizisten solle abgestellt werden, um künftig Umweltdelikte und insbesondere Brandstiftungen in der Natur zu verfolgen. Derartig spezialisierte Beamte sollte es dann in jeder Polizeibrigade geben. Es blieb unklar, ob es sich im neue Stellen oder eine Neuorganisation handeln solle. Auch im Landwirtschaftssektor soll eine Sondereinheit geformt werden.

Bis zum 17. September hatten in Frankreich mehr als 65.000 Hektar Wald gebrannt, davon 50.000 seit Beginn des Sommers. Das ist die größte Fläche, die seit Beginn der Satellitenbeobachtung im Jahr 2006 in einem vergleichbaren Zeitraum im Frankreich abgebrannt war. Die Gegend um Bordeaux war mit 30.000 Hektar zerstörter Fluren besonders schlimm betroffen.

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