Warnstreik sorgt für massive Verspätungen

Berlin - Tausende Pendler kommen nicht rechtzeitig zur Arbeit. Chaos mitten im morgendlichen Berufsverkehr. Aber auch wer nach Köln oder München will, spürt die Warnstreiks bei der Bahn. Doch das war wohl erst der Anfang.

Züge stehen stundenlang auf den Gleisen, Stellwerke sind lahmgelegt, und vor den Infoschaltern der Bahn drängeln sich Tausende genervte Reisende: Regionale Warnstreiks bei der Bahn sorgen in ganz Deutschland für stundenlange Verzögerungen und Ausfälle im Zugverkehr. “Wir haben mit wenig Leuten eine große Wirkung erzielt“, sagte Transnet-Sprecher Michael Klein. Schwerpunkte der Arbeitsniederlegungen waren Nordrhein-Westfalen, Bayern und Hessen, aber auch in mehreren anderen Bundesländern wurde gestreikt. Insgesamt seien rund 1700 Eisenbahner im Ausstand gewesen, sagte ein Sprecher der Gewerkschaft Transnet am Dienstag in Berlin. Transnet und die Gewerkschaft GDBA wollten in der Tarifauseinandersetzung mit der Deutschen Bahn (DB) und ihren privaten Konkurrenten den Druck erhöhen. Ihr Ziel sind gleiche Tarife bei den Bahnunternehmen.

In der Tarifrunde geht um die Einkommen, die Arbeitsbedingungen und die Beschäftigungssicherung für rund 165 000 DB-Beschäftigte, die am Jahresende ausläuft. In der Einkommenstarifrunde verhandeln Transnet und GDBA für etwa 135 000 DB-Beschäftigte. Ein Branchentarifvertrag würde - wenn er zustande kommt - knapp 20 000 DB-Regio-Beschäftigte sowie mehr als 10 000 Mitarbeiter der Privatbahnen erfassen. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) strebt zugleich einen Branchentarifvertrag für alle 20 000 Lokführer an. Die von den Bahnen angebotene Schlichtung lehnten Transnet und GDBA ab. Nach zwei Jahren Verhandlungen sei die Geduld der Arbeitnehmer am Ende, betonte Transnet-Chef Kirchner. Die nächste Tarifrunde steht am Freitag mit der DB an.

Bis dahin werde es “höchstwahrscheinlich“ keine weiteren Streiks mehr geben, kündigte GDBA-Chef Klaus-Dieter Hommel im ARD-“Morgenmagazin“ an. Transnet-Vorsitzender Alexander Kirchner gab sich zugleich bei einer Kundgebung am Kölner Hauptbahnhof kämpferisch: “Wir wollen den Arbeitgebern signalisieren, dass wir es ernst meinen.“ Sollten sich die Bahnunternehmen nicht ernsthaft bewegen, drohten weitere Arbeitsniederlegungen. Notfalls werde es auch Urabstimmung und einen regulären Streik geben - dann werde der Verkehr ganz lahmgelegt. Nach Gewerkschaftsangaben waren allein in Nordrhein-Westfalen 500 bis 600 Eisenbahner im Warnstreik.

Weil viele Pendler auf das Auto umstiegen, bildeten sich im bevölkerungsreichsten Bundesland auf den Autobahnen Staus von 125 Kilometern Länge. Normal seien an einem Dienstag 60 Kilometer, erklärte ein Sprecher der Verkehrsleitstelle. Zu erheblichen Behinderungen kam es im Kölner Hauptbahnhof, wo von 7.00 Uhr an vorübergehend kein Zug mehr fuhr, sowie auf den Fernstrecken von Köln über das Ruhrgebiet nach Hannover und Berlin. Auch zahlreiche ICE-Strecken von Frankfurt/Main nach Stuttgart, Basel, Leipzig, Dresden, Berlin und Hamburg seien wegen des Streiks “weitgehend unterbrochen“ gewesen, teilte die Bahn mit, ebenso die ICE-Strecke München-Nürnberg. Die Bahn rechnet damit, dass es noch bis in den Dienstagabend hinein zu Behinderungen kommen wird. Ursache sei, dass am Morgen bestreikte Züge erst nach einigen Stunden an ihren Einsatzorten zur Verfügung stehen.

Reisende sollten sich unter der kostenlosen Rufnummer 08000/996633 oder online unter http://www.bahn.de/aktuell über die Streikauswirkungen informieren. Ebenfalls von den Warnstreiks betroffen regionale Zugverbindungen im Raum Cottbus und in Nordhessen. In Bayern legten unter anderem Beschäftigte der Regentalbahn in Cham und Zwiesel sowie der Bayerischen Regiobahn und Bayerischen Oberlandbahn die Arbeit nieder. In Sachsen-Anhalt beteiligten sich mehr als 60 Stellwerk-Mitarbeiter in Merseburg, Sandersleben, Halberstadt, Sangerhausen und Magdeburg an der Protestaktion. Auswirkungen hatte dies auch auf den Zugverkehr in Niedersachsen, Hessen und Thüringen.

dpa

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