+
Wurde Jesus Christus hier geboren? Eine Pilgerin betet in der Geburtskirche in Bethlehem.

Interview mit Professor Klaus Berger

Weihnachtsgeschichte der Bibel: Was passierte wirklich bei Jesu Geburt?

  • schließen

München - Ein Interview über die Weihnachtsgeschichte der Bibel mit dem Theologen und Neutestamentler Prof. Klaus Berger. Was passierte wirklich bei der Geburt Jesu?

Wenn es um die Weihnachtsgeschichte der Bibel geht, scheinen die Berichte der Evangelien und die historischen Tatsachen meilenweit auseinanderzuklaffen. Zumindest, falls man einigen kritischen Theologen Glauben schenkt. Nach der Ansicht mancher Neutestamentler sind diese Berichte der Evangelien wenig mehr als fromme Legenden. So wurde Jesus nicht in Bethlehem, sondern in Nazareth geboren. Und schon gar nicht von einer Jungfrau. Diese Legende, so betonen Bibelkritiker, hätte die Kirche aus antiken Götzenkulten übernommen und auf Maria hin umformuliert. Im Gegensatz zu vielen deutschen Neutestamentlern, die den abgeschotteten Diskurs im universitären Elfenbeinturm bevorzugen, hat der US-Religionswissenschaftler Bart Ehrman sogar schon mehrere New-York-Times-Bestseller herausgebracht, in denen er von allen Berichten der Evangelien praktisch nur die Tatsache gelten lässt, das Jesus gelebt hat und als Heiler und Endzeitprediger unterwegs war.

Klaus Berger, geb. 1940, Dr. theol., em. Professor für Neutestamentliche Theologie der Universität Heidelberg.

Doch gegen diejenigen Theologen, die die Evangelien als Fabelgeschichten mit minimalem historischen Kern deuten, macht sich innerhalb der Fachwelt auch Widerstand breit. Vor wenigen Jahren provozierte die „Jesus von Nazareth“-Trilogie von Papst Benedikt XVI (vormals Prof. Joseph Ratzinger) kontroverse Diskussionen unter den Gelehrten. Im deutschen Sprachraum gilt der renommierte Neutestamentler Prof. Klaus Berger (75) als wortmächtigster Kritiker der Bibelkritiker. In seinem aktuellen Buch „Die Bibelfälscher: Wie wir um die Wahrheit betrogen werden“, geht er mit den Hypothesen einiger Kollegen hart ins Gericht. Wir sprachen mit Klaus Berger über die Weihnachtsgeschichte.

Herr Prof. Berger, sind die Berichte der Evangelien von Lukas und Matthäus eigentlich Fakten oder Fiktionen?

Klaus Berger: Man sollte genauer fragen: Berichten die Evangelien über Fakten – oder geht es überall um Dichtungen, ohne Grundlage in Raum und Zeit? Wäre alles nur Dichtung, so lohnte ein Vergleichen gar nicht. Nun aber haben wir im Neuen Testament 4 Evangelien, die wir gut miteinander vergleichen können, dazu noch 68 andere, verwandte Evangelienschriften, die nicht im Neuen Testament stehen. Da geht es doch nicht um Dutzende von Dichtern, die nebeneinander her phantasieren, sondern um Autoren, die sich auf etwas Gemeinsames beziehen, eine gemeinsame Mitte. Und schon allein das, was sie gemeinsan haben, ist eine ganze Menge, zum Beispiel, dass Jesus Gottes Sohn ist und dass seine jüdische Mutter Maria heißt.

Weihnachtsgeschichte der Bibel: Warum berichten nur Matthäus und Lukas von der Geburt Jesu?

Warum machen es uns die Evangelisten im Hinblick auf die Weihnachtsgeschichte eigentlich so schwer? Immerhin berichten nur Matthäus und Lukas von der Geburt Jesu. Bei Johannes und Markus kommt sie gar nicht vor.

Wenn man vor 2000 Jahren eine Biographie schreiben wollte, dann gab es zwei Möglichkeiten. Entweder man begann mit der Geburt, so wie viele moderne Lebensberichte das tun. Das war die Entscheidung von Lukas und Matthäus. Oder man begann mit dem ersten Akt des öffentlichen Auftretens, so wie Markus und Johannes es tun. Zwei mögliche Einstiegspunkte, die dann natürlich eine verschiedene Sichtweise auf das Ganze erlauben. Aber deshalb, gerade um diese Verschiedenheit zu ermöglichen, hat sich die Kirche von Anfang an vier Evangelien gestattet, wohl wissend, dass sie auf verschiedene Weise berichten. Die Kirche hatte erstaunlicherweise nie Angst vor den Abweichungen im Detail.

Vergleichen wir doch mal die Listen der Vorfahren Jesu, die Matthäus und Lukas aufzählen. Und da finden wir zwei äußerst verschiedene Stammlinien. Ist da einem der Evangelisten ein grober Fehler unterlaufen?

Versuchen Sie bitte einmal, sich an Namen und Vornamen Ihrer Urgroßeltern und weiterer Vorfahren zu erinnern. Es wird nicht klappen. Natürlich könnte man auf dem Standesamt nachforschen oder in alten Kirchenbüchern. Aber beides gab es nicht zur Zeit des Neuen Testaments. Wenn man davon ausgeht, sind die Evangelisten sehr genau. Wichtig war ihnen aber vor allem, dass Jesus von Abraham abstammt, wie jeder Jude.

Warum erwähnen eigentlich nur zwei der vier Evangelisten die Jungfrauengeburt? Bei so einem außergewöhnlichen Ereignis möchte man doch meinen, dass jeder Evangelist die Zeugung des Gottessohnes durch den Heiligen Geist hervorheben müsste.

Manche Einzelheiten sind sehr stark abhängig von der regionalen Informationslage. Die Evangelisten saßen ja nicht morgens wie die Redakteure einer Zeitung zusammen. So gibt es verschiedene Informationen. Nehmen wir zum Vergleich einmal das sogenannte Protevangelium des Jakobus hinzu. Auch dieses geht über Kindheitsberichte, ist aber recht verschieden. Über eines können wir nur sehr sicher sein: Was für die Evangelisten als Christen gemeinsam war, darin stimmen sie überein. Das betrifft in diesem Fall die Gottessohnschaft Jesu durch den Heiligen Geist. Ob sie sich nun vor allem in der Jungfräulichkeit Mariens äußerte oder auch anders, ist für uns nicht die Hauptsache, und so war es auch für die Evangelisten. Und wenn man, wie Markus und Johannes mit dem öffentlichen Auftreten Jesu das Leben Jesu beginnen lässt, dann berichtet man nicht über Jungfrauengeburt, sondern beginnt mit einer anderen Situation, in der dasselbe zum Ausdruck kommt: Bei der Taufe Jesu bekennt sich der Vater zu seinem Sohn, und es wird sichtbar, dass diese Kindschaft durch den Heiligen Geist zustande kommt.

Weihnachtsgeschichte der Bibel: Ärgernis Jungfrauengeburt

Auch prominente Kirchenleute tun sich schwer mit der Jungfrauengeburt. So erklärte die ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann in einem Interview: „Da bin ich ganz Theologin des 21. Jahrhunderts. Ich glaube, dass Maria eine junge Frau war, die Gott vollkommen vertraut hat. Aber dass sie im medizinischen Sinne Jungfrau war, das glaube ich nicht.“ Muss man also ein Mensch des Mittelalters sein, um an die Jungfrauengeburt zu glauben?

Darum, etwas glauben zu müssen, geht es gar nicht. Aber junge Frauen, die Gott vertrauen, gibt es jede Menge. Das ist noch nicht das Merkmal Mariens. Und was Frau Käßmann betrifft: Auch schon im 8.Jahrhundert vor oder im 1. Jahrhundert nach Christus wusste man recht genau, wie Kinder entstehen. Man kann also nicht sagen: Die Menschen des 1. Jahrhunderts waren so dumm, dass man ihnen noch erzählen konnte, Kinder entstünden durch den Heiligen Geist. Man kann auch nicht sagen: Wir dagegen sind emanzipiert und aufgeklärt und glauben nicht an den Klapperstorch. Es geht nicht um Märchen, sondern um Gott und ob er in der Welt etwas bewirken kann oder nicht und niemals.

In einem vieldiskutierten Essay zur Weihnachtsgeschichte wies der prominente US-Jesuit James Martin in der renommierten Zeitung „Washington Post“ auf zahlreiche Probleme bei der Harmonisierung der Kindheitsgeschichten Jesu hin. Mit der Jungfrauengeburt hat er überraschenderweise keine Probleme. So schreibt James Martin: „Um ehrlich zu sein, war das für mich immer ziemlich einfach zu begreifen: Wenn Gott ein Universum aus dem Nichts erschaffen kann, dann erscheint eine Jungfrauengeburt dagegen als vergleichsweise leicht zu bewerkstelligen.“ Würden Sie ihm da zustimmen?

Ja, und nicht nur das. Denn Heiliger Geist bedeutet nicht nur Schöpfung, sondern auch die Möglichkeit der Neuschöpfung. Es geht nicht nur um Maria und das Christkind, sondern um die Möglichkeit der Gotteskindschaft für Menschen überhaupt.

Zwei kritische Einwände von Exegeten begegnen einem oft im Hinblick auf die Jungfrauengeburt: Erstens: Der Evangelist Matthäus sehe in der Jungfrauengeburt eine Weissagung des Propheten Jesaja aus dem Alten Testament erfüllt. Nun habe Jesaja in seiner Prophezeiung von einer „jungen Frau“ gesprochen, die dann im Zuge der Übersetzung des hebräischen Urtextes ins Griechische zur „Jungfrau“ gemacht wurde. Ist Matthäus da auf einen Übersetzungsfehler reingefallen?

Bei Maria wird nach Ansicht des Evangelisten Matthäus die Weissagung Jesaja 7,14 erfüllt: Eine Jungfrau wird empfangen und gebären, und das Kind wird Emmanuel heißen. Alles andere wäre doch „kreuznormal“ und gar nicht erwähnenswert. Junge Frauen und nicht Frauen über 70 pflegen schwanger zu werden (und wenn, dann steht es gleich in der "Bild"-Zeitung). Wenn es nur um eine junge Frau ginge, so wäre das nichts Besonderes. Aber schon die griechische Bibel übersetzt das Hebräische hier mit parthenos, das heißt: Jungfrau. Es liegt kein Übersetzungsfehler vor, sondern eine Möglichkeit, die dann zur Notwendigkeit wird, wenn man die Gattung beachtet: Weil es um eine Prophetie geht und eben nicht um das Normale, Alltägliche, gilt auch von dem hebräischen Wort „alma“ hier die Übersetzungsmöglichkeit Jungfrau und nicht die Möglichkeit „junge Frau“.

Der zweite weitverbreitete Einwand gegen die Jungfrauengeburt: Die Evangelisten hätten einfach einen verbreiteten Mythos der Antike übernommen. Damals galten bedeutende Männer oft als von Göttern gezeugt. Immerhin soll ja auch die Mutter Alexanders der Großen von Zeus in Form einer Schlange geschwängert worden sein. Was ist davon zu halten?

Nach den mythischen Erzählungen über heidnische Heroen sind die großen Männer oft dadurch entstanden, dass ein Gott mit einer menschlichen Frau Ehebruch getrieben hat. Davon ist bei Maria nicht im entferntesten die Rede. Die frühen Christen hatten ja auch anderes zu tun als pikante heidnische Sex-Geschichten sogleich auf Maria zu übertragen.

Probleme bei der Datierung der Weihnachtsgeschichten in der Bibel?

Eine weitere Frage, die die Evangelien zur Weihnachtsgeschichte aufwerfen: Jesus wurde laut Matthäus unter König Herodes geboren, der nach heutiger Zeitrechnung 4 v. Chr. gestorben ist. Lukas bringt den Geburtstermin Jesu mit der Volkszählung unter Quirinius in Verbindung, der allerdings erst im Jahr 6 n. Chr. Statthalter von Syrien war. Wie kann das zusammenpassen?

Die Nicht-Übereinstimmung zeigt, dass hier keine Absprachen vorliegen. Deshalb erhöhen solche Unterschiede eher die Vertrauenswürdigkeit der Evangelien, statt sie zu untergraben.

Kritische Exegeten wiesen darauf hin, dass Jesus gar nicht in Bethlehem geboren worden sei, sondern in Nazareth. Der Evangelist Matthäus, so betonen sie, habe unbedingt eine Prophezeiung aus dem Alten Testament verwirklicht sehen wollen, wonach der Messias in Bethlehem zur Welt komme. Was ist davon zu halten?

Von einer Geburt in Nazareth berichtet kein Evangelium. Wenn Jesus „Nazarener“ heißt, dann, weil er später hier seinen Lebensmittelpunkt hatte. In der bei Matthäus herangezogenen Stelle Micha 5 steht übrigens, Bethlehem sei die „geringste“ unter den Städten. Von sich aus gab also der Text keinen Anlass, den Messias dort geboren sein zu lassen. Erst unter dem Eindruck der tatsächlichen Geburt Jesu in Bethlehem hat Matthäus die Stelle umgewertet. Also: Nicht wegen Micha 5 „muss“ Jesus dann – gegen die historischen Fakten – in Bethlehem geboren sein. Sondern eigentlich ist er trotz des schlechten Rufes dort geboren.

Eine weitere Kritik an Matthäus: Nur der Evangelist berichtet vom Kindermord, den König Herodes in Bethlehem angeordnet habe. Sonst weiß keine antike Quelle davon. Alles nur Propaganda gegen Herodes?

Es ist methodisch nicht haltbar, Berichte nur dann für aussagekräftig zu halten, wenn mindestens zwei Zeugnisse vorliegen. Umbringen der potenziellen Nachfolger gehörte zum Politikstil der damaligen Herrscher, und zwar weltweit (Heute beginnt man damit nicht schon im Kindergarten, sondern allerdings auch schon auf dem Bezirksparteitag). Es gibt laut den Tagebüchern, die Historiker erstellten, noch genügend freie Nachmittage im Leben des Herodes, in denen er den Kindermord hat veranstalten können.

Auch bei der Flucht nach Ägypten wird Matthäus unterstellt, er habe krampfhaft eine Prophezeiung des Alten Testamentes verwirklicht. Durch die Flucht von Maria und Joseph gelangt Jesus nach Ägypten - und später wieder nach Nazareth. Damit wollte der Evangelist das Wort des Propheten Hosea erfüllen: "Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen."

Ob nun Ruf „aus Ägypten“ wie bei Hosea oder Flucht „nach Ägypten“ wie bei Matthäus – beides ist zu unterscheiden. Die neueste Diskussion, die Flucht in die ägyptische Wüste, von der auch Apk 12 berichtet oder Spuren im ältesten koptischen Christentum, das alles weist auf eine „Zeit in Ägypten“ in den Anfängen Jesu. Wir haben uns offenbar zu stark angewöhnt, die Jesus-Überlieferung nur aus der Perspektive Galiläa-Jerusalem zu sehen. Das geht vor allem auf Kosten der Beachtung der ältesten Anfänge des Christentums in Ägypten. Daher gilt auch hier: Die Evangelien bieten jeweils begrenzte Perspektiven. Daraus ist ihnen kein Vorwurf zu machen, doch es zwingt dazu, verschiedene Sichtmöglichkeiten ernst zu nehmen.

In einer Dokumentation des ZDF zur Weihnachtsgeschichte wurde behauptet: Für Astronomen gibt es den Stern von Bethlehem nicht. Die heiligen drei Könige sind nur eine schöne Erfindung. Was meinen Sie dazu?

Die Bibel berichtet nur von Magiern, also Anhängern der persischen Religion, die zu Jesus gefunden hätten. Auf die Dreizahl kam man wegen der drei Gaben Gold, Weihrauch und Myrrhe. „Könige“ nahm man wegen Gold als Zeichen der Könige. Das Ganze aber, dass Könige einem Oberkönig kniefällig (!) huldigen, und zwar aus astrologischen Gründen, ist im Rahmen persischer Religion verständlich und geradezu typisch. Der Bericht in Mt 2 ist also ein Beleg dafür, dass das Evangelium schon früh nicht-jüdische, eben persische Anhänger gefunden hat. Mt 2 ist eine Art Gründungslegende des alten persischen Christentums geworden. – Zum Stern von Betlehem und dessen Personalusweis möchte ich keine neue Variante hinzufügen. Töricht ist es jedenfalls angesichts von Milliarden über Milliarden Sternen, gerade seine Existenz auszuschließen („Gab es nicht“). Noch verstehen wir keineswegs alle Berechnungswege antiker Astronomen. Sicher ist indes, dass für den, der zu glauben und zu hoffen und zu leben bereit ist, jeder Baum und jeder Stern zum Hinweis und zur Brücke des Verstehens werden kann

Lassen sie uns zum Schluss noch über den Geburtstag Jesu sprechen. Welchen Hinweis liefern uns denn da die Evangelien? Der 25. Dezember kommt ja weder bei Lukas noch bei Matthäus vor...

Der 25. Dezember ist der Tag der jährlichen Wintersonnenwende. Es war und ist sinnvoll, dieses Datum aus symbolischen Gründen als Geburtstag Jesu zu feiern. Die Ostkirche feiert den 6. Januar, da ist die Sonne schon etwas weiter.

Herr Prof. Berger, wir bedanken uns für das Gespräch.

Von Prof. Klaus Berger sind auch erschienen:

Die Weihnachtsgeschichte nach Lukas (Lukas 2, 1-20)

Es begab sich aber zur der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt.

Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war, damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger. Und als sie dort waren, kam die Zeit, daß sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.

Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen:

Ehre sei Gott in der Höhe

und Friede auf Erden

bei den Menschen seines Wohlgefallens.

Und als die Engel von ihnen in den Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat. Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in einer Krippe liegen. Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was die Hirten gesagt hatten. Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.

Die Weihnachtsgeschichte nach Matthäus (Matthäus 2,1 – 2,23)

Als Jesus geboren war in Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen: „Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland und sind gekommen, ihn anzubeten.“

Als das der König Herodes hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem, und er ließ zusammenkommen alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes und erforschte von ihnen, wo der Christus geboren werden sollte.

Und sie sagten ihm: „In Bethlehem in Judäa; denn so steht geschrieben durch den Propheten:

„Und du, Bethlehem im jüdischen Lande, bist keineswegs die kleinste unter den Städten in Judäa; denn aus dir wird kommen der Fürst, der mein Volk Israel weiden soll.“

Da rief Herodes die Weisen heimlich zu sich und erkundete genau von ihnen, wann der Stern erschienen wäre, und schickte sie nach Bethlehem und sprach: „Zieht hin und forscht fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihr's findet, so sagt mir's wieder, dass auch ich komme und es anbete.“

Als sie nun den König gehört hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis er über dem Ort stand, wo das Kindlein war.

Als sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreut und gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe.

Und Gott befahl ihnen im Traum, nicht wieder zu Herodes zurückzukehren; und sie zogen auf einem andern Weg wieder in ihr Land.

Als sie aber hinweggezogen waren, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Josef im Traum und sprach:

„Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter mit dir und flieh nach Ägypten und bleib dort, bis ich dir's sage; denn Herodes hat vor, das Kindlein zu suchen, um es umzubringen.“

Da stand er auf und nahm das Kindlein und seine Mutter mit sich bei Nacht und entwich nach Ägypten und blieb dort bis nach dem Tod des Herodes, damit erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht (Hosea 11,1): „Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.“

Als Herodes nun sah, dass er von den Weisen betrogen war, wurde er sehr zornig und schickte aus und ließ alle Kinder in Bethlehem töten und in der ganzen Gegend, die zweijährig und darunter waren, nach der Zeit, die er von den Weisen genau erkundet hatte.

Da wurde erfüllt, was gesagt ist durch den Propheten Jeremia, der da spricht (Jeremia 31,15): „In Rama hat man ein Geschrei gehört, viel Weinen und Wehklagen; Rahel beweinte ihre Kinder und wollte sich nicht trösten lassen, denn es war aus mit ihnen.“

Als aber Herodes gestorben war, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Josef im Traum in Ägypten und sprach: „Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter mit dir und zieh hin in das Land Israel; sie sind gestorben, die dem Kindlein nach dem Leben getrachtet haben.“

Da stand er auf und nahm das Kindlein und seine Mutter mit sich und kam in das Land Israel. Als er aber hörte, dass Archelaus in Judäa König war anstatt seines Vaters Herodes, fürchtete er sich, dorthin zu gehen.

Und im Traum empfing er Befehl von Gott und zog ins galiläische Land und kam und wohnte in einer Stadt mit Namen Nazareth, damit erfüllt würde, was gesagt ist durch die Propheten: Er soll der Nazaräer heißen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Zahl brandgefährdeter britischer Hochhäuser steigt auf 60
In London müssen Tausende Menschen wegen Brandschutz-Mängeln ihre Wohnungen verlassen. Darum gibt es viel Ärger. Experten finden immer mehr riskante Hochhäuser im Land.
Zahl brandgefährdeter britischer Hochhäuser steigt auf 60
Zahl brandgefährdeter Hochhäuser in Großbritannien steigt
Die Liste der brandgefährdeten Hochhäuser in London weitet sich aus. Sprachen die Behörden zuvor noch von 34 Gebäuden, ist die Zahl mittlerweile auf 60 gestiegen.
Zahl brandgefährdeter Hochhäuser in Großbritannien steigt
Hai-Alarm auf Mallorca
Palma (dpa) - Hai-Alarm auf Deutschlands Urlaubsinsel Nummer eins: Ein Blauhai vor Mallorca hat am Wochenende Angst und Schrecken unter Badegästen verbreitet. Er tauchte …
Hai-Alarm auf Mallorca
Badegäste in Angst: Hai-Alarm auf Mallorca
Mit einem Schrecken kamen zahlreiche Badegäste auf Mallorca davon. Der Grund: Ein zwei Meter langer Hai schwamm im seichten Wasser ganz dicht an ihnen vorbei. 
Badegäste in Angst: Hai-Alarm auf Mallorca

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion