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Streit um Pfarrer Wendelin Bucheli.

Kirchenstreit in der Schweiz

Weil er Lesben segnete: Pfarrer droht Strafversetzung

Bürglen - Weil er der Verbindung eines lesbischen Paares seinen Segen gegeben hat, soll ein katholischer Pfarrer in der Schweiz strafversetzt werden. Doch der Gottesmann hat Zehntausende auf seiner Seite.

Schweizerischer geht es kaum. Die Berglandschaft rings um Bürglen gleicht einer Postkartenidylle. Überall wird in der 4000-Seelen-Gemeinde an Wilhelm Tell erinnert. Der Nationalheld stammte laut Legende von hier. In aller Munde ist Bürglen derzeit aber nicht wegen des kühnen Apfelschützen, sondern wegen seines beliebten Pfarrers Wendelin Bucheli. Der hat sich getraut, die Verbindung eines lesbischen Paares zu segnen. Dafür soll er nach dem Willen seines Bischofs zwangsversetzt werden. Doch die Gemeinde leistet Widerstand und hofft auf ein Machtwort von Papst Franziskus.

Auf keinen Fall wollen die Gläubigen in Bürglen - mehr als 90 Prozent der Einwohner sind römisch-katholisch -, ihren weltoffenen Pfarrer verlieren. „Buchelin hat es geschafft, die Leute und gerade die Jungen wieder in die Kirche zu holen“, sagte Kirchenratssprecher Peter Vorwerk der Zeitung „Zentralschweiz am Sonntag“.

Zum Erstaunen der hohen Herren im zuständigen Bistum Chur stellte sich der Kirchenrat von Bürglen „vorbehaltlos“ hinter seinen Pfarrer: „Der Wunsch von Bischof Vitus Huonder, Wendelin Bucheli als Pfarrer von Bürglen abzuberufen“, erklärte das Gremium, sei „unangemessen hart.“

"Heutzutage werden Tiere, Autos und sogar Waffen gesegnet"

Vorwerk verweist auf Papst Franziskus, der zur Debatte über den Umgang der Kirche mit Homosexuellen bekanntlich gesagt habe „Wenn jemand kommt und mich um den Segen Gottes bittet: Wer bin ich, ihm diesen Segen zu verweigern?“ Ähnlich, nur ein wenig anschaulicher, hatte Pfarrer Bucheli seinen Segnungsakt für das lesbische Paar begründet: „Heutzutage werden Tiere, Autos und sogar Waffen gesegnet. Warum soll man nicht auch ein Paar segnen, das seinen Weg gemeinsam mit Gott gehen möchte?“

Weil von Gott nun einmal „nicht jedes Tun des Menschen gut geheißen“ werde, hielt das erzkonservative Bistum von Chur in einer Erklärung dagegen. „Die Bischöfe sind der Überzeugung, dass homosexuelle Menschen gesegnet werden können, aber nicht die Schließung einer homosexuellen Verbindung.“ Der Bischof bleibt dabei: Bucheli müsse als Strafe für sein Tun spätestens im kommenden Sommer Bürglen verlassen und in seine Heimatdiözese Lausanne-Genf-Freiburg zurückkehren.

Was der Pfarrer davon hält, machte er publikumswirksam deutlich. Er holte das schwarze Hirtenhemd aus dem Schrank, das ihm die Pfarrgemeinde in Wilhelm Tells legendärem Heimatort einst bei seinem Amtsantritt geschenkt hatte. Bürglen sei „eine Perle unter den Pfarreien“, die er nicht zu verlassen gedenke, erklärte der Hirte. Eine stehende Ovation war die Antwort der Kirchengemeinde.

Schon über 43.000 Unterschriften bei Online-Petition

Vielleicht wäre ja alles nicht so weit gekommen, wenn der Pfarrer die Sache im vergangenen Herbst ein wenig diskreter angegangen wäre und den Bund der beiden Frauen nicht in aller Öffentlichkeit mit Gottes Segen versehen hätte. Das räumt der 61-Jährige heute durchaus ein. „Als guter Hirte will ich alles daran setzen, dass diese Herde nicht verletzt wird“, sagte Bucheli kürzlich nach einer Messe vor rund 300 Gläubigen.

Damit der Pfarrer bleiben kann, werden über die Online-Plattform der linksliberalen Bürgerbewegung Avaaz („Stimme“) Unterschriften gesammelt. „Schon bald werden wir 50.000 zusammenhaben“, sagt der Kampagnenleiter für die Schweiz, Deutschland und Österreich, Christoph Schott. Am Montag waren es laut Avaaz-Website schon mehr als 43.000. Die Lesbensegnung von Bürglen sei „ein Akt großen Mutes und der Nächstenliebe“, heißt es im Text der Petition. Sie dürfe auf keinen Fall bestraft werden.

Doch genau das wollten konservative Kirchenkreise durchsetzen, meint der Abt des Klosters Engelberg, Christian Meyer. Der Fall des Pfarrers von Bürglen solle als abschreckendes Beispiel für Seelsorger dienen, die Segnungen homosexueller Paare bereits praktizieren oder für die Zukunft in Erwägung ziehen.

Die „Neue Zürcher Zeitung“ sieht gar einen Richtungskampf in der katholischen Kirche der Schweiz. Konservative Kreise „lassen im Fall Bürglen die Muskeln spielen“, hieß es dort am Montag. Die Kirche befinde sich „im Dilemma zwischen Dogma und Öffnung“.

dpa

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