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Gottesdienst nach dem schrecklichen Verbrechen: Die Menschen in Zella-Mehlis trauern um die getötete Mary-Jane.

Weiße Rosen für Mary-Jane - Trauergottesdienst

Zella-Mehlis - Weiße Rosen und Teelichter: In der Magdalenenkirche von Zella-Mehlis sind am Montagabend hunderte Kinder und Erwachsene zu einem Trauergottesdienst für die getötete siebenjährige Mary-Jane zusammengekommen.

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Auch Landtagspräsidentin Birgit Diezel, Innenminister Jörg Geibert (CDU) und Vertreter der Stadt waren unter den Besuchern der voll besetzten Kirche, ebenso Angehörige des getöteten Mädchens und Notfallseelsorger. Viele kamen mit weißen Rosen, vor dem Altar brannten dutzende Teelichter.

Vor dem Altar liegt ein kleines braunes Stofftier, daneben erinnert jemand an “unseren kleinen Engel, unseren leuchtenden Stern“. Hunderte Menschen strömen am Abend in die Magdalenenkirche von Zella-Mehlis, um ihre Trauer um Mary-Jane zu verarbeiten. “Du hast so viele Herzen berührt und bleibst unvergessen“, sagt jemand. Unter den Trauernden sind auffällig viele Kinder - bis Freitag war die Siebenjährige noch ihre Mitschülerin. Jetzt ist sie tot - ihre ersten Sommerferien, die in zwei Wochen begonnen hätten, kann sie nicht mehr erleben.

Auch vor dem Schultor liegen Rosen und bunte Stoffteddys, jemand hat aus Teelichtern ein Herz geformt. Immer wieder kommen Kinder aus der Schiller-Schule schon am Vormittag an diesen Gedenkort. Minutenlang bleiben die Grundschüler stehen - still. Einige nehmen sich an den Händen. Ein Junge mit Baseball-Kappe sitzt im Schneidersitz lange vor einem Schwarz-Weiß-Foto von Mary-Jane. Wie er scheinen viele Kinder den Tod ihrer Mitschülerin nur schwer zu begreifen.

Auch Thüringens Kultusminister Christoph Matschie (SPD) äußert sich am Morgen erschüttert. Er hatte die Schule besucht, in der Mary-Jane in die erste Klasse ging. “Es ist ein Verbrechen, das unfassbar ist und das die ganze Stadt mitgenommen hat“, sagt er. Wichtig sei jetzt vor allem, dass die Angehörigen nicht alleine gelassen würden mit ihrer Trauer. “Es ist gut zu sehen, dass die ganze Stadt Anteil nimmt“, sagt der gelernte Theologe.

Mary-Jane war am Freitagnachmittag nach der Schule nicht nach Hause gekommen. Wanderer hatten ihre Leiche am Samstag in einem Bach unweit ihres Wohnhauses gefunden. Die Polizei geht von einem Gewaltverbrechen aus. Inzwischen sucht sie mit einem Phantombild nach einem Mann, der am Freitag mit der Siebenjährigen gesehen worden sein soll.

“Danke, ich habe nie gedacht, dass so viele Menschen sie kannten“, hat Mary-Janes Mutter an die Haustür ihres Plattenbaus geschrieben. “Ich vermisse dich jede Sekunde. Ich liebe dich mein Engel.“ Vor der Tür brennen Kerzen, liegen wieder Stofftiere. An der Grundschule spielen die Kinder an diesem Montag unter strenger Bewachung durch Polizisten. Die Kleinen warten auf ihre Eltern. Die meisten dürfen heute nicht alleine nach Hause gehen.

“Normalerweise ist meine Tochter immer gelaufen“, sagt ein 29 Jahre alter Vater. “Das machen wir jetzt bestimmt nicht mehr.“ Zusammen mit seiner Frau holt er die Achtjährige vor dem Klassenzimmer ab. Vorher muss er bei der Polizei den Ausweis zeigen. Die Angst ist groß, dass der Mörder von Mary-Jane noch immer in Zella-Mehlis sein könnte.

Ein Mädchen nimmt seine Mutter beim Abholen gleich mit zu den Teddys und Blumen vor dem Schultor. Zusammen zünden sie eine Kerze an, stehen lange davor, bis die Mutter ihrer Tochter über die Haare streicht und sie zusammen heimgehen. Andere Grundschüler werden von Opa und Oma abgeholt. Ein älterer Mann mit Hund berichtet, seine Enkelin gehe in Mary-Janes Parallelklasse. Am Wochenende hätten sie lange mit der Kleinen gesprochen und sie auf den Schultag vorbereitet. “Sie hat nur immer wieder gefragt, ob das Mädel wirklich richtig tot ist.“

In den ersten Schulstunden am Morgen waren Psychologen für die 168 Kinder der Schiller-Schule da. Auch Malen sollte den Grundschülern helfen, ihre Gefühle auszudrücken. Danach hätten Lehrer, Schüler und Psychologen beschlossen, den Unterricht fortzusetzen, sagte Matschie.

Die Schulleitung schottet sich von der Öffentlichkeit ab. Für Auskünfte wird auf das Kultusministerium verwiesen. Die Fenster bleiben geschlossen. Immer wieder aber schauen Lehrer aus dem Gebäude auf die spielenden Kinder und die Plüschtiere vor der Tür. Die Schulsekretärin sagt nur einen Satz: “Heute ist alles anders“.

dpa

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