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An der Charité soll es einen weiteren Fall von Missbrauch gegeben haben

Anonymer Hinweis

Weiterer Missbrauchsfall an der Charité?

Berlin - Nachdem ein Pfleger eine Jugendliche missbraucht haben soll, erhebt ein anonymer Anrufer neue Vorwürfe. Der Klinikchef spricht von „Grenzüberschreitungen“, die nicht zu überprüfen seien.

Bei der neuen Missbrauchs-Hotline der Berliner Charité ist ein Hinweis auf einen weiteren Fall eingegangen. Unter den zehn Anrufen bis Donnerstagabend sei ein Hinweis gewesen, „der weiterer Nachforschungen bedarf“, teilte die Charité am Freitag mit. Klinikchef Karl Max Einhäupl sagte der Nachrichtenagentur dpa, in dem anonymen Anruf werde von „Grenzüberschreitungen“ berichtet. „Bei dem Hinweis wird etwas beschrieben, was uns veranlassen würde, weiter zu recherchieren.“ Dies könne derzeit nicht genau beurteilt werden. Darum hoffe man, dass sich der Anrufer nochmals meldet.

Die Hotline war nach Vorwürfen gegen einen langjährigen Pfleger eingerichtet worden, der eine wehrlose 16-Jährige in der Kinderrettungsstelle missbraucht haben soll. Unklar sei, ob die neuen Vorwürfe denselben Pfleger oder eine andere Person betreffen, sagte Einhäupl. Weitere Angaben zu dem anonymen Anruf machte er nicht. Der 58 Jahre alte Pfleger ist suspendiert. Er soll während seinen 40 Jahren an dem Klinikum mehrmals auffällig geworden sein.

Die größte Uniklinik Deutschlands hatte die Behörden erst eine Woche nach den letzten Vorwürfen informiert, die Leitung musste danach Fehler in der Informationspolitik einräumen. Auch nach der Entdeckung von Darmkeimen in der Charité vor wenigen Wochen war Kritik wegen erheblicher Kommunikationsspannen laut geworden. Unklar blieb am Freitag, ob es personelle Konsequenzen gibt.

Währenddessen hat unter starkem politischem Druck die Aufarbeitung begonnen. Bis Montag muss Einhäupl Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD) einen Bericht vorlegen. Nach zunehmender Kritik vereinbarte das größte Uniklinik Deutschlands zudem mit Fachleuten, ein Kinderschutzkonzept zu erarbeiten.

Die Berliner Patientenbeauftragte Karin Stötzner warf der Charité-Leitung mangelnde Führungskompetenz vor und forderte Konsequenzen. Trotz möglicher früherer Vorkommnisse sei nicht sicherstellt worden, dass so etwas nicht erneut passiere, sagte sie dem RBB-Sender radioBerlin.

Auf Druck der Wissenschaftssenatorin muss die Charité einen detaillierten Bericht abliefern. Das Papier soll bei der nächsten Sitzung des Charité-Aufsichtsrates am 3. Dezember erörtert werden, dessen Vorsitzende die Senatorin ist. Am Montag soll erstmals ein externes Expertengremium tagen, das Strukturen und Abläufe überprüfen soll. Mit dabei sei auch Ex-Justizministerin Brigitte Zypries.

dpa

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