Russisches Mehrzweckmodul „Nauka“

Schreckmoment im All: Raumstation ISS gerät in Schieflage - Software-Probleme wohl Grund für Kontrollverlust

  • Patrick Huljina
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Das russische Mehrzweckmodul „Nauka“ sorgte nach seinem Andocken an der ISS für einen Schreckmoment. Die Triebwerke schalteten sich unkontrolliert an.

Moskau - Am Donnerstag (29. Juli) dockte das russische Forschungsmodul „Nauka“ (auf Deutsch: Wissenschaft) an der internationalen Raumstation ISS an. Am 21. Juli war es vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan gestartet. Bereits in der Nacht zum Freitag (30. Juli) sorgte „Nauka“ für einen der wohl größten Schreckmomente in der rund 20-jährigen Geschichte der Raumstation.

Raumstation ISS gerät in Schieflage: Triebwerke von „Nauka“ unkontrolliert angeschaltet

In der Nacht war es zu einer ungeplanten Anschaltung der Triebwerke von „Nauka“ gekommen. Dadurch war die gesamte ISS stark in Bewegung geraten. Der unkontrolliert erzeugte Schub kippte die gesamte gut 450 Tonnen schwere Raumstation um 45 Grad im All. Die US-Raumfahrtbehörde NASA hatte für fast eine Stunde die Kontrolle über die Position der Station verloren. In der Folge brach auch der Kontakt zur Crew für insgesamt elf Minuten ab.

Nach offiziellen Angaben bestand für die sieben Besatzungsmitglieder an Bord zwar zu keiner Zeit Gefahr. Das Problem konnte allerdings erst durch einen Notfalleinsatz wieder behoben werden. Alle ISS-Systeme - inklusive „Nauka“ - funktionierten wieder normal, erklärte der Flugdirektor des russischen Teils der ISS, Wladimir Solowjow, der Agentur Interfax zufolge am Freitag. Er nannte eine kurzzeitige Software-Störung als Grund für die ungeplante Zündung der Triebwerke.

Das russische Mehrzweckmodul „Nauka“ hat nach seinem Andocken an der ISS für einen Schreckmoment gesorgt.

Schreckmoment im All: „Menschlicher Faktor“ bei der Panne nicht ausgeschlossen

Der Chef der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos, Dmitri Rogosin, schloss Medien zufolge auch einen „menschlichen Faktor“ bei der Panne nicht aus. Nach all der Aufregung gab er noch in der Nacht Entwarnung. „Auf der ISS ist Ordnung“, teilte er via Twitter mit. „Die Kosmonauten ruhen sich aus. Das empfehle ich Ihnen auch.“ Roskosmos zufolge arbeiteten Spezialisten vom Flugleitzentrum aus an den Triebwerken des neuen Moduls, um so die Sicherheit der ISS und der Besatzung zu gewährleisten.

Als Mehrzweckmodul ist „Nauka“ vorrangig für die Forschung gedacht. Es soll aber auch als Mannschaftsquartier mit eigenem Lebenserhaltungssystem dienen. An Bord gibt es auch eine Toilette. Es misst 13 mal 4,11 Meter und wiegt mehr als 20 Tonnen. Eigentlich sollte „Nauka“ schon 2007 ins Weltall gebracht werden. Probleme hatten aber zu Verzögerungen geführt. Das letzte Modul hatte Russland vor elf Jahren zur ISS geschickt. Roskosmos-Chef Rogosin kündigte für den 24. November den Start eines weiteren Moduls an, das künftig das Andocken von Raumschiffen verbessern soll. (ph/dpa)

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