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Erste komplett private Crew an Board der ISS – für 50 Millionen Euro pro Person

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Von: Bettina Menzel

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In der mittleren Reihe von links die Teilnehmer der ersten komplett privaten Axiom Mission 1: Mark Pathy, Eytan Stibbe, Larry Connar, und Michael Lopez-Alegria. © NASA/dpa

Einzelne Gäste hat es auf der Raumstation ISS schon gegeben, nun ist die erste komplett private Crew dort und will eine Woche bleiben. Als Weltraumtouristen sehen sie sich selbst aber nicht.

Cape Canaveral - Rund 400 Kilometer hoch über der Erde haben amerikanische, russische und europäische Raumfahrer die Teilnehmer der ersten komplett privaten Mission zur Internationalen Raumstation ISS begrüßt. Die Besucher dockten am Samstag (9. April) nach mehr als 20 Stunden Flug an und versammelten sich kurz darauf zu einem ersten Gruppenfoto in der Schwerelosigkeit, wie Live-Bilder der US-Raumfahrtbehörde NASA zeigten. Die Teilnehmer der „Ax-1“-Mission schrieben damit Geschichte – sie sehen sich selbst jedoch nicht als Weltraumtouristen. Denn die vier ISS-Besucher wollen bei ihrem achttägigen Aufenthalt auch wissenschaftliche Experimente durchführen.

Erste komplett private Crew auf ISS soll 25 wissenschaftliche Experimente durchführen

Die Gruppe – bestehend aus dem spanisch-amerikanischen Astronauten Michael López-Alegría, dem US-Unternehmer Larry Connor, dem israelischen Unternehmer Eytan Stibbe und dem kanadischen Investor Mark Pathy – war am Freitag (8. April) mit einer „Crew Dragon“-Raumkapsel vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida gestartet. Organisiert wurde die Reise zur ISS von dem privaten Raumfahrtunternehmen Axiom Space in Zusammenarbeit mit der NASA und Elon Musks Firma SpaceX.

Auf der Station wird es nun voll, insgesamt sind elf Raumfahrer an Bord. Stören werden die Besucher die ISS-Astronauten aber wohl nicht. „Es ist Platz genug“, sagte Ulrich Walter, Professor für Raumfahrttechnik an der Technischen Universität in München dazu gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). In den Modulen im Orbit arbeiten derzeit die US-Astronauten Thomas Marshburn, Raja Chari und Kayla Barron sowie die drei Kosmonauten Oleg Artemjew, Denis Matwejew und Sergej Korssakow. Zudem lebt die Axiom-Gruppe nun einige Tage lang Seite an Seite mit dem deutschen Astronauten Matthias Maurer, der seit November im All ist und noch bis Ende April bleiben soll.

Einzelne Weltraumtouristen gab es auf der ISS schon mehrfach, bei der sogenannten „Ax-1“-Mission handelt es sich aber um die erste komplett private Crew. Die vier Teilnehmer wollen während ihres ISS-Aufenthalts mehr als 25 wissenschaftliche Experimente durchführen. Kommandant López-Alegría sagte im Vorfeld: „Ich denke, der Weltraum-Tourismus hat eine wichtige Rolle, aber darum geht es hier nicht. Das ist definitiv kein Urlaub für meine Crew-Mitglieder.“ So mancher Wissenschaftler sieht das allerdings skeptisch.

Wissenschaftler über „Ax-1“ ISS-Mission: „80 Prozent Privatvergnügen, 20 Prozent Wissenschaft“

Einige Wissenschaftler bezweifeln die wissenschaftliche Natur der Reise zur ISS:. „Ich würde sagen, zu mehr als 80 Prozent geht es bei der Mission um das Privatvergnügen der Teilnehmer, zu weniger als 20 Prozent geht es um Wissenschaft“, so der Experte Walter zur dpa. „An die wirklich wichtigen Experimente wird man die Axiom-Teilnehmer nicht ranlassen.“

Die von den Axiom-Fliegern geplanten Experimente seien eher als eine Art „Feigenblatt“ anzusehen, sagte Walter, betonte aber auch: „Ich meine das gar nicht herabwürdigend. Ich bin ein Fan von Weltraumtourismus. Damit kann man zeigen, dass an sich viele Menschen in der Lage wären, ins All zu fliegen.“ Pro Person kostete der Ausflug zur ISS die Teilnehmer 55 Millionen US-Dollar (etwa 50 Millionen Euro).

Die Internationale Raumstation (ISS)
Die Internationale Raumstation (ISS) in der Erdumlaufbahn. © picture alliance/dpa/Nasa

Axiom Space, SpaceX und NASA: So arbeiten die Unternehmen zusammen

Der ehemalige NASA-Programmdirektor für die Internationale Raumstation, Michael Suffedini, gründete Axiom Space im Jahr 2016. Auch der nun an der „Ax-1“-Mission teilnehmende Michael López-Alegría gehört zu den Angestellten des privaten Raumfahrtunternehmens mit Sitz im US-amerikanischen Houston in Texas.

Axiom Space hatte im Juni vergangenen Jahres bekannt gegeben, dass es einen Vertrag mit SpaceX über drei weitere „Dragon“-Flüge abgeschlossen hat, die komplett private Besatzungen zur Internationalen Raumstation fliegen sollen. Die „Ax-1“ war die erste der zunächst drei geplanten Missionen. Das Unternehmen selbst spricht von einer „wegweisenden Vereinbarung zwischen den Branchenführern in der bemannten Raumfahrt“. Elon Musks Firma SpaceX besitzt die von der Ax-1 verwendeten Raumschiffe – eine Falcon 9-Rakete und die Dragon Endeavour-Kapsel – doch die texanische Firma Axiom ist für die Expedition verantwortlich.

Axiom hatte zuvor eine umfassende Vereinbarung mit der NASA getroffen, die es ihr ermöglicht, private Astronautenmissionen zur ISS zu unternehmen. Der Administrator der Weltraumbehörde Bill Nelson nannte den Ax-1-Start „historisch“. Die Partnerschaft der NASA mit privaten Unternehmen zum Zwecke von kommerziellen Fracht- und Besatzungsprogramme habe die Vereinigten Staaten zu „dieser neuen Ära der bemannten Raumfahrt“ geführt, so Nelson weiter. Auch in anderer Hinsicht könnte bald eine neue Ära beginnen: Aufgrund der Sanktionen gegen Russland wegen des Ukraine-Konflikts gab Dmitri Rogosin, Chef der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos, kürzlich an, möglicherweise die Zusammenarbeit rund um die Internationale Raumstation einzustellen. (bm/dpa)

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