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Ehrlich, geradlinig, verlässlich: So definiert Kabarettist Stephan Zinner den Mann von heute.

Zinner im Merkur-Interview

Zum Weltmännertag: "Ein Mann muss auch hinlangen können"

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München - Der Tag gerät fast ein wenig in Vergessenheit. Am heutigen Dienstag ist Weltmännertag. Der "Münchner Merkur" hat dafür den Kabarettisten Stephan Zinner interviewt.

Am Dienstag dem 3. November ist ein Tag, den kaum ein Mensch auf dem Schirm hat. Denn da ist Weltmännertag. Auch Kabarettist Stephan Zinner, 40, wusste bis gestern nichts davon. Dabei ist er Mann und Oberbayer zugleich – Gott meinte es also besonders gut mit ihm. Ein Gespräch über Schafkopfen, den Mann an der Waschmaschine und den Kampf mit einem Hartgummihammer.

Herr Zinner, Ihre Hobbys sind essen, trinken, Fußball schauen. Männlicher geht’s kaum.

Stephan Zinner: Ja, ich weiß, das ist ziemlich klassisch und nicht sehr einfallsreich, aber es ist so. Man sieht’s ja auch – rein figürlich bin ich keine Gazelle.

Viele sehen den Mann in der Krise, weil er seine traditionelle Rolle eingebüßt hat. Fühlen Sie sich auch krisengeschüttelt?

Zinner: Schmarrn, das ist eine konstruierte Diskussion. Meine Frau ist Ärztin und wir teilen uns die Aufgaben schon immer auf: kochen, putzen, einkaufen. Deshalb fühle ich mich nicht weniger männlich. Andersherum wäre es auch ziemlich old-school, wenn die Damen nur hinterm Herd stehen müssten.

Gibt’s etwas, das Sie daheim nie machen würden, weil’s der männliche Stolz verbietet?

Zinner:Es gibt was, das ich nicht machen darf: waschen. Aber das hat eher mit meinen Fehlversuchen zu tun. Unsere Kleidung hat schon sehr gelitten.

Weltmännertag: Das macht den bayerischen Mann von heute aus

Was glauben Sie als Oberbayer: Was macht den bayerischen Mann von heute aus?

Zinner:Naja, ich weiß nicht, ob der bayerische Mann da anders tickt als der hessische. Was ich cool finde, ist eine gewisse Ehrlichkeit und Geradlinigkeit. Der Mann muss einer sein, auf den man sich verlassen kann, der auch mal hinlangen kann, wenn’s was gibt. Und der nicht gleich zusammenbricht, wenn er beim Umzug einen Schrank heben muss. Als Mann musst Du aber auch kochen und die Kinder versorgen können, ohne dass Dir gleich ein Zacken aus der Krone bricht.

Und die klassischen bayerischen Tugenden?

Zinner:Sie meinen Trinkfestigkeit? Muss nicht sein. Ich habe einen Freund, der trinkt nix und ist trotzdem sehr, sehr männlich. Ich kann zum Beispiel nicht gut Schafkopfen, ich kann nur Wattn. Das ist eine der Schwächen, die mein Vater mir vorwirft.

Was ist das Männlichste, das Sie in Ihrem Leben getan haben?

Zinner:Ich habe kürzlich an der Hütte eines Freundes einen Zaun gesetzt, mit Stacheldraht und so einem unglaublich schweren Hartgummihammer. Danach habe ich zwei Tage lang meine Gitarristenfinger nicht mehr richtig bewegen können. Gott sei dank hatte ich kein Konzert. Aber der Zaun war irgendwann fertig und die Kühe waren draußen. Und ich fühlte mich in diesem Moment sehr männlich.

Weltmännertag: Die nächste Generation?

Sie haben einen Sohn. Wie erklären Sie dem, was männlich ist?

Zinner: Da erkläre ich gar nix, weil wenn man einem 15-Jährigen was erklärt, nimmt er’s erst recht nicht wahr. Man muss das vorleben, was ich vorhin gesagt habe. Die Söhne nehmen das auf, geben nicht zu, dass sie es tun, aber es prägt sie doch. Und dann hoffe ich, dass die guten Seiten etwas abfärben. Es wäre schon gut, wenn das so funktioniert.

Sie geben seit Jahren am Nockherberg den Söder. Ist der in seiner ganzen Alphatierhaftigkeit das Auslaufmodell des Mannes?

Zinner: Das Glaube ich nicht. Gerade in dieser Politik-Ecke wird es solche Leute immer geben. Die, die sich so durchdonnern, sind schon auch willkommen. Und es funktioniert ja auch.

Männer gehen nicht gerne zum Arzt und sie sterben früher. Um das zu ändern, wurde der Weltmännertag erfunden. Wie sieht’s da bei Ihnen aus?

Zinner: Ich habe die Ärztin zu Hause und kriege meine Leberwerte von ihr quasi täglich vorgetragen. Tatsächlich gehe ich nicht gerne zum Arzt. Und die Erinnerung daran, dass man sich gesünder ernährt und ein bisschen Sport macht, ist ja sicher nicht schlecht. Zur Feier des Tages kaufe ich mir morgen eine Kiste Bier.

Interview: Marcus Mäckler

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