"Es war wie der Weltuntergang"

Chengdu/Stockdorf - Fünf Tage nach dem verheerenden Erdbeben in China ist der Stockdorfer Ingenieur und Reiseleiter Bogdan Brakus gerettet worden. Er hatte die Tage in einem abgelegenen Dorf verbracht und war von den Bewohnern versorgt worden.

Fünf Tage war Bogdan Drakus verschollen. Fünf Tage saß seine Familie daheim in Stockdorf bei München und wartete vergeblich auf ein Lebenszeichen des Mannes, der mit einem Freund auf Bergtour in China war. Dann kam am Samstag der erlösende Anruf: Bogdan Brakus lebt. "Mir geht es gut, mit mir ist alles in Ordnung", sagt der 62-Jährige. Das erste, was der Stockdorfer nach seiner Rettung tat, war, seine Frau Barbara anzurufen: "Als sie meine Stimme hörte, weinte sie", so Brakus.

Der Deutsche, der nach dem Erdbeben in Südwestchina fünf Tage lang in einem kleinen Dorf von der Außenwelt abgeschnitten war, hat die Erdstöße im Epizentrum wie einen Weltuntergang beschrieben. Nach seiner Rettung am Samstag sagte der 62-Jährige: "Als Bergsteiger bin ich schon in viele gefährliche Situationen geraten, aber niemals in ein solches Erdbeben." Der Ingenieur aus Stockdorf ist schon seit 1979 als Reiseleiter für Hauser-Expeditionen in München tätig.

Mit seinem Übersetzer und Fahrer fuhr der Mann gerade über eine Brücke im Landkreis Wenchuan, als Erdstöße der Stärke 7,9 den Boden erbeben ließen. Steine seien herabgefallen, dann folgte viel Staub. "Alles begann sich zu bewegen", sagte der Mann. "Es war die Hölle, wie eine Atombombe, wie im Film, wie der Weltuntergang."

Zehn Minuten später sei es ruhiger geworden. Weiter vorn hätten sie das Dorf Taoguan entdeckt, nachdem sich der Staubnebel gelichtet hatte. Einige Gebäude auf einem Industriegelände seien stark zerstört gewesen. In den fünf Tagen hätten die Dorfbewohner ihn und seine Begleiter mit Nahrung und Wasser versorgt. Nachts hätten sie im Auto geschlafen. "Diese Menschen sind sehr, sehr hilfreich gewesen." Er habe sich angesichts der Trauer der Dorfbewohner über die Getöteten sehr hilflos gefühlt. Bei seinem Abschied aus dem Dorf versprach der 62-Jährige, der schon zehnmal in China war, eines Tages wiederzukommen. "Ich war so gerührt von diesen Menschen. Sie waren so gutherzig, so offen, so freundlich."

Nach zwei Tagen seien Soldaten gekommen und hätten Nahrung und Wasser mitgebracht. "Es war gefährlich für die Truppen, die hier ankamen, während es Nachbeben gab und weiter Erdrutsche herunterkamen." Erst am Samstag konnten er und seine Begleiter in ein Notaufnahmelager am Sitz der Kreisregierung von Wenchuan gebracht werden. In den Tagen nach dem Beben hatten seine Frau und der Sohn verzweifelt versucht, ihn über Freunde mit Kontakt nach China ausfindig zu machen. "Ich bin überglücklich endlich zu wissen, was mit meinem Mann ist. Jetzt hoffe ich nur noch, dass er bald nach Hause kommt", sagte Barbara Lapenna-Brakus gegenüber unserer Zeitung.

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