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Im vergangenen Jahr wurden 22 391 Patienten im Alter von 10 bis 19 Jahren wegen akuten Alkoholmissbrauchs stationär behandelt. Foto: Jens Büttner/Illustration

Weniger jugendliche Komatrinker

Ob Mixgetränk, Schnaps oder Bier - auch 2014 kamen Tausende Kinder und Jugendliche nach Alkoholexzessen ins Krankenhaus. Die Zahl der Komatrinker sinkt zwar, liegt aber immer noch auf hohem Niveau. Bei älteren Menschen gibt es in einigen Altersgruppen gar eine Zunahme.

Wiesbaden (dpa) - In Deutschland sinkt die Zahl der in Krankenhäusern behandelten jugendlichen Komatrinker zwar weiter, Experten sehen darin aber noch keinen Grund zum Freude.

Im vergangenen Jahr wurden bundesweit 22 391 Patienten im Alter von 10 bis 19 Jahren wegen akuten Alkoholmissbrauchs stationär behandelt, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte. Das waren absolut 3,8 Prozent weniger als im Vorjahr.

Schon 2013 hatte es einen Rückgang gegeben, der fiel seinerzeit mit minus 12,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr aber deutlich größer aus. Die aktuellen Werte liegen nach wie vor deutlich über denen vergangener Jahre. 2000 etwa waren lediglich 9514 Komasäufer in dieser Altersgruppe in Krankenhäusern stationär aufgenommen worden.

"Der Rückgang ist sehr wichtig, aber die Zahlen sind noch immer erschreckend hoch", sagte die stellvertretende Geschäftsführerin der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) in Hamm, Gabriele Bartsch. "Das Problem ist nicht ansatzweise gelöst." Bedenklich sei auch, dass bei Älteren die Zahl der Klinikaufenthalte nach Alkoholexzessen zwar absolut geringer sei als bei Jugendlichen, sie dort aber 2014 gestiegen sei - etwa bei den über 60-Jährigen.

Die Zahlen bestätigten die positive Entwicklung zu weniger Rauschtrinken bei jungen Menschen, sagte die Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in Köln, Heidrun Thaiss. Kampagnen, die für Risiken des Trinkens sensibilisierten, seien Bausteine, die letztlich zu weniger Alkoholvergiftungen führten, die eine Krankenhausbehandlung erforderlich machten.

Nichtsdestotrotz würden die Folgen des Alkoholkonsums noch immer unterschätzt, sagte Thaiss. Dies zeige sich an steigenden Zahlen stationär aufgenommener Trinker unter Erwachsenen. "Die Zahl der wegen einer Alkoholintoxikation behandelten Erwachsenen ist immer noch zu hoch."

Bartsch von der DHS betonte, die wirksamsten Ansätze der Prävention würden in Deutschland nicht praktiziert - etwa die Preisgestaltung und die Verfügbarkeit. Nach oben getrieben werde der Alkoholkonsum von den vergleichsweise niedrigen Steuern für alkoholische Getränke und der Tatsache, dass Alkoholika rund um die Uhr gekauft werden könnten.

Jungen und junge Männer trinken nach wie vor häufiger exzessiv als ihre weiblichen Altersgenossen. Bei ersteren sank die Zahl der Alkoholexzesse, die in Kliniken endeten, 2014 um 3,5 Prozent auf 324 Fälle je 100 000 Einwohner. Bei Mädchen und jungen Frauen verringerte sich der Wert um 3,3 Prozent auf 244 Fälle je 100 000 Einwohner. 70 Prozent der wegen Alkohols stationär behandelten jungen Menschen war den Angaben zufolge noch keine 18 Jahre alt.

Insgesamt kamen den Statistikern zufolge 2014 bundesweit 118 562 (Vorjahr: 116 503) Menschen wegen akuten Alkoholmissbrauchs in Kliniken - rund 70 Prozent davon waren Männer. Psychische Störungen und Verhaltensstörungen aufgrund von Alkohol machten mit 340 500 Fällen die zweithäufigste Ursache für einen Krankenhausaufenthalt aus. In diese Gruppe fallen auch die Fälle akuten Alkoholmissbrauchs. Davor lag bei den Gründen für eine stationäre Aufnahme nur die Herzinsuffizienz (432 893 Fälle).

Mitteilung Statistisches Bundesamt

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