"Wir sind fresh, wir sind sexy!"

Werbe-Song der Berliner Polizei wird zu PR-Debakel 

  • schließen

Berlin - Wer mit ungewöhnlichen Mitteln für Nachwuchs wirbt, blamiert sich dabei nicht selten. Jetzt wurde ein Song der Berliner Polizei kein "Griff nach den Sternen" sondern ein Griff ins Klo.

In ihrer Freizeit haben zwei Berliner Polizisten das Lied "Herzlich willkommen" geschrieben - und wenn man sich das Ergebnis so anhört, muss man sagen: Die Entscheidung gegen die Karriere als Profi-Musiker war in ihrem Fall goldrichtig. "Herzlich willkommen. Bienvenue. Hos geldiniz. Yeah, bewirb dich jetzt!" sprechsingen die beiden Möchtegern-Rapper in Uniform darin, und behaupten nichts weniger als: "Wir sind fresh, wir sind sexy!"

Wie mit dem Schlagstock wird in den billigen Euro-Beat der Text geprügelt, in dem es heißt: "Glaub mir, wenn ich sage, dass der Job 'ne Menge Spaß macht. Du gibst den Menschen etwas und bekommst es doppelt zurück und das ist unbezahlbar." Versmaß? Reime? Fehlanzeige! Dafür schrillt laut der Fremdschäm-Alarm.

Informationen etwa über die Bezahlung des "unbezahlbaren Jobs" fehlen ebenso wie der Versuch, das Berufsbild des Polizisten zu beschreiben. Die uniformierten Freunde und Helfer sehen sich zudem offensichtlich als moderne Musketiere, denn auch deren Motto "Alle für einen, einer für alle" muss herhalten, um dem potenziellen Nachwuchs den Polizeidienst schmackhaft zu machen. Zu alldem säuselt eine laszive Frauenstimme: "Der Polizist, einfach unglaublich!"

Hören Sie hier - auf eigene Gefahr - "Herzlich willkommen"

Unglaublich findet vor allem die Online-Gemeinde das Lied, das die Berliner Polizei am Freitag auf ihre Facebook-Seite stellte, auf der sich immerhin mehr als 31.000 Fans tummeln. Die Kommentare sind ziemlich vernichtend: "Peinlich und abschreckend" lautet ein Resümee. "Damit macht man sich wirklich nur lächerlich", meint ein User, ein anderer kritisiert das "hingehurtzte Genuschel", ein dritter vergleicht die Aktion hämisch mit der letztjährigen PR-Panne der Bundeswehr. "Dafür kommt man also nicht ins Gefängnis?", wird gewitzelt.

Das Lied solle vor allem junge Leute ansprechen und neugierig auf den Beruf machen, so die offizielle Erklärung der Polizei, denn ohne Werbung könne man überhaupt nicht dessen "Attraktivität gezielt darstellen".

Die Polizei lässt nun bis zum 20. April im Internet mutig über die Eignung des opus magnum als Werbesong abstimmen und drohte: "Wenn das Lied bei Ihnen gut ankommt, wird ein Musikvideo dazu produziert.“ Dass sich vor zwei Jahren die Polizei in Nordrhein-Westfalen mit ihrem Rap-Video zur Lachnummer gemacht hat, scheint in Berlin keiner mitbekommen zu haben.

Immerhin: Werbung soll ja Aufmerksamkeit erregen, und dieses Ziel hat die Berliner Polizei erreicht. 2000-mal wurde der Post bereits in wenigen Stunden auf Facebook geteilt.

hn

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa (Symbolbild)

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Frau verliert ihr Gedächtnis - dann wird es wunderbar romantisch
Billericay - Jessica Sharman verlor ihr Gedächtnis und damit auch die Erinnerungen an ihren Freund. Was dann passierte, dürfte jedem Romantiker ans Herz gehen.
Frau verliert ihr Gedächtnis - dann wird es wunderbar romantisch
Austern und Anchovis schätzen wärmere Nordsee
Die Nordsee wird wärmer. Der Klimawandel lässt die Temperaturen steigen. Das lockt viele neue Arten an.
Austern und Anchovis schätzen wärmere Nordsee
15.000-Volt-Leitung stürzt auf ICE
Hamburg - Schreck im Hamburger Hauptbahnhof: Eine Oberleitung reißt und stürzt auf einen einfahrenden Zug. Hunderte Fahrgäste sitzen stundenlang fest.
15.000-Volt-Leitung stürzt auf ICE
Kim Dotcom darf an die USA ausgeliefert werden
Auckland - Der deutsche Internetunternehmer Kim Dotcom darf in die USA ausgeliefert werden. Das entschied ein Gericht in Neuseeland am Montag.
Kim Dotcom darf an die USA ausgeliefert werden

Kommentare