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Wetter in Deutschland: Experte erklärt kältesten April seit 30 Jahren - und dämpft Mai-Hoffnungen

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Von: Claudia Möllers

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Winterwetter im April: Durch eine schneebedeckte Landschaft im bayerischen Schwangau fließt die Pöllat durch die Pöllatschlucht.
Winterwetter im April 2021: Eine schneebedeckte Landschaft im bayerischen Schwangau. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Der Winter zieht sich 2021 ungewöhnlich lang hin - und ein Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes warnt: Auch der Mai könnte kühl werden.

Offenbach - Frühlingshaft war dieser April wahrlich nicht. Er wird als frostigster April seit 30 Jahren in die Wettergeschichte einkehren. Wir sprachen darüber mit Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst (DWD).

Dieser April lehrt uns das Frösteln, Herr Friedrich.

Er wird sicher in die Geschichtsbücher eingehen. Wir hatten in den letzten drei Jahren drei extrem milde Aprilmonate, deutlich über dem vieljährigen Mittel. Das Jahr 2018 stach da noch heraus, denn dieser Monat hatte eine Mitteltemperatur von 12,3 Grad und war der wärmste April seit Beginn regelmäßiger Wetteraufzeichnungen 1881. Dieses Jahr sind wir seit vielen Jahren mal wieder zurückgefallen in einen zu kalten April. Wir sind zwar noch nicht ganz am Ende, aber mit Zwischenstand vom Montag haben wir eine Durchschnittstemperatur in Deutschland von 5,9 Grad und liegen damit deutlich unter dem vieljährigen Mittel.

Wo liegt das?

Bei Klimaänderungsfragen betrachten wir immer einen Referenzzeitraum, auf den sich das „zu kalt“ und „zu warm“ bezieht. Das ist der Zeitraum von 1961 bis 1990. Danach ist deutschlandweit das Mittel bei 7,4 Grad. Das wäre ein normaler April. Und jetzt liegen wir bei 5,9. Das kann sich noch um ein, zwei Zehntel ändern. Es sieht also so aus, dass der April 2021 mehr als ein Grad kälter ausfällt als der Sollwert. Und da muss man schon weit zurückschauen: Wir haben den letzten „zu kalten April“ im Jahr 2001 erlebt. Seit 20 Jahren war jeder April wärmer als der „Normalwert“ aus dem Referenzzeitraum.

Wann war es zuletzt kälter als in diesem April?

Da muss ich noch weiter zurückschauen. Seit über 30 Jahren war es im April nicht mehr so kalt wie dieses Jahr. 1980 waren es 6 Grad, ich gehe davon aus, dass wir dieses Jahr knapp über 6 Grad liegen werden. Also haben wir den kältesten April seit 1980. Das ist außergewöhnlich.

Woran liegt das?

Es liegt an der Großwetterlage, der großförmigen Strömung über Europa. Da lagen wir wiederholt in einer nördlichen Luftströmung, mit der Luft aus polaren Breiten nach Deutschland strömen konnte. Die ist sehr kalt. Da hilft selbst die Sonne der letzten Tage nichts. Viele Menschen frieren: Das liegt daran, dass die Luft aus der Arktis stammt. Dadurch ist es viel zu kalt für die Jahreszeit, die Luft kann sich durch den Sonnenschein nicht mehr erwärmen als auf 10 bis 15 Grad. Diese Wetterlage ist sehr beständig und hat dazu geführt, dass wir gefühlt seit Ostern dieses zu kalte Wetter haben.

Es gab ja auch viel Schnee.

Mit dieser kalten Luft kamen immer wieder feuchte Luftmassen zu uns über das Nordmeer und die Nordsee. Da können die Niederschläge zum Teil bis in die Niederungen als Schnee fallen. Die Alpen stehen wie eine Barriere den Kaltluftmassen im Weg, da staut sich die feuchte Luft und schneit sich richtig ab.

Eigentlich wird es doch durch den Klimawandel wärmer?

Dieser Trend, den wir beim Klima feststellen, bezieht sich immer auf 30-jährige Mittelwerte. Da sehen wir, dass der April deutlich wärmer wird. Das heißt aber nicht, dass jedes Jahr diesem allgemeinen Trend folgt. Es gibt Schwankungen und das erleben wir gerade. Es kann immer wieder passieren, dass ein zu kalter Monat auftritt. Aber das widerspricht nicht der Klimaerwärmung.

Was war die tiefste, was die höchste Temperatur?

Der tiefste Wert war am 6. April mit minus 21,9 Grad auf der Zugspitze und minus 10,5 Grad in Oberstdorf am 9. April. Der höchste Wert war am 1. April lag bei 25,9 Grad in Müllheim südlich von Freiburg. In der Woche vor Ostern hatten wir ja schon den Sommer ausgerufen mit 27 Grad am 31. März. Noch nie war es an einem 31. März so warm in Deutschland.

Dürfen wir uns jetzt auf einen sonnigen Mai freuen?

Wir können immer nur für sieben bis zehn Tage vorhersagen. Und danach sieht es so aus, dass auch der Mai unterkühlt startet. Es kann auch wieder Nachtfröste geben.

Ein Meteorologe weiß: Schon im Mai kommt es zumindest kurzfristig zu einem Hitzehammer.

Interview: Claudia Möllers

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