„Fake-Regen“ per Elektroschock

Dubai betreibt Wetter-Manipulation: „Wolken-Impfung“ im Kampf gegen die Hitze

  • Patrick Freiwah
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Hitze, Trockenheit und der enorme Wasserverbrauch machen Dubai zu schaffen. In dem Wüstenstaat wird künstlich Regen erzeugt, was nun offenbar zu massiven Wolkenbrüchen führte.

Dubai/Reading - Die Vereinigten Arabischen Emirate haben speziell in den Sommermonaten mit großer Hitze und enormer Luftfeuchtigkeit zu kämpfen - Temperaturen zwischen 40 und 50 Grad sind die Regel. Im beliebten Tourismus-Hotspot Dubai kommt als weitere Problematik der hohe Wasserverbrauch hinzu: Denn über drei Millionen Einwohner, zahlreiche Urlauber, Hotelpools und weitere Bestandteile der Infrastruktur müssen mit Trinkwasser versorgt werden.

Mit natürlichen Mitteln in Form von Niederschlägen kann Dubai dieses Pensum nicht stemmen: Der Grundwasserspiegel der gesamten Emirate sinkt kontinuierlich und bedroht den Wohlstand der Menschen. In Dubai regnet es pro Jahr im Schnitt 70 Liter pro Quadratmeter - das ist statistisch etwa ein Zehntel der in Deutschland ermittelten Menge. Dabei mangelt es dem Wüstenstaat jedoch nicht an Wolken: Vielmehr sorgt die große Hitze dafür, dass Regentropfen verdunsten, ehe sie auf dem Boden sind.

Wetter in Dubai: Künstlicher Regen mit Drohnen und Elektroschocks

Schon seit einigen Jahren bemühen sich die Emirate um Lösungen der strapaziösen Klimasituation und setzen dabei auch auf die Expertise von renommierten Forschungseinrichtungen im Ausland. Ein Projekt zur Regenbildung entstammt eines Förderungsprojekts der University of Reading aus Großbritannien: per Elektroschock künstlich Regen erzeugen.

Schon seit 2017 wird in Dubai, der größten Stadt der VAE, auf "Cloud-Seeding"-Technologie gesetzt. Im Zuge dessen werden mit Flugzeugen Chemikalien wie Silberjodid in die Wolken geschossen, wodurch die Bildung von größeren Regentropfen forciert wird ("Wolkenkondensation") - sodass mehr Niederschläge kommen. Nun jedoch - und das ist die jüngste Entwicklung - werden Wolken über Dubai mit Elektrizität manipuliert.

Bedrohliche Wolken am persischen Golf vor Dubai. Doch bislang regnet es in den Emiraten selten.

Wie Professor Maarten H. P. Ambaum von der Universität Reading der Bild erklärte, bestand die Arbeit darin, "die Rolle von elektrischer Ladung in Regen-Formationen zu prüfen." Konkret wird die Trockenheit in Dubai mit Drohnen und Elektroschocks bekämpft: Die Wassertropfen in den Wolken werden mit Stromstößen aufgeladen, was eine Verschmelzung bewirken soll. Die größeren, schwereren Regentropfen fallen dann leichter vom Himmel und bescheren den Erdenbürgern Regen- und Trinkwasser.

Dubai: Wetter-Manipulation zeigt Wirkung - und das natürliche Gleichgewicht?

Auf beeindruckende Weise erfüllte sich diese Prophezeiung bereits vor wenigen Tagen: Das Wüstengebiet in und um Dubai wurde von massiven Regenschauern heimgesucht, die offenbar aus manipulierten Wolkenbrüchen resultierten. Hierbei handelte es sich Berichten zufolge tatsächlich um „Fake-Regen“:

Wie Gulf Today schildert, seien im Rahmen der Wetter-Versuche seit Jahresbeginn 126 Drohnenflüge mit dem Ziel der Wolkenimpfung („Cloud Seeding“) durchgeführt worden. Bevor Dubai von Starkregen heimgesucht wurde, waren es demnach 14 Flüge, bei denen Drohnen per Elektroschock die Niederschläge erzwungen hätten. Auch die Temperaturen seien zwischenzeitlich merklich abgekühlt. Impressionen veröffentlichte der regionale Wetterdienst in den sozialen Netzwerken:

Wenn mit „Cloud Seeding“ derart in die meteorologische Entwicklung eingegriffen wird, stellt sich die Frage nach bedrohlichen Auswirkungen auf das natürliche Gleichgewicht. Wird durch die moderne Technologie auch Gefahr erzeugt? Dazu erklärt Professor Ambaum von der Universität Reading: „Solche Fragen kann man nicht mit Ja oder Nein beantworten. Es ist ein komplexes Problem mit vielen subtilen Blickwinkeln, für die ich aber kein Experte bin.“

Eine Rekordhitze erlebte kürzlich das zweitkälteste Land der Erde. Mit Temperaturen über 46 Grad glühte es „wie in der Wüste“. (Pf)

Rubriklistenbild: © Frank Sorge/Imago-Images

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