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Die Wetterlagen in Deutschland könnten intensiver werden - das gilt sowohl für Hitze wie für lokale Unwetter. Foto: Matthias Hiekel

Wetter im Klimawandel: Mehr Hitzetage, mehr Starkregen

Hitzewellen und Gewitter hielten in diesem Sommer das Land in Atem. Weinreben und Waldbäume sind im Trockenstress. Müssen wir uns dauerhaft darauf einstellen?

Frankfurt/Main (dpa) - Über 40 Grad Hitze, wochenlange Dürre, Unwetter mit Regen-Sturzfluten - im Sommer 2015 hat Deutschland all das erlebt. Sieht so der Klimawandel aus? "Es passt ins Bild", sagt Peter Hoffmann vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK).

Wetterlagen könnten intensiver werden, das gelte für Hitze wie für lokale Unwetter. Es werde künftig mehr Tage ohne Regen und zugleich öfter extreme Niederschläge auf engem Raum geben. "Auf beide Extreme sollten wir uns künftig einstellen."

Seit Jahren wird im hessischen Rheingau mit seinen berühmten Riesling-Weinbaulagen ein Temperaturanstieg gemessen. Die Reben treiben früher aus, auch die Lese im Herbst beginnt früher, wie aus Jahrzehnte alten Aufzeichnungen des Weinbauamts Eltville und der Außenstelle Geisenheim des Deutschen Wetterdienstes (DWD) hervorgeht. Der Austrieb der Reben beginnt danach inzwischen rund zehn Tage früher als vor 60 Jahren. Mit der Riesling-Ernte wird jetzt schon Ende September begonnen, drei Wochen früher als noch in den 1950er Jahren.

Zugleich werden die Sommer im Rheingau immer trockener. Für die Reben bedeutet das Stress - mit quantitativen und möglicherweise auch qualitativen Einbußen.

Wochenlange Trockenheit traf in diesem Jahr nach Angaben des DWD vor allem die Mitte Deutschlands. In Südhessen, Teilen von Nordbayern, Sachsen bis ins südliche Brandenburg sei der Boden Mitte August so trocken gewesen wie seit 50 Jahren nicht. In den betroffenen Regionen waren die obersten 30 bis 60 Zentimeter vollkommen ausgetrocknet.

Besonders schlimm war es im Rhein-Main-Gebiet. Grünflächen verdorrten, Bäume warfen mitten im Sommer Blätter und Nadeln ab. "Schon Anfang August haben viele Bäume auf Herbst-Modus umgeschaltet", sagt Michael Gerst, Chef des Landesbetriebs Hessen-Forst. Normalerweise verfärbten sich die Blätter von innen nach außen, jetzt sei es umgekehrt - "ein Zeichen für Trockenstress". Einzelne Bäume seien abgestorben, jeder dritte im Frühjahr gepflanzte junge Baum drohe zu vertrocknen.

Bei manchen Bäumen werde erst im kommenden Frühjahr zu erkennen sein, ob er Schaden genommen habe und nicht mehr oder nur spärlich austreibe, sagt Gerst. Einen einzelnen extremen Sommer verkrafte der Wald normalerweise. Aber dort, wo es seit Jahren Probleme etwa mit dem Grundwasser gebe wie in Südhessen, litten die Bäume jetzt dramatisch.

Vielleicht gibt es künftig häufiger solche Sommer. Die Großwetterlagen änderten sich, sagt Klimaforscher Hoffmann. Es werde voraussichtlich weniger Westwindlagen geben - diese Lagen bringen das bei vielen Menschen unbeliebte kühle Schauerwetter. In diesem Sommer hatte es etliche Male Südwestlagen mit dem Zustrom heißer Luft aus der Sahara gegeben. Gleich zwei Mal war im bayerischen Kitzingen der neue Rekord von 40,3 Grad gemessen worden. "Diese Lagen werden sich wohl häufen", sagt Hoffmann.

Über das ganze Jahr gesehen bleibe die Niederschlagsmenge zwar gleich, aber die Verteilung werde sich ändern. Heiße Luft kann nach Angaben der Meteorologen mehr Wasser aufnehmen, und sie ist energiegeladen. Kommt es dann zu Gewittern, gibt es lokal den Starkregen, vor dem der Deutsche Wetterdienst in diesem Sommer häufig gewarnt hat.

Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

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