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Wasserkrise: Italien lässt 42 Prozent seines „Oro blu“ einfach versickern

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Von: Yasina Hipp

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In Italien ist Wasser zu einem kostbaren Gut geworden. Aber nicht nur steigende Temperaturen und der Klimawandel sind schuld an der Trockenheit des Landes.

Rom - Die Sonne brutzelt vom wolkenlosen Himmel, der Asphalt der Straßen glüht und der Schweiß rinnt aus allen Poren. Da kommt ein kleiner Brunnen für eine Abkühlung wie gerufen. Doch, aus dem Brunnen perlen nur noch vereinzelt ein paar Wassertöpfchen. Dieses Horror-Szenario eines heißen Sommertages ist im norditalienischen Mailand bereits zur bitteren Realität geworden, weitere Städte könnten folgen.

In Mailand laufen nur noch die Brunnen, die für das Überleben von Flora und Fauna wichtig sind, in Rom sollen an den kleinen Trinkfontänen Drehhähne angebracht werden, sodass das Wasser nicht die ganze Zeit plätschert. Das Abschalten der Brunnen soll aber nicht einzige Maßnahme zum Wasser sparen bleiben: sogar an Friseure müssen sich einschränken.

Italien muss aktuell eine enorme Hitzewelle ertragen, und das schon recht früh im Jahr. Hinzu kommt, dass das Land in einer regelrechten Wasserkrise steckt. Aber warum ist das so?

Italien: Marodes Leitungsnetz verschlechtert die Situation

Dürre, Hitze, Brände und sogar eine Heuschreckenplage auf Sardinien: das beliebte Urlaubsland ist aktuell wirklich geplagt von Wetterextremen aller Art. Aber nicht nur der ausbleibende Regen und die durch den Klimawandel immer extremer werdende Trockenheit sind an der akuten Wasserkrise des Landes Schuld. Gründe dafür lassen sich unter anderem auch an anderer Stelle finden. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, ist das nationale Leitungsnetz sehr marode und dessen Bewirtschaftung durch einzelne Gemeinden schlecht organisiert. Jährlich würden deswegen ganze 42 Prozent des Wassers auf dem Weg in Haushalte oder die Wirtschaft einfach verschenkt werden, einer Studie des staatlichen Statistikamtes Istat zufolge.

Dass knapp die Hälfte des Wassers einfach irgendwo ungenutzt versickert, ist ja schon schlimm genug. Gleichzeitig gelingt es aber auch nicht, die Regenmengen aus dem Winter so aufzufangen und zu lagern, dass sie in den heißen Sommermonaten genutzt werden können. Aber, Besserung ist in Sicht: 900 Millionen Euro sind für eine Modernisierung des Netzes für nach der Corona-Pandemie vorgesehen. 25.000 Kilometer neue Leitungen sollen verlegt werden.

Italien: Gardasee Wasser abgeben, Behörden stellen sich dagegen

Bis durch die neuen Leitungen dann das „Oro blu“, das blaue Gold, fließt, dauert es allerdings noch. Bis dahin bleiben vertrocknete Felder, ausgedorrte Flussbetten und niedrige Wasserstände in den Seen wohl der gewohnte Anblick. Der Po im oberen Teil des Landes führt so wenig Wasser wie seit sieben Jahrzehnten nicht mehr. Angesichts des schwachen Flusses verdrängt das Salzwasser der Adria immer mehr das Süßwasser des Pos.

Um dem entgegenzuwirken, hätte die Verwaltungsbehörde der Region um den Gardasee, die Comunità del Garda, 20 bis 30 Kubikmeter pro Sekunde mehr Seewasser in den trockenen Fluss fließen lassen sollen. Aber die Comunità del Garda lehnte ab: Der Po bräuchte nämlich offenbar mindestens 500 Kubikmeter pro Sekunde, um sich zu erholen. Die geforderte Menge wäre demnach sprichwörtlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Mehr noch, würde die Wasserabgabe den Gardasee sogar unnötig gefährden. Die Wassersituation im beliebten Urlaubsland Italien bleibt also angespannt.

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