Saharastaub färbte in den vergangenen Tagen immer wieder den Himmel gelb.
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Saharastaub färbte in den vergangenen Tagen immer wieder den Himmel gelb.

Wetter-Phänomen

„Versetzt Menschen in Angst und Schrecken“: La Niña kann fatale Auswirkungen auf Deutschland haben

  • vonKim Schreiber
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Wetterphänomene wie El Niño und La Niña zeigen, dass sich diese nicht nur regional, sondern auch weltweit auf das Klima auswirken.

München – Das Klima. Ein Thema, welches heutzutage nur noch selten ohne das Wort „Wandel“ verwendet wird. Sei es die besorgniserregende Lage in Deutschlands Wäldern, ein ungewohnt warmer Februar oder das seit Jahren schon schneefreie Weihnachtsfest. Die klimatische Bedrohung ist ernst, jedoch können extreme Wetterbedingungen nicht immer mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht werden.

Der deutsche Wetterdienst beschreibt Wetterphänomene als beobachtbare Wettererscheinungen, die in der Atmosphäre oder auf der Erdoberfläche auftreten. Dazu zählen starke Winde, Gewitter oder ein Regenbogen. Auch „El Niño“ ist ein Wetterphänomen, dessen Name ursprünglich aus dem spanischen kommt und das Christkind bedeutet.

El Niño: Ein zugleich interessantes und gefürchtetes Wetterphänomen

„Dieses Phänomen versetzt viele Menschen in Angst und Schrecken“, sagt Meteorologe Georg Haas in dem neuen Podcast von wetter.com. Aber was genau ist „El Niño“ für ein Phänomen?

El Niño tritt ungefähr alle drei bis fünf Jahre aufgrund veränderter Meeresströmungen auf und sorgt in weiten Teilen der Erde für klimatische Extreme, oft verbunden mit katastrophalen Folgen, die sich weltweit bemerkbar machen. Laut Meteorologe Hartmut Mühlbauer reichen die Auswirkungen von extremen Dürren bis hin zu heftigen Überschwemmungen und machen das Ausmaß der intensiven Wechselwirkungen zischen Meer und Atmosphäre deutlich.

El Niño zeigt: „Das Wetter ist global vernetzt“

El Niño entsteht dann, wenn im südlichen Pazifik, im Gebiet zwischen Südamerika, Australien und Indonesien „Sand ins Getriebe kommt“, so Mühlbauer. Hier ist das Wasser ständig in Bewegung und funktioniert wie „ein großes Uhrwerk“. Normalerweise fließt der große Wasser-Strom vom Südpazifik aus in Richtung Äquator und von dort aus in Richtung Australien und wieder zurück. Diese 35.000 Kilometer lange Rundreise wird von einem beständigen Südostwind begleitet, der das Wasser antreibt und Südost-Passat genannt wird.

Auf seiner Reise entlang der Westküste Südamerikas, vorbei an den Küsten Chiles, Perus und in Richtung Ecuador erwärmt sich das Wasser immer mehr und gibt Feuchtigkeit an die Luft ab. Vor der Küste Indonesiens und Australiens kommt es dann zu einem Luftdruckabfall und damit zu einem kräftigen Tief, das viel Niederschlag bringt. Parallel bildet sich auf der anderen Seite des Pazifiks ein Dauerhoch und es regnet dort fast überhaupt nicht.

Bei dem Wetterphänomen El Niño passiert alles „verkehrt herum“

Werden diese durchschnittlichen Wetterverhältnisse nun ausgehebelt, hängt das mit schwächelnden Passatwinden zusammen. Der Wasserstrom wird nicht mehr richtig angetrieben, er bleibt irgendwann stehen und legt sogar „den Rückwärtsgang ein“. Die Folge: „Alles passiert verkehrt herum.“

Über Indonesien und Australien entsteht ein Hoch, während sich über Peru und Ecuador ein riesiges Tief bildet, das katastrophale Auswirkungen in Form von gewaltigen Niederschlägen und Überschwemmungen, aber auch Dürren und Waldbränden haben kann. Zudem erwärmt sich das Meer vor der südamerikanischen Westküste, ist somit deutlich weniger nährstoffreich und sorgt für Existenz-bedrohliche Einbußen bei den Fischern. Daher der Name „El Niño“, denn das Phänomen tritt in der Weihnachtszeit auf und sorgt für leere Fischer-Netze.

El Niño: Das Klimaphänomen sorgt weltweit für Auswirkungen

El Niño betrifft einen Großteil der Erdoberfläche. Die Zirkulations-Anomalien sind neben dem Pazifik auch im Süd-Atlantik und im Indischen Ozean zu spüren und wirken sich auf das Wetter in vielen Regionen aus. Der Effekt: ein gegensätzliches Wettergeschehen zu normalen Bedingungen. Auch in Europa hinterlässt El Niño seine Spuren, jedoch nicht so spürbar wie sein Pendant: La Niña.

La Niña: Das Pendant zu El Niño wirkt sich auf Deutschlands Wetter aus

La Niña findet meistens nach einem El Niño Phänomen statt. Dann verstärken sich die Passat-Winde rund um den Humboldtstrom und die Temperaturen des Wassers und auch die Luft darüber kühlen ab. Als Ausgleichsbewegung sorgt La Niña also für noch kältere Temperaturen und noch trockenere Phasen im Pazifik. In Kalifornien sorgt dieses Phänomen oft für verheerende Waldbrände. Auch spricht laut Hartmut Mühlbauer vieles dafür, dass eine sehr kalte Strömung aus dem Pazifik Auswirkungen auf das deutsche Wetter hat. „Das zeigt wie global das Wetter vernetzt ist“, so Meteorologe Mühlbauer.

2021: Sahara-Staub aus Westafrika in Deutschland

Das Jahr 2021 hat bereits exemplarisch gezeigt, wie global klimatische Phänomene vernetzt sind. Sahara-Staub aus Westafrika in Deutschland, Blutschnee und Hitzerekorde im Februar zeigen, dass das Wetter keine nationalen Grenzen kennt und sich über alles hinwegsetzt.

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