„Alarmstufe Rot“ ausgerufen

Vier Tote nach Jahrhundert-Schneechaos in Spanien: Nun droht weiterer Kälte-Einbruch

Kräftiger Schnee-Fall sorgt in weiten Teilen Spaniens für teils chaotische Zustände. In Madrid saßen Autofahrer über Stunden fest. Nun drohen zusätzliche Rekord-Temperaturen.

  • Das Wetter sorgt für teils chaotische Zustände in Spanien.
  • In Madrid wird von über 60 Zentimetern Neuschnee* berichtet.
  • Für die Nacht auf Dienstag werden neue Rekord-Temperaturen erwartet.

Update vom 11. Januar: Millionen Menschen in Zentralspanien droht nach den heftigsten Schneefällen seit mindestens 50 Jahren nun eine Kältewelle. Das Quecksilber könnte in den kommenden Nächten in Madrid auf bis zu minus zehn Grad fallen, in höher gelegenen Städten auch noch weit darunter. Kein Spaß in nur mäßig isolierten Wohnungen mit zugigen Fenstern. „Wir haben die Heizung voll aufgedreht, aber es ist trotzdem kalt“, beklagte ein Madrilene. Ein Nachbar hat sogar nur Heizlüfter und eine Wärmflasche. „Ich komme mir vor wie in einem Iglu“, erzählt er.

Während die weiße Pracht am Wochenende noch für ausgelassene Schneeballschlachten wie etwa an der berühmten Puerta del Sol im Herzen Madrids sorgte, wurden die Schneemassen am Beginn der Arbeitswoche für viele auch zu einem echten Ärgernis. Schulen mussten schließen, der Nachschub an Gemüse, Obst und Fleisch in Geschäften stockte. In einem Supermarkt des Stadtteils Vallecas wurde am Morgen plötzlich das gesamte Personal per Lautsprecherdurchsage auf die Straße beordert. „Der Lastwagen kam wegen des Schnees nicht an die Laderampe und die Obstladung musste per Hand entladen werden“, erzählte eine Anwohnerin.

Relativ kalte Winter sind in Madrid nicht ungewöhnlich. Die Stadt liegt rund 650 Meter über dem Meeresspiegel und mehr als 300 Kilometer vom Meer entfernt, hat also ein eher kontinentales Klima. Aber auf solche Schneemassen wie am Wochenende und für die angekündigte Kältewelle sind weder die Behörden noch die Menschen vorbereitet. Bisher starben landesweit vier Menschen. In der Hauptstadt Madrid sieht es mancherorts aus wie auf einem Schlachtfeld, berichtet costanachrichten.com*.

Die wenigen Menschen, die ihr Haus etwa für Einkäufe verließen, gingen auf den Fahrbahnen, auf denen ohnehin kaum Autos unterwegs waren. Stadtbusse verkehrten weiterhin nicht, nur die U-Bahn stand zur Verfügung. Fernzüge hatten ihren Betrieb schon am Sonntagnachmittag wieder aufgenommen, Vorortzüge sollten ab Montagnachmittag wieder rollen. Auch der internationale
Flughafen Barajas von Madrid war wieder geöffnet.

Jahrhundert-Schneechaos in Spanien: Vier Tote - Berichte von „dramatischer Nacht“ - es droht weiterer Kälte-Einbruch

Update vom 10. Januar, 09.08 Uhr: Spanien und besonders Madrid erleben aktuell das dramatischste Winter-Chaos seit 50 Jahren. Verantwortlich ist das Sturmtief „Filomena“, das das Land mit heftigem Schneefall teils komplett lahmlegte. Vier Menschen starben.

Auf den Ringautobahnen und Landstraßen in der Hauptstadtregion hielt der bis zu 60 Zentimeter hohe Schnee mehr als 1500 Menschen in Autos fest. Bei Temperaturen von bis zu minus fünf Grad konnten einige erst nach mehr als 24 Stunden befreit werden. „Ich hatte zum Glück genug Benzin und konnte immer wieder die Heizung meines Wagens anmachen. Bei einigen war der Tank bald leer“, erzählte eine Betroffene der Zeitung El País. Andere berichteten der Zeitung von einer „dramatischen Nacht“. Sie hätten weder Wasser noch Decken oder Lebensmittel bekommen.

Spanien trauerte am Sonntag um die Todesopfer: In Zarzalejo im Nordwesten der Region Madrid wurde ein 54-Jähriger tot geborgen, dessen Auto Schneemassen begraben hatten. Ein Obdachloser erfror in einem Park von Madrid. In Fuengirola in der südlichen Provinz Málaga starben ein Mann und eine Frau, als ihr Fahrzeug bei Überschwemmungen von Wassermassen mitgerissen wurde.

Die Behörden warnten, wegen der in den nächsten Tagen weiter sinkenden Temperaturen könnten sich auf Dächern liegende Schneemassen in schwere, gefährliche Eisblöcke verwandeln. In Madrid wurde für die Nacht auf Dienstag eine rekordverdächtige Kälte von minus 13 bis 14 Grad erwartet.

Jahrhundert-Schneechaos in Spanien: „Alarmstufe Rot“ ausgerufen - die Auswirkungen sind dramatisch

Update vom 9. Januar 2021, 15.40 Uhr: Auch am Samstag werden weite Teile Spaniens erneut von extremen Schneefällen heimgesucht, die das öffentliche Leben mitunter zum Runterfahren zwingen. Nachdem am Freitag bereits der Flughafen von Spaniens Hauptstadt Madrid, sowie diverse Zugstrecken aufgrund der über 60 Zentimeter Neuschnee schließen mussten, sind am Wochenende noch weitere Bereiche betroffen.

Wetter-Chaos in Spanien: Busverkehr und Müllabfuhr in Madrid eingestellt - neuer Temperaturrekord

So wurde in Madrid auch der öffentliche Busverkehr eingestellt. Ebenso die Müllabfuhr die wegen der enormen Schnee-Massen nicht ausrücken kann. Zuletzt wurden 1971 - vor genau 50 Jahren - vergleichbare Schneefälle in der spanischen Metropole verzeichnet. Bürgermeister José Luis Martinez-Almeida hat die Bevölkerung in einem Video auf Twitter dazu aufgefordert, dass Haus nicht zu verlassen. Denn auch am Samstag werden in weiten Teilen Spaniens erneut bis zu 20 Zentimeter Neuschnee erwartet.

Der nationale Wetterdienst rief für das Zentrum des Landes deshalb die „Alarmstufe Rot“ aus. Als Auslöser für das Wetter-Chaos gilt der Sturm „Filomena“, der jedoch am Sonntag nach Nordosten weiterziehen soll. Bereits am Mittwoch sorgte „Filomena“ auch für das Aufstellen eines neuen inoffiziellen Temperaturrekords. Auf einer privaten Wetterstation in 2000 Metern Höhe wurden demnach -34,1 Grad Celsius gemesen.

Schnee-Chaos in Spanien und Italien: Autofahrer sitzen teils „mehr als 15 Stunden“ fest

Erstmeldung vom 9. Januar 2021: Madrid/Bozen - Wegen eines Polarwirbel-Splits stehen auch in Deutschland extrem kalte Tage* und Nächte an. Doch in Südeuropa sorgt ein aktueller Wintereinbruch mit teils massiven Schneefällen für chaotische Zustände. In Madrid etwa fiel teils mehr als 60 Zentimeter Schnee.

Wetter-Chaos in Spanien: Madrid versinkt im Schnee

Das Sturmtief „Filomena“ hat in Madrid mit starken Schneefällen für viel Spaß, aber auch für Chaos und Angst gesorgt. Auf den Autobahnringen der spanischen Hauptstadt setzte eine mehr als 60 Zentimeter hohe Schneedecke viele Autofahrer fest, die die Nacht zum Teil in ihren Fahrzeugen verbringen mussten - und Samstagmittag immer noch zitternd auf Hilfe warteten. „Wir sitzen hier seit mehr als 15 Stunden fest, niemand hat uns Wasser, Decken oder Essen gebracht“, sagte Patricia Manzanares im telefonischen Interview im spanischen Fernsehen. Sie klagte: „Wir bekommen überhaupt keine Infos, und im Wagen neben uns ist auch ein drei oder vier Jahre altes Mädchen.“

Auch der größte Flughafen Spaniens in Madrid gab am Nachmittag die Einstellung des Betriebs für den ganzen Tag bekannt. Die Madrider S-Bahn stellte den Betrieb bis auf weiteres ein, die Eisenbahngesellschaft Renfe strich am Samstag viele Verbindungen. Zudem wurden mehrere Autobahnen und Landstraßen gesperrt. „Der Jahrhundertschnee legt Madrid lahm“, titelte die Zeitung ABC.

Schnee-Chaos in Madrid: Es könnte noch schlimmer kommen

Seit Freitagvormittag fielen in Madrid ununterbrochen dicke weiße Flocken vom Himmel. Der starke Schneefall sollte dort am Samstag erst gegen Mitternacht aufhören. Seit Freitagabend und noch bis Samstagabend galt in der Hauptstadt, aber auch in zehn von insgesamt 50 Provinzen des Landes die höchste Alarmstufe Rot.

In den Regionen, in denen es keinen Schnee gab, brachte „Filomena“ Unwetter*, starke Windböen, Dauerregen und hohe Wellen. Im ganzen Land waren am Samstag mehr als hundert Straßen und Autobahnen gesperrt.

Schnee sorgt auch in Italien für etliche Rettungseinsätze

Kräftige Schneefälle haben auch der Feuerwehr in Italien zahlreiche Einsätze beschert. Vor allem im Norden des Landes mussten die Rettungskräfte Straßen freiräumen und liegengebliebene Fahrzeuge wieder flottmachen, wie die Feuerwehr mitteilte. Der Schnee lastete auch auf den Dächern vieler verschneiter Orte in den Regionen Emilia Romagna und Lombardei. Im Dorf Sappada in der nordöstlichen Region Friaul-Julisch Venetien nahe der österreichischen Grenze mussten die Feuerwehrleute eine Kirche erklimmen, um die Schneemassen vom Dach des Gotteshauses zu schaufeln. Die Feuerwehr meldete insgesamt rund 200 Schnee-Einsätze aus den Regionen. (dpa/rjs) *Merkur.de und costanachrichten.com ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Meng Dingbo/dpa

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