Wetter in Deutschland

Minus 20 Grad! Kälte-Explosion - Polarwirbel-Split erwischt Deutschland

  • Martina Lippl
    vonMartina Lippl
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Schneestürme, heftiger Eisregen und jetzt auch noch klirrende Kälte! Ok, es ist noch Winter, doch Temperaturen bis minus 20 Grad sind extrem. Experten erklären das mit einem Wetterphänomen.

München - Unwetterartige Schneefälle* und nun Eiseskälte. Minus 20 Grad erwarten die Wetterexperten in den nächsten Tagen. Deutschland wird schockgefroren. Vor allem in der Mitte des Landes gehen die Temperaturen kräftig nach unten. Überall herrscht Frost. Ausnahme bleibt der Südwesten, teilt der Deutsche Wetterdienst (DWD) mit.

„Uns steht die kälteste Februarwoche seit 2012 bevor“, prognostiziert Diplom-Meteorologe Dominik Jung vom Wetterdienst Q.met. Überall dort, wo Neuschnee liegt, wird es bitterkalt. „Die Nacht zu Dienstag wird kalt. In zwei Metern Höhe werden bis zu minus 17 Grad erreicht, direkt über Schnee werden es bis zu minus 23 Grad.“

Wetter in Deutschland: Polarluft bringt extreme Kälte - „Russenpeitsche“

Polarluft dringt bis in den Süden vor, entsprechend erwartet uns verbreitet eine Dauerfrostwoche, die in den Nächten verbreitet auch strengen Frost zu bieten hat, so beschreibt der DWD die aktuelle Wetterlage in Deutschland. Kleiner Lichtblick: Insgesamt lassen die Schneefälle laut den Wetterexperten nach. Allerdings kann es zeit- und gebietsweise aber noch ein paar Flocken geben.

Extremkälte in Deutschland - Wetterphänomen Polarwirbel-Split

Die Ursache für die klirrende Kälte in Teilen Deutschlands ist ein Wetterphänomen, der sogenannte Polarwirbel-Split. Arktische Luft dringt dabei weiter als sonst in unsere Breiten vor. Das führt zu kräftigen Schneefällen, wie in den letzten Wochen in Spanien und nun auch bei uns. Jetzt breitet sich dazu eine klirrende Kälte in Deutschland aus.

Normalerweise befindet sich ein Kaltluftwirbel über dem Nordpol - daher auch der Name Polarwirbel. Der Polarwirbel befindet sich in etwa 10 bis 50 Kilometern Höhe - in der sogenannten Stratosphäre. Die Kaltluft bewegt sich kreisförmig über der Region.

Winde mit bis zu 250 Kilometern pro Stunde begrenzen den Polarwirbel. Sie bilden eine Barriere und wirken wie eine Mauer, verhindern das arktische Kaltluft in mittlere Breiten vordringt. Im Winter kommt es jedoch vor, dass warme Luft in den Wirbel eindringt. Der Polarwirbel wird dadurch geschwächt - verformt sich. Die Strömungsverhältnisse über dem Nordpol verändern sich komplett. Wenn sich der Polarwirbel sogar teilt und verlagert - ist das der Polarwirbel-Split.

Immer wieder kommt es zu so einem „Ausbruch“, erklärt Sprecher Deutschen Wetterdienstes Friedrich im Deutschlandfunk (Dlf). „Aber diesmal erwischt es uns voll“, so Friedrich.

Eisige Explosionen - Wetterphänomen Polarwirbel

Seit Mitte Dezember 2020 haben Wissenschaftler beobachtet, dass sich der Polarwirbel ungewöhnlich stark abschwächt. Eine Anomalie, die ESA-Forscher (ESA steht für European Space Agency) als schwerwiegend eingestuft haben. Solche Ereignisse können extremes Wetter auslösen. Besonders pardox: Denn trotz globaler Klimaerwärmung kommt es hierzulande zu diesen ungewöhnlich starken winterlichen Kälteeinbrüchen.

„Wir beobachten derzeit ein Ereignis, bei dem der Polarwirbel in zwei Teile aufgespalten ist - eine Luftmasse dreht sich über dem Nordatlantik und eine über dem Nordpazifik“, erklärt Anne Grete Straume von der ESA. 

Mit dem Aeolus-Satellit der ESA versuchen Wissenschaftler zu verstehen, was den Polarwirbel aus dem Gleichgewicht bringt. Aeolus ist der erste Satellit im Orbit, der die polaren Winde der Erde direkt aus dem Weltraum erfasst, so die Weltraumagentur. Für die Forscher ist es bedeutsam herauszufinden, was dieses polare Wetterphänomen auslöst oder gar verstärkt. Wahrscheinlich ist der Schwund des arktischen Meereises und die zunehmende Erwärmung des Nordatlantiks dafür verantwortlich. Noch ist es zu früh wissenschaftliche Schlussfolgerungen zu ziehen, schreibt die ESA auf ihrer Webseite. Doch mit den Aeolus-Daten erhoffen sich die Forschenden neue Erkenntnisse. (ml) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © Screenshot earth.nullschool.net

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