Drei Faktoren verunsichern

Sommer-Prognose 2021: Wetter-Experte nennt entscheidenden Unterschied zu den letzten Jahren für Deutschland

  • Jonas Napiletzki
    vonJonas Napiletzki
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Der Wetter-Experte Jan Schenk gibt eine Sommer-Prognose für Deutschland ab - es soll etwas wärmer und relativ trocken werden. Drei Faktoren verunsichern dennoch.

München - Der Leiter von „The Weather Channel Deutschland“, Jan Schenk, hat sich auf der Website weather.com erstmals im Jahr 2021 zu einer Sommer-Prognose geäußert. So deuten laut einem Video des Wetter-Experten alle Klimamodelle „auf einen relativ warmen Sommer hin“. Die Monate Juni, Juli und August würden wahrscheinlich leicht überdurchschnittlich warm.

Die größten Temperaturabweichungen gebe es aber nicht in Deutschland, sondern in Ost- und Nordeuropa sowie im Verlauf des Sommers in Südosteuropa. Schenk erklärt: „Dennoch kann man von einem warmen Sommer in Deutschland ausgehen, insbesondere, wenn man sich die Niederschlagsverteilung dazu ansieht.“

Wetter-Prognose: Sommer in Deutschland warm - Juli und August wohl trockenste Monate

Zwar sei die klimatologische Niederschlagsprognose mehr ein Trend als eine Vorhersage, „aber man erkennt, dass es im Frühjahr noch viel regnen soll, ehe es ab Juli meist trocken bleibt“. Erst im September sehe es wieder nach mehr Regen aus. Konkret spricht das für zwei warme und trockene Monate Juli und August. Allerdings gebe es noch ein paar Faktoren, die eine nicht unwesentliche Rolle spielen könnten.

Wetter-Experte: La Niña, Blob und Polarwirbel-Split beeinflussen Prognose für Sommer in Deutschland

Denn: Im Moment gebe es ein sich abschwächendes La-Niña-Ereignis im Pazifik zu beobachten. Bei diesem scheint nicht sicher, dass es zu Ende geht. Sollte sich dieses Wettereignis fortsetzen, bestehe eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für eine sogenannte Warm-über-Kühl-Lage. In der Folge könnte es in Nordeuropa eher zu warm werden, während es in Mitteleuropa etwas kühlere Temperaturen geben könnte. Das Klimamodell vom Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage (EZMWF) scheint genau diesen Effekt zu bestätigen, da es weniger hohe Temperaturabweichungen in Mitteleuropa vorhersagt.

Wetter-Phänomen „Blob“: Sommer in Deutschland profitiert vom „wärmeren Trend“

Schenk sagt: „Weiterhin hat sich ein guter Bekannter bereits sehr früh in diesem Jahr gemeldet. Meteorologen kennen zwei Blobs in den Weltmeeren. Einer liegt im nördlichen Pazifik und ist als der warme Blob bekannt.“ Dieser sorge für zu warmes Wetter - besonders im Winter.

„Der zweite Blob ist ein Kaltwasser-Pool vor Grönland.“ Er trete vermehrt im letzten Jahrzehnt auf und könnte ein Effekt schmelzender Eismassen sein. Dieser führe dazu, dass es in Westeuropa - besonders auf den Britischen Inseln - kühl und nass wird, während sich über Osteuropa ein Hochdruckgebiet hält. Für Deutschland könnte das laut dem Meteorologen bedeuten, dass es im Sommer häufig zu Südströmungen kommen könnte. Das wiederum spräche für einen deutlich wärmeren Trend.

Wetter in Deutschland im Sommer auch von Polarwirbel-Split beeinflusst? Westwinde könnten wechselhaftes Wetter bescheren

Schenk meint: „Der letzte wesentliche Faktor ist tatsächlich nochmal der Polarwirbel-Split im Januar. In den Jahren 2013 und 2018 kam es den ganzen Sommer über zu sehr starken Westwinden über dem Nordatlantik nach einem Polarwirbel-Split. Das würde für eher wechselhaftes Wetter bei uns sprechen.“ Diese Erkenntnis sei aber nur als Hinweis zu verstehen. In der aktuellen Prognose werde das noch vernachlässigt, weil es keine gesicherten Forschungsergebnisse dazu gibt.

Kein Hitze-Sommer in Deutschland: Klimamodelle sind sich für Deutschland wohl einig

Zufrieden zeigt sich der Wetter-Experte im Hinblick auf die Bodenfeuchte: „Die große Dürre scheint überstanden und Rückkopplungseffekte sind nicht zu erwarten in diesem Sommer. Das erhöhte Regenrisiko im Frühjahr ist durch die Regenprognosen im Mai und Juni ganz gut erfasst und sollte im Sommer auch keine Rolle mehr spielen.“

Damit könne sich Deutschland auf einen warmen und relativ trockenen Sommer ab spätestens Juli freuen. „Im Westen kann es unbeständiger sein als im Osten und insbesondere der kalte Blob ist ein Hinweis darauf, dass es auch mal richtig heiß werden kann.“ Dennoch seien sich die Klimamodelle einig, dass es nicht der große Hitzesommer werde, wie in den vergangenen Jahren. Das letzte Wort sei aber noch nicht gesprochen. „Eine neue Sommerprognose wird es im Laufe des Aprils geben“, verspricht Schenk. (nap)

Rubriklistenbild: © Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

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