Coronavirus Sars-CoV-2: Die Struktur des Coronavirus - besonders die stachelförmige Oberfläche - die sogenannten Spikes sind hier deutlich zu sehen.
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Coronavirus Sars-CoV-2: Die stachelförmiger Struktur auf der Oberfläche des Virus, die sogenannten Spikes sind hier deutlich zu sehen.

„USA-Variante“

Zwei neue Mutationen entdeckt: WHO mit dramatischer Warnung - „Zweites Corona-Jahr wird noch härter“

  • Martina Lippl
    vonMartina Lippl
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US-Forscher haben jetzt zwei neue Coronavirus-Varianten entdeckt. Wegen der bereits bekannten Corona-Mutationen reagiert die Weltgesundheitsorganisation (WHO) besorgt.

  • Das Coronavirus Sars-CoV-2 mutiert. In Großbritannien und Südafrika wurden Corona-Varianten entdeckt. Auf der ganzen Welt tauchen verschiedene Coronavirus-Variationen auf.
  • US-Forscher berichten von einer neuen Corona-Mutation, die wahrscheinlich auch deutlich ansteckender als der Ursprungs-Erreger ist.
  • Die WHO versucht gerade das Ursprungsvirus in Wuhan (China) zu erforschen. Doch die dramatische Ausbreitung neuer Mutationen des Coronavirus fordert eine neue Strategie.

Columbus/Genf - In Großbritannien und Südafrika wurden bereits zwei Corona-Mutationen entdeckt. Die Coronavirus-Variante B.1.1.7 grassiert in England und ist nach ersten Daten wohl um bis zu 60 Prozent ansteckender. In Südafrika ist eine ähnlich ansteckende Virus-Mutation aufgetaucht - die den Namen B.1.351 trägt.

Neue Corona-Mutationen in den USA entdeckt

Jetzt berichten Forscher aus Ohio (USA) von zwei neuen Varianten. Eine der beiden neuen Corona-Mutationen verbreitet sich, den Wissenschaftlern zufolge, seit Ende Dezember 2020 bis Januar in Columbus (Ohio) deutlich dominant.

„Dieser neue Columbus-Stamm hat das gleiche genetische Rückgrat wie frühere Fälle, die wir untersucht haben, aber diese drei Mutationen stellen eine signifikante Entwicklung dar“, erklärt Studienleiter Dr. Dan Jones in einer Pressemitteilung. Wie bei der in Großbritannien entdeckten Corona-Mutation B.1.1.7 würden sich die Mutationen der Columbus-Variante auf die sogenannten „Spikes“ der Oberfläche des Sars-CoV2-Virus auswirken. Das Coronavirus benötigt die Spikes auf der Oberfläche, um sich an die menschlichen Zellen zu binden und in diese einzudringen. Ebenso wie beim britischen Stamm machen die Mutationen im Columbus-Stamm das Virus wahrscheinlich ansteckender und erleichtern dem Virus die Übertragung von Mensch zu Mensch.

Corona-Mutation: Ist die Columbus-Variante COH.20G / 501Y gefährlich?

Die Sars-CoV-2-Mutation hat sich offenbar in den USA entwickelt. „Wir wissen, dass diese Verschiebung nicht von den britischen oder südafrikanischen Zweigen des Virus kam“, so Jones. Nach Ansicht der Wissenschaftler deute die Entdeckung der Columbus-Variante COH.20G / 501Y darauf hin, dass dieselbe Mutation in den letzten Monaten in mehreren Teilen der Welt unabhängig voneinander auftreten könnte. Einen Effekt auf die Wirksamkeit der Corona-Impfstoffe schließen die Forscher aber aus. Es gäbe derzeit keine Hinweise.

„Viren mutieren auf natürliche Weise und entwickeln sich im Laufe der Zeit, aber die Veränderungen in den letzten zwei Monaten waren stärker ausgeprägt als in den ersten Monaten der Pandemie“, sagte Jones. Sein Team habe die genetische Sequenzierung des Staates Ohio an SARS-CoV2-Proben von Umwelt- und Patienten durchgeführt und würde weiterhin nach Veränderungen suchen, wenn die Impfung erfolgt. Top-Virologe Christian Drosten sorgte im Dezember 2020 mit seinem Statement zu den neuen Corona-Mutationen für Aufsehen.

Die Ergebnisse der Studie der Ohio State University sind als Preprint auf der Wissenschaftsplattform biorxiv.org veröffentlicht und sind noch nicht von externen Experten geprüft.

Die Coronavirus Taskforce des Weißen Hauses hatte bereits Anfang des Monats vor einer „USA-Variante“ gewarnt, die möglicherweise im Umlauf sei, berichtet das US-Nachrichtenportal cnbc.com. Es sei eine Hypothese gewesen um die Corona-Ausbrüche in den letzten Monaten zu erklären. Die US-Seuchenbehörde CDC habe jedoch vergangene Woche erklärt, dass in den USA keine neuen Varianten entdeckt wurden, die nichts mit den bereits entdeckten Stämmen zu tun habe.

Coronavirus-Mutation: WHO ruft Notfallkomitee ein

Die WHO reagiert angesichts der dramatischen schnellen Ausbreitung neuer Mutationen des Coronavirus. Ein Notfallkomitee wurde vorzeitig zu einer dringenden Sitzung in Genf einberufen, berichtet die Nachrichtenagentur AFP.  Die Sitzung sei vorgezogen worden, um „Themen zu besprechen, die dringender Aufmerksamkeit bedürfen“, erklärte die WHO in Genf. Dazu zählten „die jüngsten Virusvarianten sowie Überlegungen über den Umgang mit Impfungen und Testzertifikaten auf internationalen Reisen“.

Nach dem stellvertretenden Generaldirektor der WHO, Mike Ryan, könnte das Coronavirus in diesem Jahr die Welt aber noch härter treffen als im vergangenen Jahr. „Wir gehen in ein zweites Jahr ... es könnte angesichts der Übertragungsdynamik und einiger Probleme, die wir sehen, noch härter sein“, sagte Ryan in einer Mitteilung. Der Epidemiologe koordiniert für die WHO den Kampf gegen die Pandemie.

Mögliche Gründe für erhöhte Infektionszahlen seien einige Aspekte im Zusammenhang mit der Ausbreitung des Virus. Vor allem die Nordhalbkugel sei angesichts der neuen, ansteckenden Virusmutationen betroffen, so Ryan. 

WHO-Mission in China - Auf Coronavirus-Spurensuche in Wuhan

Erstmals ist das Coronavirus vor gut einem Jahr in der Millionenmetropole Wuhan in China festgestellt worden. Dort landete am Donnerstag ein WHO-Expertenteam, zu dem auch Fabian Leendertz vom Robert-Koch-Institut in Berlin zählt. Die Experten sollen nach den Ursprüngen des Virus forschen, mussten sich wegen der strikten chinesischen Einreisebestimmungen aber zunächst für zwei Wochen in Quarantäne begeben. In China steigen indes die Corona-Infektionen sprunghaft an. (ml mit Material der AFP) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

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