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Der Sarg wird in diesem Bestattungsinstitut in Memphis im Fenster ausgesellt.

In Memphis/Tennessee

Wie bei McDonald‘s: Hier gibt es die Bestattung im Vorbeifahren

Memphis - Eine Bestattung im Vorbeifahren, bei der man dem Verstorbenen durch ein Fenster die letzte Ehre erweist. Gibt es nicht, meinen Sie? In den USA schon. Und die Methode hat einen ernsten Hintergrund.

Der Bestatter Ryan Bernard ist der erste seiner Zunft, der im US-Bundesstaat Tennessee diese Bestattungsform anbietet. Als er das alte Bankgebäude im Südosten von Memphis kaufte, fand er schnell einen ungewöhnlichen Nutzen für das Ausgabefenster an der Seite des Hauses: wo früher die Kunden ihre Geldgeschäfte aus dem Auto heraus regelten, steht nun ein aufgebahrter Sarg im Fenster, berichtet der Sender USA Today. Im Vorbeifahren können die Trauergäste so dem Verstorbenen die letzte Ehre erweisen. Die Idee habe Bernard bei einem Besuch in Kalifornien aufgeschnappt, wo es das ungewöhnliche Bestattungs-Konzept schon länger gibt. „In Memphis gibt es eine Vielzahl von Bestattungsunternehmen, die bereits einen großen Namen haben und seit 100 Jahren schon existieren. (...) Ich brauchte daher etwas Einzigartiges, dass mich herausstechen ließ.“ 

So läuft die Bestattung aus dem Auto

Der Bestatter Ryan Bernard.

So übernahm er einfach kurzerhand die Idee mit dem „drive-thru“-Service. Und so funktioniert das ganze: Die Trauergäste fahren mit ihren Autos einen kleinen Weg an der Seite des Bestattungsgebäudes entlang und werden dort von einem Angestellten mit einem iPad empfangen. Das Tablet ist gedacht als Gästebuch, in dem sich die Hinterbliebenen eintragen können. Danach fährt man vor, bis zu einem breiten Panoramafenster, wo der aufgebahrte Sarg des Verstorbenen ausgestellt ist. Jeder Trauergast hat nun drei Minuten, um dem Toten zu gedenken. Danach kommt das nächste Auto an die Reihe.

„Das hilft Leuten, die entweder nicht mehr so mobil sind, keine Lust haben, einen Parkplatz zu suchen oder einfach Angst davor haben, in das Bestattungsinstitut zu kommen“, meint Bernard. Die Reaktionen auf das neue Konzept seien überwiegend positiv gewesen. Auch wenn es einige Kritiker gibt, wie Bob Arrington. Er hat selbst ein Beerdigungsunternehmen im nahegelegenen Jackson. „Meiner Meinung nach, sollte der Körper nicht zur Schau gestellt werden, wie ein neues Auto.“ Er ist aber überzeugt, dass sich die Methode im Süden der USA nicht durchsetzen werde, weil man dort sehr traditionell sei.

Neue Methode verhindert Gang-Gewalt

Doch die Bestattung im Vorbeifahren kann durchaus einen wichtigen Nutzen haben, zumindest im Robert L. Adams Bestattungsinstitut in Compton (Kalifornien). Dort ist der Weg komplett abgeschlossen und das Glas des Ausstellungsfensters besteht aus kugelsicherem Glas. Die Methode ist daher besonders bei den Beerdigungen von Gang-Mitgliedern beliebt, weil es so zu keinen gewaltsamen übergriffen kommen kann. Auch in Memphis eine durchaus sinnvolle Lösung, ist die Stadt doch auf Platz vier der gefährlichsten Städte der USA.

Patrick Steinke

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