+
Die langen Beine und vor allem der lange Hals lassen Giraffen bis zu sechs Meter in die Höhe ragen und machen sie zu den derzeit größten landlebenden Tieren der Erde. Foto: Marcel Van Hoorn

Wie die Giraffe ihren langen Hals bekam

Giraffen besitzen viele im Tierreich einzigartige Merkmale. Wie entstanden sie im Verlauf der Evolution? Forscher sind dem mit einer umfangreichen Erbgutanalyse nachgegangen.

Arusha (dpa) - Wie kam die Giraffe zu ihrem langen Hals? Die zugrundeliegenden Veränderungen im Erbgut der Tiere haben Forscher aus Tansania, Kenia, Großbritannien und den USA untersucht. Das Team entzifferte dazu erstmals das Genom der Giraffe und ihres nächsten Verwandten, des Okapis.

Wesentliche Veränderungen des Skeletts und des Herz-Kreislauf-Systems entstanden bei Giraffen demnach im Verlauf der Evolution vermutlich zeitgleich. Die Wissenschaftler stellen ihre Untersuchung im Fachblatt "Nature Communications" vor.

Die langen Beine und vor allem der lange Hals lassen Giraffen bis zu sechs Meter in die Höhe ragen und machen sie zu den derzeit größten landlebenden Tieren der Erde. Ihre einzigartige Statur bringt zahlreiche Herausforderungen für das Skelett sowie für das Nerven- und Herz-Kreislauf-System der Tiere mit sich. Um etwa das Blut vom Herz zwei Meter in die Höhe Richtung Gehirn zu pumpen, haben sie ein besonders leistungsstarkes Herz. Ihr Blutdruck ist zudem etwa doppelt so hoch wie bei anderen Säugetieren. Die Blutgefäße sind so angelegt, dass sie die entstehenden Druckunterschiede abfangen können, wenn die Giraffe plötzlich ihren Kopf herunterbeugt - etwa zum Trinken.

Welche genetischen Veränderungen diese und andere Anpassungen ermöglichten, untersuchten die Forscher um Morris Agaba vom African Institute of Science and Technology in Arusha (Tansania) über einen Vergleich von Giraffen- und Okapi-Genom. Okapis und Giraffen stellen die beiden einzigen Gattungen in der Familie der Giraffenartigen dar. Okapis haben anders als ihre Verwandten keinen derart langen Hals. Die Wissenschaftler sequenzierten das Genom zweier Massai-Giraffen (Giraffa camelopardalis tippelskirchi), einer Unterart, die im südlichen Kenia und Tansania beheimatet ist.

Die Analyse der Genome zeigte zunächst, dass sich die Entwicklungswege von Giraffen und Okapis später trennten als bislang angenommen: vor etwa 11,5 Millionen Jahren anstatt vor etwa 16 Millionen Jahren. Die Wissenschaftler identifizierten insgesamt 70 Gene, die bei Giraffen im Vergleich zu Okapis und zahlreichen anderen höheren Säugetieren derart verändert waren, dass sie eine Anpassung an die spezielle Biologie der Giraffe ermöglichten.

So zeigte sich zum Beispiel die Abfolge der Bausteine in solchen Genen verändert, die unter anderem die Entwicklung der Halswirbel steuern. Giraffen haben trotz ihres langen Halses nicht mehr Wirbel als andere Säugetiere, diese sind aber extrem verlängert. Solche genetischen Abweichungen, die das Skelett der Tiere veränderten, traten gleichzeitig mit solchen auf, die das Herz-Kreislauf-System betrafen.

Giraffen hätten wegen ihrer Größe einige physiologische und strukturelle Probleme zu bewältigen, schreiben die Forscher. Die Lösung dieser Probleme, insbesondere im Bezug auf das leistungsstarke Herz-Kreislauf-System, könnten aufschlussreich für die Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Bluthochdruck beim Menschen sein.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Nordamerika wohl schon wesentlich früher besiedelt
San Diego (dpa) - Frühe Menschen haben Nordamerika möglicherweise schon vor etwa 130 000 Jahren erreicht - und damit 115 000 Jahre früher als bisher angenommen.
Nordamerika wohl schon wesentlich früher besiedelt
Miesmuschel behauptet sich auch in saurer werdendem Meer
CO2-Emissionen lassen nicht nur die Erdtemperatur steigen, sondern auch die Meere versauern. Das bedroht viele Meereslebewesen, weil der niedrige pH-Wert die Bildung von …
Miesmuschel behauptet sich auch in saurer werdendem Meer
Dresdner soll 22-Jährige überfahren und ausgelacht haben
Cottbus - Verhöhnt und ausgelacht sollen der Täter und seine Beifahrer die 22-jährige Austausch-Studentin aus Ägypten haben. Zuvor überfuhren sie die junge Frau. Nun …
Dresdner soll 22-Jährige überfahren und ausgelacht haben
Ikea warnt: Clevere Designer verkaufen blauen Beutel für 2000 Euro
Stockholm - Einer dieser blauen Ikea-Beutel, aber für 2000 statt 0,99 Euro... Das ist der neueste Coup der Designer von Balenciaga. Die Lacher auf seiner Seite hat aber …
Ikea warnt: Clevere Designer verkaufen blauen Beutel für 2000 Euro

Kommentare