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Delanie Weyer während einer ihrer Schlafphasen

Ärzte kennen keine Heilung

Wie Dornröschen: 23-Jährige im wochenlangen Trance-Schlaf

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Menahga - Delanie Weyer leidet seit fünf Jahren unter dem sogenannten „Dornröschen-Syndrom“. Immer wieder wird die junge Frau von wochenlangen Schlafphasen heimgesucht. Heilung gibt es bislang keine.

Wochenlang schlafen ohne aufzuwachen. Was nach einer witzigen und erholsamen Erfahrung klingt, ist leider eine ebenso seltene wie ernstzunehmende Krankheit, bekannt unter dem Namen "Dornröschen-Syndrom". Der Fachbegriff lautet "Kleine-Levin-Syndrom“ (KSL). Die 23-jährige Delanie Weyer aus dem US-Staat Minnesota ist eine der weltweit nur etwa 1000 Betroffenen, die unter der Krankheit leiden und so ihr halbes Leben im wahrsten Sinne des Wortes „verschlafen“.

Wie kansascity.com berichtet, verpasste Delanie bereits Feste wie Thanksgiving, Ostern, den 85. Geburtstag ihres Großvaters und die Feiern zu ihrer Volljährigkeit an ihrem eigenen 21. Geburtstag. Zunächst verstand Delanie nicht, was mit ihr los sein könnte, doch dann diagnostizierten die Ärzte bei ihr die seltene Krankheit.

Ranji Varghese, ein Psychiater des Minnesota Regional Sleep Disorders Center, ist fasziniert. Delanie ist die erste Patientin, bei der er das seltene „Dornröschen-Syndrom“ diagnostiziert hat. „Es ist real. Es liegt nicht an psychiatrischen Problemen, nicht an schlechten Angewohnheiten oder Faulheit. Es ist eine Dysfunktion des Gehirns,“ so Varghese gegenüber dem News-Portal WCCO.

Das besonders Schlimme an der Krankheit ist nicht nur, dass die Betroffenen Personen nicht wissen, wann und wie lange sie schlafen, sondern dass mit den langen Schlafphasen von bis zu mehreren Wochen auch Verhaltensänderungen und eine verminderte Aufnahmefähigkeit für das Weltgeschehen einhergehen. 

In den krankheitsbedingten Schlafphasen, die manchmal Tage, aber auch Wochen oder Monate dauern können, erwachen die Betroffenen häufig nur in einem tranceartigen Zustand, essen oder gehen ins Badezimmer. Eine Website, die sich intensiv mit dem Syndrom beschäftigt, gibt den Betroffenen und ihren Familien Hilfe und vermittelt Ärzte, die sich mit der Krankheit auskennen.

Sanjeev Kothare, Professor für Neurologie an der NYU Langone Comprehensive Epilepsie Center-Sleep-Center, sagte gegenüber Yahoo News: „Es kommt in Schüben, manchmal wachen sie ganz normal am morgen auf und manchmal schlafen sie für 20 Stunden am Tag.“

Experten sind sich nicht sicher, was genau die Krankheit auslöst, halten aber einen Virus für den wahrscheinlichsten Grund. So könnte beispielsweise eine Grippe eine Autoimmunreaktion in dem Teil des Gehirns auslösen, der für die Wachsamkeit erforderlich ist.

Delanies Mutter, Jean Weyer,  plant, sie während ihrer nächsten Schlafphase in das Schlafzentrum von Professor Varghese zu bringen, damit die Ärzte untersuchen können, was in dieser Zeit in ihrem Körper vorgeht. Ihre erste lange Schlafphase hatte Delanie im Alter von 18 Jahren. Damals schlief sie fünf Wochen durch.

Krankheit führt auch zu Depressionen

„Ich schlafe 15 bis 20 Stunden am Tag, egal wo. Wenn ich aufwache bin ich total verwirrt, wie in einem Wahn und weiß nicht nicht mehr was vor sich geht,“ sagt Delanie. „Ich habe dann keine Motivation irgendetwas zu tun, fühle mich depressiv und frustriert, weil ich nicht weiß, was vor sich geht.“ Dies habe sogar dazu geführt, dass ihre Mutter, bevor die Diagnose gestellt wurde, glaubte, ihre Tochter habe angefangen mit Drogen zu experimentieren.

„Ich bin eine typische Mutter, die sie aufforderte, aufzustehen und etwas zu unternehmen. Aber dann diese Irritation, dieser starre Blick. Ich fragte mich, ob sie mich anlog, ob sie einfach nur faul war oder ob sie irgendeine Art von Drogen nimmt,“ sagt Jean Weyer. Manche Eltern bringen ihre Kinder in psychiatrische Einrichtungen, weil sie nicht wissen was los ist oder eine falsche Diagnose gestellt wurde.

Delanie versucht sich nicht von ihrer Krankheit einschränken zu lassen. Sie führt eine glückliche Beziehung und hat im letzten Jahr sogar ihren Universitätsabschluss bestanden. Dennoch beeinträchtigen die langen und unvorhersehbaren Schlafphasen ihre Pläne.

Doch es gibt Hoffnung: Bei einigen Patienten, die am „Dornröschen-Syndrom“ litten, verschwanden die Symptome so plötzlich, wie sie gekommen waren. Womöglich kann Delanie also irgendwann wieder ein ganz normales Leben führen. Davon träumen auch andere Patienten der schlimmen Krankheit, wie zum Beispiel die 22-jährige Beth Goodier aus Großbritannien.

Katharina Haase

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