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Auf dem Gemälde "Selbstbildnis mit schwarzem Tongefäß und gespreizten Fingern" stellt sich der Künstler Egon Schiele selbst dar. Typisch für seinen Stil sind die knöchrigen Finger.

Wie Egon Schiele zum Meister des Expressionismus wurde

Provokante Posen, knöchrige Finger und ausgezehrte Körper – Egon Schieles Stil ist einzigartig. Der Bildband „Fast ein ganzes Leben“ aus dem Hirmer Verlag beleuchtet, wie der Künstler seine unverwechselbare Ausdrucksmalerei entwickelte und welchen Einfluss seine Heimatverbundenheit dabei spielte.

Ein Aktbildnis von 1910: Egon Schiele malt sich selbst völlig entblößt. Sein Gesicht schneidet eine Fratze. Der Mund ist komisch verzerrt, das Haar zerzaust, seine Augen werden zu weißen Schlitzen. Auffällig ist sein abgemagerter Körper und die überdimensional langen und seltsam verschränkten Gliedmaßen. Den einen Arm hinter den Körper geklemmt, den zweiten seitlich weggestreckt. Die skelettartigen Finger sind abgespreizt.

Auf dem Selbstbildnis wirkt er isoliert, sich selbst fremd, an der Welt verzweifelndzugleich aber provokant. Je mehr man sich mit Schieles Werk auseinandersetzt, desto verwirrender und widersprüchlicher erscheint der Mensch dahinter.

Wer war Egon Schiele?

Der Künstler hat sich in seinen Bildern und Zeichnungen immer wieder neu erkundet. Wer bin ich? Das scheint eines der Kernthemen seiner Kunst zu sein. Mit dieser Frage setzt sich auch der Bildband „Fast ein ganzes Leben“ aus dem Hirmer Verlag auseinander.

Anhand neuester Quellen und bisher unveröffentlichter Daten befasst sich die Publikation mit kaum beachteten Aspekten aus Schieles Lebens. Dabei wird deutlich, wie eng sein Werk mit der Biografie und den Wohnorten des Künstlers verwoben ist. Egon Schiele (1890–1918) verließ Niederösterreich nur selten. Sein Leben spielte sich zwischen Tulln, Klosterneuburg, Neulengbach und Wien ab. Während seiner gesamten Schaffensphase ließ er sich dabei immer wieder von der Umgebung und den Menschen, auf die er traf, inspirieren.

Vom Niederösterreicher zum Giganten der Moderne

Den Grundstein seiner Ausdruckskunst legte er zum Beispiel während seiner Zeit in Klosterneuburg. Hier wohnte er im Haus des angesehenen Arztes und Radiologen Guido Holzknecht. Schiele lernte von ihm die neuesten Entwicklungen der Röntgenstrahlen aus nächster Nähe kennen.

Der 15-Jährige zeigte sich beeindruckt von den Aufnahmen, die dank dieser neuen Technik möglich waren. Die Röntgenstrahlen legten den Blick ins Innere der Menschen frei und lösten Angst in der Gesellschaft aus. Das gefiel dem jungen Künstler. Er entwickelte daraus eines seiner einzigartigen Stilelemente: die skelettierten, knöchrigen Hände und die schmerzhaft ausgedünnten Körper. Damit setzt der Künstler bis heute Maßstäbe.

Die Publikation zu Schieles Leben

Der Bildband „Fast ein ganzes Leben“ verdeutlicht zum ersten Mal, wie sehr Schiele sich von den wissenschaftlichen und kulturellen Strömungen seiner Zeit inspirieren ließ. Jede Station seines Lebens wird ausführlich geschildert und in Bezug zu seinem Werk gesetzt. Das Buch bietet damit auf rund 300 Seiten und mit 200 Farbabbildungen eine umfassende Sicht auf die Biografie und das Schaffen des Künstlers. Herausgeber Christian Bauer und seinem Forschungsteam gelingt es damit, erstmals darzustellen, wie Schiele die wesentlichen Elemente seiner Ausdruckskunst entwickelte.

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